Aus gutem Grund hängt dem Southside ja eigentlich der Ruf an, eine zumeist reibungslos verlaufende Schönwetterveranstaltung zu sein. Die diesjährige Ausgabe war davon aber bisweilen ein ganzes Stück entfernt, und die sonst so verwöhnten Besucher bekamen Gelegenheit zu beweisen, dass sie auch unter widrigen Bedingungen rocken können. 50.000 Fans ließen sich ihre Laune nicht verderben - denn bei Sonnenschein kann ja schließlich jeder feiern.

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© FKP Scorpio
Vom Wetter zu reden steht normalerweise ja geradezu sinnbildlich für die Beschäftigung mit Belanglosem. Ganz anders sieht das aber für den gemeinen Haus- und Stadtbewohner aus, wenn ihn nur etwas Kleidung und Plane von der widerspenstigen Natur trennen, er ihr also für seine Verhältnisse praktisch schutzlos ausgeliefert ist. Die brachte auf dem diesjährigen Southside übrigens nicht nur Regen. Zugegeben: Da dieser täglich fiel, mal weniger und kürzer, meist aber eher heftiger und länger, etablierten sich er und seine Begleiter Blitz, Schlamm und Dreck schnell als dominierendes Thema bei Bands und Fans. Daneben war es aber auch noch kalt und die kampierenden Musikfans, die beim Southside sonst eher Sonnenstrich als Unterkühlung fürchten, fanden sich nächtens mit Temperaturen im mittleren einstelligen Bereich konfrontiert.

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Die Veranstalter, naturgemäß in Sachen Wetter unschuldig, taten ihr Bestes, um wenigstens die Folgen so gut wie möglich abzumildern. Den schlimmsten Matschlöchern wurde beispielsweise durch die Verteilung großer Mengen Stroh zu Leibe gerückt. Dem folgten einige der rar gesäten trockenen Stunden, weshalb sich kurzzeitig ein wenig "Ferien-auf-dem-Bauernhof-Atmosphäre" breit machte, die sich besonders deutlich in Strohschlachten vor der Blue-Stage manifestierte. Der wichtigste Beitrag gegen das schlechte Wetter war jedoch ein anderer: Die für Festivalverhältnisse luxuriöse Ausstattung mit Duschmöglichkeiten erlaubte die Befreiung des Körpers vom Schlamm unter wohlig warmem (!) Wasser, ohne dafür groß Anstehen zu müssen. Daneben verdient eine zweite Maßnahme zur Erhöhung des Wohnkomforts lobende Erwähnung: Um den Besuchern den Verzicht auf das Mitbringen eigener Getränke zu erleichtern, und damit das Müllaufkommen zu senken, wurde der halbe Liter kaltes Bier und die dreifache Menge Wasser auf dem Campingplatz für jeweils einen Euro angeboten.

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Selbstverständlich drehte sich auf dem Southside dann aber doch nicht alles nur ums Wetter und Bier. Musik gab es natürlich auch noch – und zwar so gut und so viel, dass zu diesem Thema vieles in unserem Festivalbericht steht!

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Auf den drei Bühnen präsentierte sich eine gewohnt feine Auswahl an Bands, darunter Helden mit glorreicher Vergangenheit und legendengleichem Status wie Faith No More oder Nick Cave & The Bad Seeds und solche, die sich in den letzten Jahre in die Liga der Headliner gespielt haben wie Kings of Leon oder Franz Ferdinand, und natürlich auch Aufsteiger, denen vermutlich noch Großes bevorsteht wie The Gaslight Anthem, Blood Red Shoes oder The Whip. Trotz jeder Menge großartiger Shows tat es das Konzertprogramm gelegentlich dem Wetter gleich und verlief nicht ganz so wie gewünscht, wovon besonders die Blue Stage betroffen war. Immer wieder gab es dort Probleme mit dem Sound, was in einem mehrminütigen Totalausfall während des Auftritts von Nick Cave gipfelte. Zudem hinkte man dort am Sonntag dem Spielplan um bis zu eine Stunde hinterher, was nicht nur gelegentlich zu Wartefrust, sondern auch für viele ungewollte Überschneidungen im Programm führte.

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Doch im Endeffekt konnten weder die Zicken des Wetters noch die der Technik den positiven Gesamteindruck ernstlich trüben. Auch wenn den 50.000 freundlichen und äußerst friedfertigen Fans spätestens am Sonntag die kraftraubenden und strapaziösen Tage deutlich anzumerken waren, ließen sie sich die gute Laune und den Spaß an den Konzerten nicht verderben. Bei Sonnenschein kann schließlich jeder feiern.

Marcel Benoit

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