ohrenbetäubend

Emil Bulls, Sonic Delivery & Sturch live im Knaack-Klub in Berlin

Review/Bericht vom 03.03.2009 | Autor: Johanna Lange

Tags: Emil Bulls   Sonic Delivery   Sturch  

In Zeiten der Wirtschaftskrise werden Preis-Leistungs-Verhältnisse immer wichtiger. Daran nahmen sich Emil Bulls wohl ein Beispiel und boten für 10 bis 15 Euro im Berliner Knaack-Club einen interessanten Abend mit sehr unterschiedlichen Klängen.

Emil BullsEmil Bulls
Zwei Vorbands zu haben ist an sich ja schon eine gute Sache. Wenn die Jungs von Sonic Delivery aus der Schweiz dann auch noch für den richtigen Einstieg sorgen, ist es umso besser. Mit ihrem sehr charmanten Sänger und eingängigem Rock, der eventuell noch als "Metal light" zu bezeichnen ist, würde es nicht verwundern, wenn Sänger Lars, Drummer Chris und Gitarrist Sascha mit Leichtigkeit den Einzug in einschlägige Teenagermusikmagazine schaffen, einen ordentlichen Labelvertrag ergattern und ebenso in den Charts landen und Mädchenherzen erobern würden. Sympathisch und klar als ordentliche Live-Band zu erkennen, stehen die Drei ihren Mann und meistern bravourös die Aufgabe, den Fans der Emil Bulls anzuheizen. Für manche Anwesenden trotz Shoutens sicherlich zu weich, für einen ordentlichen Einstieg aber genauso gut wie für einen chilligen Abend zu Hause. Musik, von der man gerne mehr hören und mehr sehen möchte, weswegen man dem Debütalbum gespannt entgegensieht.

SturchSturch
© Sturch
Doch es war mit einem Warm-Up-Act nicht genug. Musikalisch härter ging es weiter mit Sturch. Doch härter heißt nicht automatisch besser. Obwohl die musikalischen Klänge auf mehr Wohlwollen und Mitmach-Aktionen stießen, als die der ersten Band, bleibt den Cottbussern ein Frontmann, der sich nicht zu behaupten weiß und mit einer Mischung aus Arroganz und Unsicherheit von der Bühne durch die Zuhörer läuft. Obwohl er etwas plump agiert, bricht sofortige Mithüpflaune aus. Während er sich in Selbstdarstellung versucht, wird ein Ruf im Publikum vehement lauter: "Halt’s Maul und spiel." Wir schließen uns an: weniger ist mehr! Wobei es sich bei Sturch tatsächlich um eine Band handelt, die auf CD nach Großem klingt und durch ihr Auftreten live ihre Einzig- und vor allem Großartigkeit komplett versemmelt. Schade.

Emil Bulls 15Emil Bulls @ Big Noise Indoorfestival, Session Walldorf
Foto: Marco Hammer
© regioactive.de
Zuviel Vorgeplänkel, zu massive Wartezeit, zu langer Aufbau: Die Sehnsucht war groß nach Emil Bulls, die mit nagelneuem Gitarristen auf der Bühne loslegten. Ein klarer definierter Bass wäre aber dennoch schön gewesen, und eine etwas präzisere Abmischung sollte für den nächsten Gig auch eine Überlegung wert sein. Die Emil Bulls hauen rein und alle singen mit. Ohrenbetäubend und viel zu laut wurde gefeiert und Emil Bulls als toll be- und empfunden. Der umstrittene Ruf des Mädchen-Metals ist musikalisch betrachtet aus der Luft gegriffen, ist allerdings ganz klar die Interpretation der Optik und des Benehmens des Sängers Christoph von Freydorf, der auch solo und mit Flamingo andere Klänge unter Beweis stellt. Was er aber an diesem Abend zeigte, hat Seltenheitswert und ist einfach nur unglaublich groß: Es ist möglich so zu shouten, dass der Text immer noch verständlich ist und jeder im Knaack pogt, hüpft und mitbrüllt.

Doch Emil Bulls sind nun mal Emil Bulls. In der Szene zu kommerziell, für den Kommerz zu szenig. Froh ist, der eine eigene Meinung hat und die Münchener feiert, weil sie es sich verdient haben, durch eine große Live-Performance, ein bisschen Zynismus gepaart mit Authentizität und einfach nur purer, übergreifender Freude an dem, was sie da tun.

Johanna Lange

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