hardrock, matsch und dosenbier

Das war der Festivalsommer 2009

Review/Bericht vom 29.09.2009 | Autor: regioactive.de

Tags: Hexentanz   Schlossgrabenfest   Immergutrocken   Rock am Ring   Rock im Park   Make some Noise   Southside   OpenAir St. Gallen   With Full Force   la pampa Festival   Arena of Pop   Rock am Bach   Splash!   Sonisphere   Hiphop Open Minded   Melt!   Deichbrand   Frauenfeld Openair   Das Fest   Taubertal   Mini-Rock Festival   Rocco del Schlacko   Wiley   Dockville   Sziget   Wacken Festival   Summer Breeze   Festivalsommer  

Egal ob Sonne oder Schauer, ob quälende Hitzewellen oder kalte Regenstürme: Auch dieses Jahr gab es zahlreiche Freiluftkonzerte, die tausende frenetisch feiernde Musikbegeisterte fernab des tristen Alltags durch den Sommer geleiteten. Von hartem Rock über mittelalterliche Klänge bis hin zu HipHop war natürlich wieder alles vertreten. Wir lassen die vergangenen Wochen und Monate noch einmal Revue passieren. Bis zum nächsten Jahr, wenn Sonne und Musik im Einklang wieder begeisterte Festivalgänger mobilisieren.

Impressionen vom Rock am Ring 2009Impressionen vom Rock am Ring 2009
Foto: Thomas Galambos
© regioactive.de
Wenn sich schier unüberblickbare Horden ungewaschener Menschen auf schmutzigen Äckern tummeln, zusammengepfercht in kleinen Zelten, dem Wind, Regen und Kälte trotzend, um kurz darauf in schweißtreibender Hitze zu darben; wenn Dosenbier Grundnahrungsmittel ist und Billigfleisch vom Einweggrill im Vergleich zu Bohnentopf und Ravioli das Gourmetstück der täglichen Ernährung darstellt; wenn man zerknautscht aufwacht, weil das Trommelfell noch immer schwingt und es Abwrackprämiere fürs Gehirn geben sollte, und sich schlussendlich der Griff zur vermeintlichen Wasserflasche beim Zähneputzen als morgendlicher Kontakt mit "Klarem" erweist: dann wird kognitives Potential zu vegetativer Selbsterhaltung, dann ist Festivalsaison. Für alle verloren gegangenen Erinnerungen der letzten Monate bieten wir euch hier einen chronologischen Überblick des Sommers fernab gemütlicher Picknickwiesen, familienüberfluteter Schwimmbäder und idyllischer Urlaube am Meer.

Hexentanz (30.04. - 02.05.)

Wie jedes Jahr konnte der Festivalsommer für Musikfans auch 2009 nicht schnell genug beginnen. Mit dem Hexentanz Openair-Festival und jeder Menge Mittelalterrock konnte die Vorfreude schon ein bisschen gestillt werden. Nach der traditionellen "Walpurgisschlacht" ging der Hexentanz erst richtig los: Zwölf Bands gaben sich die Ehre, unter anderem Subway to Sally und ASP, und sorgten für beste Stimmung bei den Besuchern.

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Schlossgrabenfest (28.05. - 31.05.)

Schlossgrabenfest 2009 - Freitag - Emil Bulls 11Schlossgrabenfest 2009 - Emil Bulls
Fotos: Mathias Störch
© regioactive.de
Vier Tage lang war Darmstadts Residenzschloss wieder Festivalschauplatz für Hessens größtes Musikfestival: das Schlossgrabenfest. Weit über 400.000 Menschen rockten an den fünf Bühnen an vier regenfreien und sonnigen Tagen. Der Besucherstrom in der City riss bis zum Ende nicht ab und machte die elfte Auflage des kostenlosen Festivals mit den mehr als 80 Bands wieder zum vollen Erfolg.

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Immergutrocken (29.05. - 30.05.)

Jubiläum und Trennung in Neustrelitz: zum zehnjährigen Festivalbestehen organisierte Hauptveranstalter Daniel Kempf die "deutsche Indiehölle" zum letzten Mal mit. Das familiäre Musikereignis, das seit langem auf 5000 Tickets beschränkt ist, konnte aber trotz Abschied und kaltem Wetter wieder mit bester Atmosphäre überzeugen. Hier steht noch immer ganz klar die Musik im Vordergrund und nicht der tumbe "Festivaltourismus".

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Rock am Ring & Rock im Park (05.06. - 07.06.)

Duff McKagans Loaded (Rock am Ring 2009) 3Duff McKagan's Loaded (Rock am Ring 2009)
Foto: Thomas Galambos
© regioactive.de
Regen und Matsch im Doppelpack: Das europaweit bekannte Zwillingsfestival Rock am Ring/im Park hat kurz vor Sommerbeginn noch einmal Petrus Zorn auf sich gezogen. Ob es an Schockrockern wie Marylin Manson oder Slipknot lag, dass der alte Mann derart mit dem jungen Partyvolk ins Gericht ging, bleibt fraglich. Fakt hingegen ist, dass sich die erwartungsfreudige Besucherschar auch von jeder Menge Regen und spätherbstlichen Temperaturen von teilweise gerade sechs Grad nicht davon abhielten ließ, sich vor den Bühnen zu Bands wie Placebo, Papa Roach, Machine Head, Mando Diao, Limp Bizkit, Billy Talent und Guano Apes durch ausgelassen fröhliches Hüpfen, Tanzen und Feiern warm zu halten.

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Make some Noise (13.06.)

Diskriminierung, Folter und Hinrichtung von Minderheiten, Regierungsgegnern und Andersdenkenden stehen in vielen Ländern dieser Welt noch immer an der Tagesordnung. Dabei muss der Blick gar nicht in die dritte Welt oder in den nahen Osten schweifen, denn Verletzung von Menschenrechten geschieht auch in Europa oder den USA. Amnesty International will das nicht akzeptieren. Um die Menschenrechte in den Mittelpunkt der Medien zu rücken, fand am 13. Juni 2009 das Make Some Noise Festival im Herzen Hamburgs statt. Die Benefiz-Veranstaltung wurde unterstützt durch die Auftritte von Jennifer Rostock, Vincent Van Go Go, Peter Blume und The Knight.

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Southside (19.06. - 21.06.)

Southside Festival 2009 - 15Southside Festival 2009
© FKP Scorpio
Das ausverkaufte Southside Festival war für ein Wochenende wieder einmal das Zuhause von mehr als 50000 Gästen, die hauptsächlich aus Süddeutschland, der Schweiz und Österreich angereist waren. Für drei Tage avancierte Neuhausen ob Eck zum Mekka für Fans von Musik aller Art, von A wie Die Ärzte bis Z wie Anthony Zaro. 40 Jahre nach dem legendären Woodstock-Festival wurde zu vielen starken Bands traditionell im Schlamm gewühlt und der Zivilisation das blanke Hinterteil entgegengestreckt.

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OpenAir St. Gallen (26.06. - 28.06.)

Dass die Schweizer nicht nur für ihre Schokolade oder ihren Käse bekannt sein sollten, demonstrierten sie zweifellos beim OpenAir St. Gallen. Eine laue Brise und purer Rhythmus zu Beginn, heftige Wolkenbrüche und mörderische Klänge als Hauptgang, Schlammschlachten und ein völlig zerstörtes Gelände als Zugabe. Im Sittertobel herrscht der Ausnahmezustand. Ein perfektes Festival, gespickt mit einigen Highlights wie Mando Diao, Peter Fox, The Sounds, Cypress Hill, Nine Inch Nails und vielen mehr.

>> Unser Bericht aus St. Gallen

 

With Full Force (03.07. - 05.07.)

With Full Force 2009: Amon Amarth 15With Full Force 2009: Amon Amarth
Foto: Till Schieck
© regioactive.de
Bereits zum 16. Mal fand dieses Jahr das With Full Force Festival statt. Bei brütender Hitze gaben sich wieder reihenweise Topacts die Klinke in die Hand. Der Segelflugplatz Roitzschjora bei Löbnitz (nördlich von Leipzig) war erneut Schauplatz für Metal-, Hardcore- und Punk-Konzerte der Superlative, u.a. dabei Motörhead, Dimmu Borgir, The Carburetors und Hatebreed. Am Donnerstagmittag öffnete der "heftigste Acker Deutschlands" seine Pforten für rund 35.000 Hardcore- und Metal-Fans, die nur darauf brannten, ihre Lieblingsbands gehörig abzufeiern.

>> "With Full Force"-Festivalbericht

  

DAS FESTIVALQUINTETT: Das Wochenende vom 10. Juli bis 12. Juli war gut bestückt und bot fast mehr Auswahl als der beschränkten Entscheidungsfreiheit dienlich gewesen wäre!

Rock am Bach (10.07. - 11.07.)

Ein wahrer Sturm fegte über die sonst so beschauliche Gemeinde Merzig im Saarland hinweg. Etwa 9000 begeisterte Rocker und Metaller ließen es sich bei der 11. Auflage des Rock am Bach-Festivals nicht nehmen, richtig auf den Putz zu hauen und zwei Tage lang zu brachialem Gitarrengewitter zu feiern. Highlights des Events an der Saar waren die Auftritte der Headliner Motörhead und Dropkick Murphys, die den Festivalbesuchern wohl noch lange im Gedächtnis und vor allem in den Knochen stecken bleiben werden - beide Bands spielten bis tief in die Nacht.

>> hier geht's zum Bericht über das Rock am Bach

 

La Pampa (10.07. - 12.07.)

Das la pampa Festival läutete die zweite Runde ein! Die erste Ausgabe des Festivals im Vorjahr war schon ein voller Erfolg – und auch dieses Jahr bot man wieder Großes. Mitten "in der Pampa" bei Görlitz wurde abermals ein abwechslungsreiches und interessantes Event auf die Beine gestellt. Etablierte Acts standen neben aufstrebenden Newcomern (u.a. die Hamburger Vierkanttreter, die sich über regioactive.de einen Platz ergattern konnten) auf den Bühnen, so spannungsvoll zusammengestellt, dass selbst der Regen den Pampanauten nichts anhaben konnte.

>> hier geht's lang zur Pampa

  

Frauenfeld Openair (10.07 - 12.07.)

Sido (Frauenfeld Openair 2009) 1Sido (Frauenfeld Openair 2009)
Foto: Alexander Rath
© regioactive.de
Anlässlich der 15. Ausgabe des  Openair Frauenfeld feierten über drei Tage und drei Nächte internationale Gäste auf der Großen Allmend in Frauenfeld. Auf den zwei Bühnen traten 35 internationale, spektakuläre Acts auf, unter anderem die amerikanischen Rap-Superstars Kayne West, 50 Cent, Lil Wayne, N.E.R.D. und The Game, aber auch deutsche Ausnahmekünstler wie Deichkind, Sido, Samy Deluxe und der Reggaestar Gentleman. Als krasser Kontrast und Farbtupfer standen zusätzlich die norwegischen Death-Punks von Turbonegro auf der Hauptbühne.

>> hier geht's zum Frauenfeld-Review

 

Splash! (10.07 - 12.07.)

Seit nunmehr 12 Jahren gibt es das Splash!, doch 2009 fand es zum ersten Mal auf dem Gelände der "City of Steel" (Ferropolis) statt, wo seit Jahren auch das Melt!-Festival seine Zelte aufschlägt. Unter anderem kurzfristige Zusagen wurden als Gründe für den Standortwechsel des HipHop-Events angegeben. Internationale Künstler wie Method Man & Redman, Talib Kweli, Q-Tip und The Streets boten neben einem Großteil der deutschen Rap-Prominenz drei Tage lang feinste Livemusik. Die Graffiti-Veranstaltung "Write for Gold", der Skatepark, eine Breakdancebühne und viele weitere Nebenaktionen machten das Splash! auch in diesem Jahr wieder zu einem besonderen Happening, mit Regen und gefühlten 300 Michael Jackson-Tributes!

>> hier gibt's alles zum Splash! 2009

 

Arena of Pop (11.07.)

Arena of Pop 2009Arena of Pop 2009
Bei angenehmen Temperaturen feierten rund 125.000 Besucher das größte Popfestival Baden-Württembergs am Mannheimer Barockschloss. Nachdem das Event im Vorjahr abgesagt worden war, konnte die unter der Schirmherrschaft von Radio Regenbogen und dem Land Baden-Württemberg stehende kostenlose Veranstaltung an den Erfolg von 2007 anknüpfen und mit Ausnahmekünstlern wie Christina Stümer, Silbermond und Reamonn aufwarten. 

>> hier den ersten AoP-Bericht lesen

>> hier geht's zum zweiten AoP-Bericht

 

Melt! (17.07. - 18.07.)

MELT! 2009: Bonaparte (live in Ferropolis, 2009) 2MELT! 2009: Bonaparte (Ferropolis, 2009)
Foto: René Peschel
© regioactive.de
Auch wenn es uns "Terminator", "2001: A Space Odyssey" und Co. pausenlos suggerieren: Mensch und Maschine stehen sich nicht immer in einem zerstörerischen Konflikt gegenüber. Faszination für kalten Stahl kann sogar pures Glück bedeuten – so auch dieses Jahr auf dem Melt! Festival 2009. Nach einem kurzen Durchhänger im letzen Jahr, der sich besonders in organisatorischen Fehlschlägen abzeichnete, können sich die Macher nun wieder entspannt zurücklehnen. Parallelen lassen sich höchstens im vorhergehenden Wetterbericht erkennen, und der ließ wahrlich Schlimmes erahnen: Regen, Donner, Blitze das komplette Wochenende. Glücklicherweise entschied sich Thor doch noch kurzfristig um und beschränkt sich auf ein kurzes, dafür umso heftigeres Donnerwetter am Freitagabend, dem leider Moderat und diverse andere Acts zum Opfer fielen.

>> für Fotos und den Bericht zum Melt! hier entlang

  

MTV Hiphop Open Minded (18.07.)

Peter Fox (HipHop Open 2009 in Mannheim) 6Peter Fox (HipHop Open 2009 in Mannheim)
Foto: Simone Cihlar
© regioactive.de
Bereits um 11 Uhr öffneten die Tore der neunten Ausgabe der MTV HipHop Open, das diesmal auf dem Vorplatz des Mannheimer Schlosses stattfand. Mit dem Umzug von Stuttgart in die Quadratestadt sollte das Festival gleichzeitig einen neuen Anstrich bekommen, indem der übliche HipHop-Künstlerkreis auf benachbarte Genres ausgedehnt wurde und das Event den Namenszusatz "Open Minded" erhielt. Die Festivalgäste erlebten ein positives, aber nicht durchgehend spektakuläres Event, das von Xavier Naidoo bei widrigen Wetterbedingungen eröffnet wurde.

>> hier geht's zum Bericht

 

Taubertal Festival (07.08. - 09.08)

Flogging Molly (Taubertalfestival 2009) 12Flogging Molly (Taubertalfestival 2009)
Foto: Rudi Brand
© regioactive.de
Auf zwei Bühnen rockten drei Tage lang angesagte nationale und internationale Top-Acts auf der Eiswiese in Rothenburg o.d. Tauber. Neben Größen des Business, wie dem Farin Urlaub Racing Team oder den Toten Hosen, konnten auch hoffnungsvolle Nachwuchstalente auf der Bühne live performen. So hatte beispielsweise die Schülerband Zico & the Noisemakers, die Gewinner der "Rockbühne", einem Nachwuchswettbewerb der "Nürnberger Nachrichten", die Ehre, das diesjährige Spektakel zu eröffnen. Auch hoben die Veranstalter ganz deutlich den Umweltaspekt des Festivals und die damit verbundenen Aktivitäten hervor. Im Rahmen eines Rundgangs über das Gelände wurden zwei alternative Möglichkeiten der Stromerzeugung vorgestellt.

>> lest unseren Taubertal-Bericht

 

FÜNF AUF EINEN STREICH: Vom 12. bis 17. August überschnitten sich einige (regionale) Hochkaräter, Festivals mit Kunstanspruch und ein "Newcomer".

Trotzdem gab es durch die Bank positive Bilanzen zu vermelden!

Sziget (12.08. - 17.08.)

Pendulum (live auf dem Sziget 2009)Pendulum (live auf dem Sziget 2009)
© Sziget Produkció
Zu den Festival-Perlen gehört das Sziget-Festival, am Rande der ungarischen Hauptstadt Budapest gelegen. 400.000 Menschen lockte es mit einem umfassenden, einwöchigen Programm. Soviel Angebot bietet kein anderes Festival, doch diese Vielfalt ist gleichzeitg Fluch und Segen, denn wenn man sich bei anderen Festivals mit drei Bühnen schon manchmal überfordert fühlt, steigert sich dieses Gefühl hier ins Höchste. Oranisatorisch hingegen gab es auch in diesem Jahr kaum etwas zu beanstanden, sieht man vom vollkommen ahnungslosen Personal an den Infoständen ab. Abgesehen davon war und ist das Sziget aber wohl eines der besten, umfangreichsten und günstigsten europäische Festivals und bleibt in dieser Form hoffentlich noch länger bestehen.

>> hier geht's zum Sziget-Bericht (Teil1)

>> hier geht's zum Sziget-Bericht (Teil 2)

 

Mini-Rock-Festival (14.08. - 15.08.)

Schon fünf Jahre steht das ehrenamtlich organisierte Mini-Rock-Festival für grandiose Rock-Wochenenden direkt am Neckar. Neben vielen Hochkarätern aus der Branche wollen die Veranstalter auch gezielt jungen Nachwuchskünstlern aus der Region eine Plattform bieten, live vor einem größeren Publikum zu performen. Bei strahlendem Wetter in Horb am Neckar feierten 8000 Besucher und 21 Bands das kleine Jubiläum mit renomierten Artists wie K.I.Z. oder Enter Shikari.

>> lest mehr über das Mini-Rock-Festival

 

Rocco del Schlacko (14.08. - 15.08.)

Rocco del Schlacko 2009: Deichkind 9Rocco del Schlacko 2009: Deichkind (Herchenbach, 2009)
Foto: René Peschel
© regioactive.de
Seit seinem Debüt 1999 wuchs das Rocco del Schlacko Festival immer weiter und hat sich mittlerweile mit fast 25.000 Besuchern fest im Festivalkalender etabliert. Spielten zu Beginn noch überwiegend Bands aus der Region, ist es spätestens seit den letzen fünf Jahren auch zu einem Anziehungspunkt für absolute Hochkaräter der nationalen und internationalen Musikszene geworden: Acts wie Samy Deluxe, Mia und das Farin Urlaub Racing Team sorgten für beste Stimmung und ausgelassenes Feiern.

>> hier geht's zum Schlacko-Bericht

 

Dockville (14.08. - 16.08.)

Turbonegro (live auf dem Dockville Festival am 14.08.2009) 9Turbonegro (live auf dem Dockville Festival am 14.08.2009)
Fotos: Holger Nassenstein (www.nassenstein.net)
© regioactive.de
Die Kritikpunkte nehmen wir gleich vorneweg: Das Gelände lag in einem sonst eher öden Industriegebiet, eingebettet in Bäume und Sträucher sowie umrahmt von Speichern, Hebebrücken und Windrädern. Nicht immer ideal, zum Beispiel wenn man als Zuschauer mal schnell von der Dorfbühne zur genau auf der anderen Seite befindlichen Hallenbühne wechseln wollte. Und auch die teilweise fast einstündigen Wartezeiten störten einige Fans. Das Dockville Festival 2009 hatte aber auch viele schöne Aspekte zu bieten, zum Beispiel das herrliche, warme und sonnige Sommerwetter. Auch interessante Ideen, wie der Kaffee-Bus, ein Kissen-Kino oder das "Horn", in dem die Festivalbesucher tagsüber mit verschiedenen Gegenständen Musik erzeugen konnten, sorgten für jede Menge Spaß. Ebenso der Poetry Slam, der neben den Sparten "Musik" und "Kunst" auch die Kultursparte "Literatur und Poesie" bediente.

>> das Dockville im Rückblick

 

Wiley Open Air (15.08.)

Bei traumhaftem Sommerwetter und ausverkauftem Haus durften in Neu-Ulm über 15.000 Menschen die Geburt des Wiley Open Air zelebrieren. Als Headliner dienten keine Geringeren als die Punk-Legenden Die Toten Hosen. Bei blauem, wolkenlosem Himmel und gefühlten 50 Grad in der Sonne harrten viele Fans stundenlang in den ersten Reihen aus, um ihren Idolen am Abend so nahe wie möglich zu sein. Mit dem Eindruck eines sehr gelungenen Festivals bleibt zu hoffen, dass 2010 das volle Potential des Geländes ausgeschöpft werden kann.

>> Gelungenes erstes Wiley Open Air

 

Und sonst so?

Sonisphere (04.07.) Metallica, Anthrax, etc.
Nach einem schwachen Start konnte Anfang Juli das Sonisphere-Festival auf dem Hockenheimring doch noch überzeugen, woran neben dem Headliner Metallica aber auch andere Bands nicht ganz unschuldig waren. Warum aber ein Teil der Speerspitze der alten Thrash Metal-Garde beinahe zur Mittagszeit spielen musste, ist bis heute nicht klar. >> mehr

Deichbrand (17.07.) – Eisbrecher, Polarkreis 18, etc.
Nach einer langen Zeit des Wartens war es wieder soweit: Das Deichbrand Festival 2009 in Cuxhaven stand an. Kalt und nass war es, aber dennoch herrschte drei Tage lang gute Laune. Mehr als 10.000 Besucher feierten bei der mittlerweile schon fünften Auflage des Festivals vor zwei Bühnen zu nationalen und internationalen Top-Acts. Den absoluten Höhepunkt lieferten die Schwedenrocker und Headliner Mando Diao ab. >> mehr

Das Fest (24.07. - 26.07.)Culcha Candela, Peter Fox, etc.
Der Blick vom Hügel hinunter auf die Bühne ist längst legendär, ebenso wie die eingeschränkte Standfestigkeit auf eben diesem. Eher weniger Bewegung dort, sicher ist sicher, dafür aber umso mehr Action vor und auf der Bühne: zum fünfundzwanzigsten Geburtstag wurde in Karlsruhe ein reichhaltiges Top-Programm geboten, an dem die ca. 380.000 Besucher des Umsonst-Festivals in der Günther-Klotz-Anlage sichtlich ihren Spaß hatten. >> mehr

Der Verlierer der Festivalsaison

Wacken Festival 2008Wacken Festival 2008
© W:O:A
Finanziell und vom Aspekt der Anziehungskraft auf die breite Masse wie jedes Jahr einer der großen Gewinner: Das Wacken Open Air am jeweils ersten Augustwochenende. Das 20-jährige Jubiläum 2009 war bereits im Dezember des Vorjahres restlos ausverkauft, die Ticketpreise auf eBay explodierten schlagartig. Doch warum? Für einen runden Geburtstag dieser Größenordnung konnte man einiges erwarten, aber statt hochkarätiger Headliner und einer voluminösen Ladung Heavy Metal, ergingen sich die Veranstalter in Mittelaltermarkt, Wikingerdorf und allerlei Albernheiten (Wrestling, persönliche Dixietoiletten zum Wucherpreis, umetikettierte Billigplörre als Wacken-Bier, etc.). Keine der gebuchten Bands konnte den Ticketpreis von inzwischen weit über 120 Euro rechtfertigen oder eine annährend erinnerungsträchtige Show bieten wie in den letzten Jahren noch Iron Maiden oder Accept. Heaven and Hell, also Black Sabbath mit James Dio, und zum x-ten Male Motörhead, ansonsten jede Menge Musik, mit dem das eigentliche Klientel wenig anfangen konnte. Wacken hat den Status, als erste Assoziation mit "Heavy Metal" genannt zu werden, ohne es zu sein; die Veranstaltung ist inzwischen reiner Markenname – und so verkauft es sich auch! Oder ist es wirklich Heavy Metal, wenn ein Bier im Wert von knapp 70 Cent in der Wacken-Dose plötzlich 2 Euro im Supermarkt kostet? Prestige in Szenekreisen: Fehlanzeige! Festivaltourismus in Reinkultur: Olé! Für wahre Anhänger der Musik bieten andere Veranstaltungen, wie z.B. (noch) das Summer Breeze oder PartySan, eine weitaus besser bestückte und durch die Bank günstigere Alternative.

Ausblick auf die Zukunft

Mit ein wenig Wehmut, aber vor allem auch mit jeder Menge Erholungsbedarf für den geschundenen Körper, die halbtauben Ohren und die verklebten Synapsen begibt sich der festivalerprobte Mensch zurück in die Zivilisation. Wie lange er nach den einprägsamen Erlebnissen der letzten Monate brauchen wird, um sich wieder gesellschaftlich zu aklimatisieren, das bleibt wohl eines der ewig ungelösten Rätsel der Menschheit. Manch einer munkelt, er würde sich direkt in den Winterschlaf begeben und nur manches Mal bei Nacht hevorgekrochen kommen, um in engen, dunklen und stickigen Konzerträumen von der Freiheit der ... ach, was soll's, bis zum nächsten Jahr, wenn Sonne und Musik im Einklang wieder begeisterte Festivalgänger in Scharen zu neuen, zu aufstrebenden, zu regionalen und zu lange etablierten Freilauftveranstaltungen rufen!

regioactive.de

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