harmloser zeitvertreib Blue October live im Lido Berlin
Blue October, © Jeremy Cowart
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Der Abend beginnt verheißungsvoll mit der großartigen Band aVid aus Wesel. Die vier Jungs klettern seit gut vier Jahren beständig nach oben und machen dabei auch nicht vor der Hauptstadt halt. Leider herrscht jedoch ein Mangel an Zuhörern und damit auch an rockbarem Volk. Die 1995 in Texas gegründeten Blue October treffen dementsprechend auf ein viel zu leeres Lido. Von den cirka 150 Anwesenden sind tatsächlich eine Handvoll gewillt, mit dem Leadsänger Justin zu spielen, beziehungsweise sich bespielen zu lassen. Hierbei handelt es sich aber fast ausschließlich um die kreischende Mädels-Riege aus der ersten Reihe. Besonders verwirrend ist die Körpersprache des Sängers. Während seine – etwas zu übertriebenen – Kopf- und Armbewegungen wirken, als würde sein Herz für härteren Rock schlagen, singt er in rauer Stimme von Liebe und vermittelt das Gefühl von Kuschel-Rock.
Anfangs sehr schlecht abgemischt mit undefinierbaren Knarzeffekten und viel zuviel Bass, ist es etwas befremdlich, Blue October mit ihren CDs in Verbindung zu bringen: Klingt es auf Platte abwechslungsreich und sentimental, präsentieren sie sich on stage zunächst sehr monoton. Im Laufe des Abends bessert sich das Klangverhältnis, das Schlagzeug ist schön präsent, dabei auch noch punktgenau und die Violine ist tatsächlich herausragend; Ryan feiert seine Geige und erntet dafür verdienterweise viel Jubel.
Der Abend ist insgesamt nicht schlecht, aber eben auch nicht berauschend. Irgendwie harmloser, zeitvertreibender Pop-Rock eben, der sich trotz Zuordnungsschwierigkeiten nicht als einzigartig beschreiben lässt.