die urväter des progressiven pop-rock Marillion live im Kesselhaus in Berlin

Von Jasmin N. Weidner. Veröffentlicht am Freitag, 20. Februar 2009
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Marillion

Mit ihrem Sänger Fish hatten sie Welthits wie "Kayleigh" und "Incommunicado": Marillion. Doch die Band bestand auch nach seinem Ausstieg weiter. Auf ihrer aktuellen Tour machten die Briten im Berliner Kesselhaus Station. Eine Show mit silberglänzender Lederjacke, Kettchen und Brusthaaren.


Marillion
Foto: Niels van Iperen
Die "Generation Golf" hat ihren älteren Kumpels und Brüdern Bescheid gegeben, die wiederum haben ihre Enkel angerufen, ihre Kleiderkiste unterm Bett hervor gezogen, sich in ihre schönsten HardRockCafé-Shirts geworfen, dann noch schnell die Judas Priest ("Hell's Angels") Gedächtnisjacke abgestaubt. Und da sind sie jetzt alle: bei Marillion im Berliner Kesselhaus. Bereits um 20:30 Uhr legen Marillion, die 80er-Jahre Legende, los. Das Kesselhaus ist voll und die Balladen werden unverzüglich mitgesungen. Man hört Seufzer und Zuckungen der Freude über Steve Hogarth und seine Mannen. So ist das eben, wenn Fans ihre Band, alte Zeiten und die Erfindung des Biers feiern. Ob für Uneingeweihte ein dicklicher, schwarzhaariger Mann in zu enger, weiß-silberglänzender Lederjacke auch so attraktiv anzuschauen ist, sei einfach mal so dahingestellt. Während des Konzerts gibt Herr Hogarth aber alles: Jacke weg, Hemd auf, Kettchen und Brusthaare werden präsentiert. Man kann sich also genau vorstellen, was es nach sich ziehen würde, hätten Ozzy Osbourne und Costa Cordalis gemeinsame Kinder.

Ungeachtet dieser etwas verwirrenden Bühnenpräsenz ist die Musik einwandfrei: Kein Schwächeln, wunderschöne Balladen, eine extrem gute Band. Und dennoch fehlt etwas. Nämlich das gewisse Etwas. Es springen mehr Funken vom Publikum auf die Bühne über als umgekehrt. Letztlich lässt sich sagen, dass das Konzert von Marillion einzig durch seine Fans getragen wird, die eine großartige Stimmung machen, sowohl die alten als auch die neuen Lieder mitsingen und bei jedem Anschlag der Gitarre in Verzückung geraten. Jeder einzelne Song wird frenetisch beklatscht, als sei es der letzte – in Anbetracht des verlebten Sängers eventuell eine gar nicht so unsinnige Überlegung.

Wer das Konzert verpasst hat, muss sich nicht grämen, hier gibt’s die Bastelanleitung zum Nachmachen: Einfach Muse in den CD-Player und dazu – mit abgedrehtem Ton – Black Sabbath DVDs.

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