time to rap goodbye
Kool Savas live im Huxleys Neue Welt in Berlin
Review/Bericht vom 06.02.2009 | Autor: Jasmin N. Weidner
Tags: Kool Savas
Review/Bericht vom 06.02.2009 | Autor: Jasmin N. Weidner
Tags: Kool Savas
HipHop ist tot ... reingefallen! Der 31. Januar, Kool Savas' letzter großer Auftritt mit der Optik-Crew im ausverkauften Huxleys Neue Welt in Berlin, bewies mal wieder, dass dieses Statement nicht zutrifft. Wir bitten euch bis zum nächsten Savas-Konzert schon mal Folgendes zu erledigen: alle Lieder auswendig lernen, die richtigen Klamotten kaufen und sich in die Sprachvielfalt der deutschen Sprechgesangsszene einlesen. Und dann natürlich hingehen. Denn irgendwann ist es vielleicht sein letztes Konzert.
Darf man eigentlich sagen, dass Kool Savas die Massen rockt? Der sehr eigenen Sub-Kultur der HipHopper zufolge müsste man eventuell ein "Alter" oder ein "Opfer" davor setzen, also dann noch mal: "Alter, dieser Savas, das Opfer, rockt." Nein, klingt nicht überzeugend. Dabei ist es an diesem Abend so. Lässt man den viel zu engen Einlass mal außen vor, dann bietet Kool Savas mit seiner Optik-Crew ein sehr gekonntes Konzert. Als Opener legt er vor mit Alle schieben Optik und die erste bis zur letzten Reihe zelebrieren augenblicklich dieses besondere Konzert. Besonders deswegen, weil es das letzte Konzert in genau dieser Konstellation ist. Die Optik-Crew geht getrennte Wege, das Label ist passé – und dabei ist es das erste Konzert mit Savas’ Mama im Publikum. Logischerweise muss er diesen Abend nicht alleine reißen. Seine Unterstützung ist zahlreich. Besonders erwähnenswert sind hierbei Caput, Franky Kubrick, Kaas und der Sänger Moe Mitchell. Moe Mitchell beweist oberkörperfrei und mit einer perfekten R’n’B-Singstimme, dass er das Zeug dazu hat, mit Rückenwind aus dieser Verbindung zu gehen, um solo richtig durchzustarten. Etwas irritierend sind Momente, in denen Savas seine Hände zu einem Herz formt und "HDL" ins Publikum brüllt, genauso verwirrend wie sein Ausflug in die wunderbare Welt der Jamba-Klingeltöne. Anscheinend gefällt es aber seinen Fans, wenn Kool Savas ziemlich uncool von Mauli dem Maulwurf erzählt. Um 23 Uhr lässt sich Savas zur Zugabe bitten. Entweder sind die Fans tatsächlich zu alt, um laut zu rufen, zu traurig, um zu trampeln oder schlichtweg zu müde, denn die Zugabenrufe sind ein Trauerspiel für sich. Kaum passiert aber wieder etwas auf der Bühne, wird Berlin doch noch frenetisch, es wird sich wundgeklatscht, heiser gerufen und tatsächlich würdig getrauert. Alle Beteiligten verabschieden sich anständig: Zu Der Beste Tag meines Lebens füllt sich die Bühne und alle Jungs und Mädels aus den Optik-Reihen sagen einander und dem Publikum "Tschüß". Und auch im VIP-Bereich wird gebührend Abschied genommen von der Ära der Optik Army. Größen der Berliner Szene wie Melbeatz oder Kobra, die selbst auch bereits mit Kool Savas arbeiteten, im Falle von Melbeatz auch bei Optik Records, haben sich ebenfalls eingefunden, um diesem sentimental-angehauchtem Konzert beizuwohnen. Jetzt ist also Ende mit Optik Records und sämtlichen Innovationen, die damit verbunden waren. Das Gute ist aber: Savas bleibt uns weiterhin erhalten, sowohl als Einzelkünstler, als auch als einer der letzten, echten, großen Deutsch-Rapper im (Berliner) HipHop.Kontakt | Über regioactive.de | Jobs | Backstage | Partner | Mediadaten | Presse