"hey mr. tambourine man"

Roger McGuinn live im Colos-Saal in Aschaffenburg

Von Jan Wölfer. Veröffentlicht am Samstag, 25. Juli 2009
Roger McGuinn

Solo und akustisch (siebensaitig) bzw. elektrisch (zwölfsaitig) spielte der bestens aufgelegte Kopf der legendären Byrds ein begeistert gefeiertes Konzert im Colos-Saal in Aschaffenburg, bei dem so ziemlich alle Hits seiner Karriere zum Zuge kamen. Und da er derer wirklich viele vorzuweisen hat, kam wohl wirklich jeder Gast an diesem Abend auf seine Kosten.


Roger McGuinn.
Die Bühne ist noch leer, als plötzlich ein vertrautes Gitarrenintro aus den Lautsprechern klingt – und schon schreitet Roger McGuinn breit grinsend mit seiner zwölfsaitigen Rickenbacker zum Mikrofon und singt "Crimson flames tied through my ears", die erste Zeile von My back pages, den ersten von insgesamt 7 Dylan-Songs, die er an diesem Abend spielen wird. Seine Stimme, die ja von Natur aus eher dünn ist, zeigt an diesem Abend allerdings keinerlei Schwäche. Jeder Ton steht und überhaupt sieht er mindestens 15 Jahre jünger aus, als er tatsächlich ist (er wurde vor einer Woche 67!). Die Begleitung bestreitet er – na klar – zum einen auf seiner Rickenbacker, als zweite Gitarre spielt er eine siebensaitige Martin Westerngitarre, nicht mit einer tiefen Zusatzsaite, sondern mit einer oktavierten G-Saite, die die Gitarre mitunter wie eine zwölfsaitige klingen lässt, ihm jedoch auf den anderen Saiten einsaitiges Spiel ermöglicht ("A guitar like a swiss knife"). Die meisten Songs kürzt er gnadenlos um eine oder gar mehrer Strophen. Eine Entscheidung, die zwar manche Puristen verärgern mag, jedoch auf einer Soloshow eine richtige ist, denn er vermeidet so unnötige Längen und haut dem begeisterten Publikum stattdessen Klassiker um Klassiker um die Ohren.


Roger McGuinn
McGuinn war zwar immer der Kopf der Byrds und auch das einzige Mitglied, das von Beginn an bis zum Ende in der zahllose Male umformierten Band mitspielte. In den Jahren nach Ende der Band (1973) waren es jedoch in erster Linie seine Mitstreiter, die, auch bedingt durch ihr Ableben, von der Kritik weitaus stärker in den Vordergrund gerückt wurden, als es zu ihrer aktiven Zeit in der Band der Fall war. Die Rede ist dabei von Gene Clark, der zwar solo nie an die Erfolge mit den Byrds anknüpfen konnte (ähnlich wie McGuinn), jedoch in den 60er und 70er Jahren noch hervorragende Werke einspielte. Noch größeren Ruhm konnte Gram Parsons, der lediglich für 10 Monate bei den Byrds mitspielte, postum erlangen, gilt er doch (verdientermaßen) als die zentrale Figur der Entstehung des Countryrocks. Der noch lebende David Crosby war mit Crosby, Stills & Nash bereits in den frühen 70s ein Mega-Act auf Stadiontournee, während die späten Byrds und McGuinn solo deutlich kleinere Brötchen backen mussten. An diesem Abend im Colos-Saal sind es dann auch nur geschätzte 400 bis 500 Leute, die eine Legende zum Greifen nah und hervorragend in Form erleben durften.

Als letztes Lied im regulären Set kommt der Über-Hit Mr. Tambourine Man, bei dem man aber Chris Hillmans Bass schon vermisst. Als erste Zugabe folgt darauf der Track, der auch auf dem Album folgt, nämlich Feel a whole lot better. Dass beide Songs im Original von Gene Clark gesungen wurden, erwähnt er nicht. The Byrds werden an diesem Abend auf die Person Roger McGuinn reduziert. Eight miles high kommt in einer beeindruckenden Soloperfomance daher, die zu Beginn das spanische Instrumental Asturias zitiert, das unter anderem auch Spanish caravan von den Zeitgenossen The Doors einleitet. Was kann man danach noch spielen, zumal wenn die anderen großen Hits der Byrds bereits verbraucht sind? Ein Mega-Hit von Bob Dylan: Knockin’ on heavens door, das er zwar auf seinem ersten Soloalbum aufnahm, vor allem aber auf der 75/76er Rolling Thunder-Revue gemeinsam mit Dylan sang. Leider brachte er nicht die herrliche Strophe, die auf dem TV-Mitschnitt der Tour festgehalten wurde: "Mama take this 12-string off of me / I can’t pick it anymore / You can turn it back into a tree / Feels like I’m knocking on heavens door". Dafür sang zum Glück keiner im Publikum die Axl Rose-Zwischenmelodie im Chorus mit – und das ist ja auch viel wichtiger!

Setlist:

My back pages / Mr. Spaceman / Armstrong, Aldrin and Collins / Pretty boy Floyd / Pretty Polly / You ain't goin’ nowhere / Ballad of easy rider / I wasn't born to follow / It's alright Ma, I’m only bleeding / All I really wanna do / American girl / King of the hill / The trees are all gone / Chestnut mare / Black mountain rag / St. James infirmary blues / Don't you write her up / 5D / Lover of the bayou / He was a friend of mine / Turn, turn, turn  / So you want to be a Rock'n'Roll star / Mr. Tambourine Man / Feel a whole lot better / Chimes of freedom / Eight miles high / Knocking on heavens door

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