Bereits zum zweiten Mal zog die "Check the Rhyme"-Tour an vier Terminen durch Deutschland, wobei versierte Rapper aus der goldenen Ära des amerikanischen Sprechgesangs ihre Live-Skills zum Besten gaben. Diesmal bestand das gewaltige Aufgebot aus Künstlern wie Jeru the Damaja, Lords of the Underground, Tha Alkaholiks, The Beatnuts und Oldschool-Veteran Paris. Den Abschluss der Tour im verschneiten München ließen wir uns daher nicht entgehen.
Lords of the Underground
© Lords of the Underground Eröffnet wurde "Check the Rhyme" im Werk des Münchner
Backstages von den
Lords of the Underground aus New Jersey. Als erster des Trios betrat
DJ Lord Jazz die Arena, nahm seinen Platz an den Technics ein und ging sofort mit
Funky Child auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Schwungvoll erklommen dazu die MCs
Mr. Funke und
DoItAll Dupré die Bühne und begeisterten die Menge anschließend gleich weiter mit
Here come the Lords. Mit ihren vom Jazz angehauchten Beats gehören die Lords zu den Aushängeschildern des von Queen Latifah initiierten New Jerusalem-Sound. Leider arbeiteten LOTUG mit Halb-Playback und wurden deshalb mehrfach Opfer von ebenso überflüssigen Becherwürfen aus dem Publikum. Trotzdem spielten die Lords mit
Psycho, Tic Toc und
Check it alle Klassiker aus ihrer Hochphase vor ihrer vorläufigen Auflösung 1994.
Chief Rocka markierte nach einer knappen Stunde das Finale einer ansehnlichen aber ausbaufähigen Performance.
The Beatnuts
© The Beatnuts Danach gebührte den Latinos von
The Beatnuts die Hoheit über die Mics. Obwohl die Beatnuts gerade für ihre partytauglichen Pressbeats bekannt sind, hatten sich
Psycho Les und
JuJu das andächtige
Do you believe? von ihrem Album
Stone Crazy (1997) als Opener ausgewählt. Kurz darauf nahm die Party mit
No Escapin’ this, Se Acabo und einigen Gläsern Hennessy jedoch mächtig an Fahrtwind auf. JuJu legte nun sein orangenfarbenes Shirt von Brandt-Zwieback frei – musikalisch spielten die Sample-Kings in Gedenken an das verstorbene HipHop-Schwergewicht Big Pun das fanfarige
Off the Books. Am Ende ihres eindrucksvollen Auftritts boten die World Famous Beatnuts natürlich noch das eingängige Flötenspiel von
Watch out now.
Jeru the Damaja
© Jeru the Damaja Im nahtlosen Übergang stand mittlerweile der Fidel Castro des Rapspiels:
Jeru the Damaja, in der Manege und begann auf DJ Hondas packende
El Presidente-Produktion einzureimen. Mit einem unkonventionellen Mix aus Stand-up Comedy und Hardcore-Rap hatte der Damaja die Crowd – wie kein anderer an diesem Abend zuvor – im Griff. Während
Da Bitchez und
Ya Playin' Yaself für Begeisterungsschübe sorgten, studierte der Dirty Rotten Scoundrel für seinen ultimativen Hit
Come Clean einen dreistimmigen Chor mit den Münchnern ein ("Ah Oh - heads up - cuz we droppin' some Scheiße"). Dabei änderte das Mitglied der New Yorker
Gang Starr Foundation unter anderem auch schon Mal Textzeilen ab, um seine frisch erworbenen Deutschkenntnisse einfließen zu lassen. Zum Abschluss einer der besten Auftritte der Nacht, leitete Jeru mit
Ain’t the devil happy passend zu Oldschool-Rapper
Paris über, der 1990 mit seinem Album
The Devil made me do it für großes Aufhorchen sorgte.
Rückseite von Paris' Platte "Assata's Song".
© Guerrilla Funk Recordings Damals weigerte MTV sich strikt, die gleichnamige Single- und Videoauskopplung vom Debütalbum des Black Panther of HipHop zu spielen. Natürlich ließ P-Dog es sich diesmal nicht nehmen, seinen hoch politisierten Hit zu präsentieren. Das Klima der laufenden Party war nun auf stark bassunterlaufenen Oldschool-Sound gewechselt und erinnerte an Auftritte, wie
Public Enemy sie abliefern. Musterbeispiel für die funkigen Rhythmen auf die Paris seine roughen und oft anstößigen Rhymes legt, ist
Break the Grip of Shame. Unterstützung an den 1 & 2’s bekam Paris dabei von
DJ True Justice, der das Ganze mit schnellen Scratches würzte.
Tha Alkaholiks
© Tha Alkaholiks (www.myspace.com/alkaholiks) Letzter Act des bestechenden Festival-Line-ups waren
Tha Alkaholiks, die spaßigen Raps weitaus näher stehen als Paris. Neben ihrem unzweideutigem Bandnamen und ihrer damit verbundenen Leidenschaft für alkoholhaltige Erfrischungsgetränke sind die Liks besonders durch ihren unverwechselbaren Liquid Funk von der Westküste Amerikas bekannt. Als ersten Track legte
E-Swift Aww Shit auf, der begleitet wurde von Becks-Duschen für die ersten fünf Reihen und noch mehr Hennessy für die Bühnenakteure. Eine bessere Kombo ist für den Abschluss einer Rap-Party kaum vorstellbar. Auch alle anderen Künstler nahmen nun am großen Showdown teil, zu der
Da Da Da Da, Make Room und
Daaam! den wohlpumpenden Soundtrack der Abschieds-Fiesta bildeten. Zu den Alki-Hymnen
Alkaholik und
HipHop Drunkies, bei denen sonst noch HipHop-Exzentriker wie Xzibit oder Ol’ Dirty Bastard mitwirken, ließ es sich
J-Ro nicht nehmen, das komplette Backstage auf eine Lokalrunde einzuladen. Bevor anschließend noch die Aftershowparty mit
DJ Explizit von Main Concept anstand, ließen
Tash und seine beiden Mitstreiter "Check the Rhyme" mit
Next Level und
Only when I’m drunk endgültig ausklingen. Insgesamt eine spitzen Zusammenstellung von MCs und DJs, die für eine rundum perfekte Party gesorgt hat.
Andreas Margara