hardcore der sonderklasse
Rise Against live im Schlachthof Wiesbaden
Review/Bericht vom 17.02.2009 | Autor: Björn Reinhard / Fotos: Achim Casper
Review/Bericht vom 17.02.2009 | Autor: Björn Reinhard / Fotos: Achim Casper
Ein schweißtreibendes Konzert im Schlachthof mit den US-Hardcore-Größen Rise Against und gleich zwei Vorbands ähnlicher Richtung - das war es, was Wiesbadener und Zugereiste am Donnerstagabend genießen konnten. Rise Against machten ihrem Namen alle Ehre, und so kam auch die Politik, neben einem gelungenen musikalischem Auftritt, nicht zu kurz. Der Schlachthof war jedenfalls mit 2.800 Menschen, die ihre Zufriedenheit kund taten, komplett gefüllt.
Dass dies ein Abend mit einer Botschaft werden sollte, war schon am Merchandising-Stand zu sehen: unter anderem fanden sich hier PETA, die Tierschutzorganisation, und Fairtrade, die Anti-Arbeiter-Ausbeutungs-Marke ein. Außerdem waren wohl nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum zahlreiche Vegetarier und/oder Veganer. Aber für die meisten stand dann doch "nur" die Musik im Vordergrund. Den Anfang machten Rentokill, die mit ihrem österreichischen Charme punkten konnten. Die blauen Haare des Frontmanns ließen es schon erahnen: man hatte eine Punk/Hardcore-Band vor sich, die aber nicht bloß auf Spaß setzte. Viele der englischen Texte erheben politische Forderungen und Anklagen und setzen sich mit Vegetarismus, Veganismus, sowie Menschen- und Tierrechten auseinander. So wird etwa bei In the Shadows der Tschetschenien-Konflikt angesprochen oder auch mal ein "Für Afrika!" in die Menge gerufen. Wem das nicht reichte, konnte auch der Aufforderung, die Faust gen Himmel zu strecken, nachkommen und so wild tanzen, dass schon mal eine Lippe aufplatzen konnte.Mit Strike Anywhere wurde das Ganze noch eine Stufe härter. Die fünf US-Revoluzzer aus Richmond, Virginia, bereicherten das Programm mit ihrer Eigeninterpretation von Hardcore. Auch ihre Texte sind klar politisch, und musikalisch warteten sie mit einer fast nicht enden wollenden Energie auf, die das Publikum gerne adaptierte. Als dann Sänger Thomas Barnett, leicht an seinen Dreadlocks zu erkennen, zum überdimensionalen Mosh Pit aufruft, wird diese Anweisung nur zu gerne eindrucksvoll in die Tat umgesetzt.
Doch der wahre Höhepunkt des Abends, der über einstündige Auftritt von Rise Against, sollte alles noch einmal auf die Spitze treiben. Nach einer standesgemäßen Einlaufzeremonie konnte es losgehen: Als die Band auf der Bühne stand, gab es kein Halten mehr, die Extase war angebrochen. Die gesamte Menge sprang zu Like The Angel, Give It All, Drones und Ready To Fall. Optisch wurde ein wechselnder Hintergrund geboten und Sänger Tim McIlrath predigte den Zuschauern von seinem Podest aus melodischen Punk und Hardcore mit politischem Einschlag in qualitativ hochwertiger Art und Weise. Die praktizierenden Vegetarier, die sich auch für Tierrechte stark machen, heizten der Menge so ein, dass es schon schwer genug war, auf den Beinen zu bleiben. Ein ständiger Wechsel zwischen Springen, Pogen und Drücken nagte an den Kräften, doch nur die wenigsten gaben sich geschlagen. Auch die Fans der neuesten Stücke wurden mit This Is Noise und Audience Of One zufrieden gestellt. Gegen Ende sollte sich die Stimmung jedoch ändern: Rise Against holten die Akustikgitarre hervor, und zahlreiche Paare wurden küssend gesichtet.
Der absolute Höhepunkt wurde das mitreißende Swing Life Away, bei dem der ganze Saal mitsang und ein Gänsehautgefühl aufkommen ließ. Einen großartigen Abend abschließen durfte dann Whereabouts Unknown. Dann war es Zeit, die mehr als überhitzte Halle gegen die klirrende Kälte der Nacht einzutauschen.
In unserer Galerie könnt ihr euch alle Bilder des Konzertes ansehen: hier entlang!
Björn Reinhard / Fotos: Achim Casper
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