"wir haben einen natürlichen endpunkt erreicht"
Die Kleinen Götter: Das letzte Interview
Interview vom 31.03.2009 | Autor: Dobromila Walasek
Tags: Die Kleinen Götter
Interview vom 31.03.2009 | Autor: Dobromila Walasek
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"Vielleicht wird das mein letztes Lied sein..." heißt es in "Jetzt erst recht" von den Kleinen Göttern. Und jetzt ist es offiziell: Schluss, aus, vorbei. Die Kleinen Götter trennen sich nach fast 13 Jahren. Am 12. April geben sie in Konstanz ihr Abschiedskonzert. Im letzen Interview schwelgten wir mit Sänger Till Grusche in Erinnerungen über die "Familie Band", wilde Ereignisse, und blicken nochmal kurz nach vorne auf den allerletzten Termin.
Zwölf Jahre zusammen – hat sich da ein familiäres Gefühl in der Band entwickelt?Warum also trotzdem die Trennung?
Till: Ein paar pragmatische Gründe. Wir leben mittlerweile beruflich bedingt über vier Städte und tausende Kilometer verteilt. Da probt es sich einfach schlecht. Und dann ist da einfach auch ein ganz starkes Gefühl, so eine Art natürlichen Endpunkt erreicht zu haben. Das Konzept der kleinen Götter hat sich über zwölf Jahre vom pubertären Fun Punk hin zu irgendetwas wie nachdenklichem Indie Pop mit lauten Gitarren entwickelt.
Wann genau hat es sich abgezeichnet, dass es wohl aufs Ende zugehen würde?
Till: Als wir uns an die Produktion unserer CD Zuhause gemacht haben und nachdem wir das Rock am See in unserer Heimatstadt gespielt hatten (denn das war immer eines unserer ganz ganz großen Ziele). Nach Zuhause haben wir alle gespürt, dass das eine Art Endpunkt in einer gemeinsamen Entwicklung ist. Das ist traurig und schön zugleich, weil wir wirklich einen ganz tollen Weg mit einer durchgehend starken Energie und vielen Entwicklungen gegangen sind. Ich hätte sehr Angst davor, jetzt nur noch einen Status zu verwalten, hin und wieder mal auf ein Konzert zu proben und ein bis zwei neue Songs pro Jahr hinzubekommen. Dann lieber ein klarer Endpunkt zur richtigen Zeit.
Für viele Fans ist es sicherlich nicht leicht zu sehen, dass sich die Lieblingsband auflöst. Hattet ihr einmal dasselbe Erlebnis? Welche eurer Lieblingsbands haben sich aufgelöst?
Till: Na ja, mit dem Alter wird man da etwas resistenter… und außerdem kommen sie ja alle irgendwann wieder mit einem Comeback, siehe Faith No More, Smashing Pumpkins, Guns 'n' Roses, Die Ärzte… alles damals Auflösungen, die mir schwer gefallen sind. Und bei einigen wäre es wohl auch besser gewesen, wenn sie es dabei belassen hätte.
Was hat euch im Gegensatz zu anderen Bands einmalig gemacht?
Till: Ich glaube auf unserem zweiten Demo hatten wir einen Song, der mit der Zeile endete: "Wir sind die Götter – Amen." Das sagt es doch eigentlich ganz gut, oder? Ernsthaft: Ich glaube, wir haben immer volle Energie gegeben, wir waren immer sehr greifbar und wollten auch in allem Rockstar-Getue immer irgendwie ehrlich sein. Wir waren vielleicht nicht die größten Musiker, aber wir sind große Entertainer, mit ganzem Herzen.
Welcher Song der Kleinen Götter passt am besten zu einem Abschied?
Till: Sehr sehr viele, das ist doch auch eines der ganz großen Themen im Leben. Das Lied für Freunde von der Platte Antipunk und 14 Kartons von Zuhause, um mal zwei zu nennen. Und beide werden hundertprozentig auch beim Abschiedskonzert gespielt.
Wenn ihr zuerst auf eure ersten Demos zurückblickt, dann auf Zuhause: Wie würdet ihr eure musikalische Entwicklung, die ihr in den letzten Jahren gemacht habt, charakterisieren?
Till: Vom Nichtskönnen zum Ausprobieren. Vom Ausprobieren zum Fun Punk. Vom Fun Punk zum Knutsch-mich-Punkrock. Vom Knutsch-mich-Punkrock zum Rock. Vom Rock zum Indie-Rock. Und währenddessen immer eine gigantische Liebe zur großen Melodie. Insofern stimmt das vielleicht auch alles gar nicht und wir haben einfach immer Popmusik gemacht.
Was ist das beste an der neu gewonnenen Freiheit?
Till: Ich fühle mich nicht freier mit der Aussicht, keine Band zu haben. Es hat sich sehr lebendig angefühlt, mit den Kleinen Göttern zu leben. Es fühlt sich auch jetzt gerade mit Blick auf den Abschied von der Band sehr lebendig an.
Wie wird es für die einzelnen Bandmitglieder weiter gehen?
Till: Puh, schwierige Frage. Musikalisch bekommst Du hier wahrscheinlich von vier Bandmitgliedern vier verschiedene Antworten. Frank hat, glaube ich, schon Kontakte zu neuen Bands aufgenommen, Dani wird ganz sicher auch nicht von der Bühne verschwinden, Tino wird seine Gitarre vermutlich auch nicht verkaufen, und ich habe mich schon mal als Singer/Songwriter mit Akustikgitarre auf einer Bühne geträumt. Muss ich jetzt nur noch richtig Gitarre spielen lernen.
Bestes / schlechtestes Konzert?
Bestes: Southside und Rock am See
Schlechtestes: Ein Bandwettbewerb in Radolfzell
Euer größtes oder peinlichstes Missgeschick auf der Bühne?
Till: Ich glaube, als wir in jungen Jahren auf einem SWR3-Truck in der Stuttgarter Fußgängerzone standen und während eines einminütigen Bass/Schlagzeug-Intros Tino mit den hektischsten Bewegungen, die ich jemals gesehen habe, versucht hat, die Gitarre zu reparieren.
Kuriosestes Fan-Erlebnis?
Till: Die Tatsache, dass manche Leute einfach kontinuierlich unglaublich viele Kilometer für uns gefahren sind. Vielen Dank dafür.
Bester/ schlechtester Moment auf Tour?
Bester: Ein Publikum, das einen noch nie gesehen oder gehört hat, zum Ausrasten bringen (Danke Idar-Oberstein)
Schlechtester: Als Frank mit äußerst schlechter Laune in einer Bierlache aufgewacht ist...
Wie kann man sich das Abschiedskonzert vorstellen? Warum drei Sets?
Till: Ich sag nur: Dramaturgie… der Rest ist Überraschung. Es wird ein Abend mit drei in sich geschlossenen Konzerten sein. Einen Gang durch unsere ganze Geschichte. Blöde Sprüche von den Arschgeigen von Benzin. All unsere Hits. All unsere Peinlichkeiten. Und garantiert auch ein paar Tränen. Wir werden uns alle Mühe geben, einfach das beste Konzert unseres Lebens zu spielen und den Abschied zu feiern.
Danke dir für das Interview! Wir wünschen euch einen tollen Abschieds-Abend.
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