die no1 im kampf gegen die stille Slut rockten das Lido in Berlin
Southside 2008: Slut Foto: Marcel Benoit, © regioactive.de

Slut
Foto: Gerald von Foris
Foto: EMI Music GermanyDrei Leinwände mit Lichteffekten, Video-Sequenzen oder schlichtweg schwarz-weißem Graupel unterstreichen die wonnig-warme Musik, die Slut mit sich bringen. Sehr eigen, melancholisch, dabei noch rockig und voller Seele wissen Slut, dass StillNo1 bei ihnen immer noch Programm ist. Es bedarf keiner großen Tanzeinlagen, Phrasendreschereien oder Anekdoten. Slut machen das, was sie am besten können: Musik. Obwohl Christian Neuburger sehr schweigsam ist und lieber singt anstatt zu sprechen, ist er ein besonderer Hingucker. Bei soviel Charme und Texten über Liebe ist es eigentlich kein Wunder, dass die Hälfte des Publikums aus rosa-rot-verzückten Mädels besteht. Insbesondere bei den Balladen schmelzen die Mädchen reihenweise dahin, was bei den alten Songs á la Staggered and Torn oder Global Cut (dem Gehörgang vertrauter als: "Please stop missing me, stop missing me now, stop missing me now") nicht verwundert.
Die wenigen Male, bei denen Neuburger spricht, rufen ein Lächeln hervor: akzentfreies, leicht-verständliches Englisch und in der Sprechstimme das verräterische, bayrische "Rrrrr". Neben ausgewählten alten Songs ist auch der Klassiker Mackie Messer wieder mit von der Partie, und so geben die Ingolstädter gute 120 Minuten lang ihr Bestes.
StillNo1, If I Had A Heart, Tomorrow Will Be Mine – das letzte Album ist ordentlich vertreten, aber ach!, das ultimative Slut-Mädchen-Lied bleibt auf der Strecke: Die zweite Zugabe startet nicht mit Wednesday, sondern wird mit einem neuen Lied ersetzt: Six Hundred. Slut finden es spielenswerter, mein Musiker-Gen stimmt zu, aber die Mädchenherzen haben Wednesday bitterlich vermisst. Nichtsdestotrotz muss ihr gesungenes "all we need is silence" negiert werden. Wir brauchen keine Stille, sondern (still and always No1) Slut.