fotos und review eines etwas anderen metal-abends
Grave Digger, Alestorm und Taletellers live in Speyer
Review/Bericht vom 27.01.2009 | Autor: Jan Philipp Brand / Fotos: Rudi Brand
Review/Bericht vom 27.01.2009 | Autor: Jan Philipp Brand / Fotos: Rudi Brand
Grave Digger packten sich für ihre "Ballads Of A Hangman"-Tour 2009 die schottischen Alestorm und die Taletellers ein, und das Dreierpaket kam auf seinem Schlachtzug natürlich auch durch Rheinland-Pfalz. Im schönen und historischen Speyer machten sie am 23. Januar Halt, um mit den ansässigen Palace als zusätzlichem Support ein Konzert zu geben. Uns bot sich ein abwechslungsreicher Abend, von dem wir euch eine ganze Reihe Fotos und einen Bericht mitgebracht haben.
Die Vorgruppe Palace spielte zu Beginn vor noch relativ wenig Publikum ihren Mix aus Power- und Heavy-Metal. Einige – wahrscheinlich ansässige – Fans sorgten jedoch dafür, dass die kleine Meute vor der Bühne gut gelaunt war, und man muss zugeben, dass die Mannen von Palace wissen, was sie machen, auch wenn das Publikum nicht ganz mitgerissen werden konnte – die meisten kamen eben spürbar wegen Alestorm und Grave Digger. Gerade bei einem Grave-Digger-Konzert erwartet man ja auch eine volle Halle, doch zu diesem frühen Zeitpunkt war wirklich noch nichts los. Die Halle 101 in Speyer ist keinesfalls zu leise – eher einen Tick zu laut, weshalb sich sehr viele Zuhörer während Palace auch von der Bühne entfernten, um sich vor der Halle unterhalten zu können.Als nächstes war das Quartett Taletellers an der Reihe. Ein bisschen Hair-Metal, ein wenig Thrash-Einflüsse, sowie Hard-Rock-Passagen lassen die Saarbrückener nach "gutem alten" Heavy Metal klingen. Wenngleich das nichts Ausgefallenes und Neues ist, kamen sie beim Publikum dennoch gut an, weshalb sich dieses nun endlich auch sichtlich vermehrte. Ganz gefüllt war die Halle jedoch noch lange nicht. Vor allem für die ältere Generation von Grave-Digger-Fans waren die Taletellers sicherlich eine gute Gruppe, um die Menge anzuheizen.
Leinen los – nun ging’s auf die hohe See! Die Metal-Piraten Alestorm hatten letztes Jahr einen riesigen Anstieg ihrer Bekanntheit erreicht. Von einer noch unbekannten Band ohne Album (von den Demos unter dem Namen Battleheart einmal abgesehen) wurden sie durch ihre erste Scheibe Captain Morgans Revenge sogar international bekannt. So spielten sie 2008 unter anderem auf dem Metalcamp in Slovenien und dem Wacken Open Air, dem wohl größten Heavy-Metal-Festival der Welt. Urplötzlich war die Halle gefüllt von Fans, jetzt vor allem viele jüngere, welche mit dem eher klassischen Heavy Metal nicht mehr so viel anfangen können. Als die Schotten die Bühne betraten, war die Hölle los – Gebrüll und gen Himmel gestreckte Fäuste. Ab und an sah man sogar einen Plastiksäbel oder Dolch durch die Lüfte wehen – ja, die Piraten waren los! Das anfangs noch etwas schüchterne Publikum hatten die mehr als nur gut gelaunten Musiker bereits nach dem zweiten Lied gut unter Kontrolle. Aus zurückhaltendem Headbangen wurde ein großer Moshpit, Schunkelreihen und Tanzkreise bildeten sich. Die Stimmung stieg fast ins Unendliche, als sie auch noch zwei unveröffentlichte Tracks aus ihrer neuen CD spielten. Kleines Highlight für die Fans: die in das Lied Wenches And Mead wohl kurz nach Wacken eingeführte deutsche Textpassage, welche kurz und knapp als "Weiber und Wein" wiederzufinden ist.
Nachdem auch Alestorm ihren letzten Song hinter sich gebracht hatten, leerte sich die Halle wieder, wurde jedoch kurze Zeit später von erneut völlig anderen Personen gefüllt. Man merkt, dass Alestorm nicht jedermanns Sache ist, aber Grave Digger haben scheinbar ebenfalls nicht mehr so viel für "alle" zu bieten, da sich einige im Publikum nach Alestorm tatsächlich für den ganzen Rest des Abends verabschiedeten. Doch leer war die Halle zu Beginn des Hauptacts auf keinen Fall. Diese Band hat sich noch nie geschont und ließ auch in Speyer keine Müdigkeit aufkommen. Ihr Publikum war sichtbar begeistert; überall flogen die Haare und schnellten Fäuste auf. Selbst Pyro-Effekte ließen sich die nun schon so lange in dem Geschäft tätigen "Jungs" von Grave Digger nicht nehmen. So haben sie zwei Flammenwerfer auf der Bühne montiert, um in den richtigen Momenten einige Stoßflammen auflodern zu lassen. Diese waren zwar gut warm und schön anzusehen, doch es hätten sogar mehrere sein dürfen, auch wenn man in einer Halle selbstverständlich mit reduzierten Möglichkeiten rechnen muss. Trotz des mehr als nur lauten Sounds vor Ort konnte man die Menge mitgrölen hören – Song für Song! Egal, ob neues oder gutes altes Material, die Fans blieben begeistert. Getreu dem Motto "Das Beste zum Schluss" warteten Grave Digger mit Rebellion bis zum Ende der Standartspielzeit. Sofort merkte man, wie die Masse noch ein Stück lauter wurde, denn dieses Lied kann man mitsingen, egal ob man Fan ist oder nur normaler Hörer. Bei der Zugabe Pray wurden die Flammenwerfer nochmal aufgedreht, so dass beim doch etwas frischen Weg zum Auto keiner frieren musste. Und zu guter Letzt gab es noch den Heavy Metal Breakdown, um zu zeigen, dass selbst Grave Digger noch nicht zu alt für den Metal sind.
Insgesamt ein tolles Konzert, doch eine etwas komische Bandzusammenstellung, die für viel Bewegung im Publikum sorgte. Alestorm haben dabei am wenigsten in das Gesamtbild gepasst, da sie musikalisch einfach anders einzuordnen sind. Dennoch: Abwechslung tut auch gut!
Jan Philipp Brand / Fotos: Rudi Brand
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