junge gitarrenklänge aus österreich CLEAVE im Portrait: "evoke the self"
Cleave, © Jasmin Weidner

Cleave
Foto: Jasmin WeidnerDie 12 Tracks auf dem Album Evoke The Self sind sehr gefühlsbetont und treffen damit genau das, was die Jungs vermitteln wollen: "Wir wollen die Musik machen, die wir fühlen – und dabei versuchen, unsere Eigenständigkeit zu erhalten und auszuprägen." Die Texte, die aus Marians Feder stammen, erzählen von viel Melancholie, von Lügen, Enttäuschungen und dem, wie es sein sollte. Überhaupt ist Marian das Sprachrohr der Band und beweist eine sehr erwachsene Attitüde, Engagement und Zielstrebigkeit in Sachen Bandbelange. Der Sänger und Gitarrist war ebenfalls Co-Producer für das Album und gemeinsam mit dem Basser Rainer, neben Bernhard Schatz, für die Musik verantwortlich. Trotz seiner Verantwortung für alles richtet sich die Band nach einer Art Basisdemokratie, in der jeder seinen Platz hat und sich nicht in besonderem Maße zu behaupten braucht.
Diese Einigkeit zeigt sich auch im Gespräch, ebenso wie die Reflektiertheit der Jungs. Ihre Hauptaussage ist, dass man seine eigene Meinung ernst nehmen und die Konsequenzen tragen muss. Das äußert sich bei ihnen beispielsweise darin, dass alle Vegetarier sind und sich aktiv für Aufklärung einsetzen. Flo sagt dazu: "Ich will nicht Teil davon sein, dass Tiere gezüchtet, geschlachtet und überproduziert werden. Vegan wäre für mich persönlich zu übertrieben, aber an dieser Maschinerie möchte ich keinen Anteil haben." Rainer versteht nicht, wie man Haustiere haben kann, mit ihnen kuschelt und sich um sie kümmert, und gleichzeitig sich nicht dafür interessiert, wie sehr das Tier gelitten hat, das letztlich bei einem auf dem Teller landet.
Trotz aller Seriosität und ihrer Fähigkeit zum Denken sind Cleave keine Partypupper sondern das Gegenteil. Obwohl Sänger Marian und Gitarrist Flo keinen Alkohol trinken, sind sie quasi von Natur aus wahnsinnig und für jeden Spaß zu haben. Über Rainer und Hose gibt es allerdings wunderbare Anekdoten aufgrund von zu viel Alkoholgenuss. Daher auch Trinkspiele á la "Heb die Hände in die Höh’ wie ein Hirschgeweih, hau dir fest auf den Kopf und schiel dabei". Oder Rainers grandioses Kartenspiel auf einer Party – leider hatten er und sein Mitspieler kein echtes Kartenspiel zur Hand, weswegen sie Möbel, Kleider und Anwesende umfunktionierten. Stellte einer der beiden einen Stuhl auf den Tisch, musste der andere stechen, was mit einem Tisch auf dem Tisch gelang. Rainer hat das Spiel jedoch ganz klar verloren, als er bei seinem All-In sein Hab und Gut auf den Tisch legte und sein Gegenüber nur grinste. Als Rainer fertig war, legte der andere sein Kondom auf den ganzen Stapel Rainer-Sachen und sagte nur die bedeutungsschwangeren Worte "Ich hab hier was, das sticht alles!". Die Jungs feiern sich, während sie das erzählen, und man spürt die Freundschaft, die zwischen ihnen herrscht.
Hose plaudert aus, dass er während einer Taxifahrt nach Hause feststellte, dass er gar kein Geld hat, um den Taxifahrer zu bezahlen. Etwas angetrunken, aber sehr logisch, bleibt ihm nur eins: die Flucht ins Feld. Zwischen Mais versteckt er sich, bis der Taxifahrer weg ist und er selbst in Ruhe nach Hause gehen kann. Bis dahin schon eine gute Geschichte. Als besonderes Highlight zeigt sich aber seine Erkenntnis zwei Stunden und zwei Biere später, dass die Tochter des Taxifahrers eine Freundin von ihm ist und dass es sich um eine Freifahrt handelte. Doch auch Hose kann anders – durch sein Schlagzeug und seine Musik kann er seinen Gefühlen Ausdruck geben und sieht sie im Publikum widergespiegelt:
"Emotionen in die Musik einzubinden, Emotionen in der Musik wiederzugeben – das geht leichter als Sprechen. Und ich bin mir sicher, dass bei den Zuhörern genau das ankommt, was auch ankommen soll. Deswegen bekomme ich letztlich auch das zurück, was ich brauche."
Auf der Bühne präsentiert sich später am Abend eine – nicht nur für eine so junge Band – ungewöhnliche Reife, gepaart mit technischem Know-How. Insbesondere der 17-jährige Hose beweist sich auf der Bühne als Ausnahmetalent. Ständige Rhythmuswechsel, genug Manpower und das Gespür für den Moment zeichnen ihn unter anderem aus. Es wird auf Anhieb klar, dass hier sogar noch viel mehr Platz nach oben ist.
Ungleich härter als das Album ist der Auftritt, der das Tanzen und Lauschen zu hausgemachtem (hartem) Rock ermöglicht. Die Deutschlandtour im Dezember war die erste für die Jungs aus Kärnten und lediglich ein Vorbote für alles, was 2009 noch kommen wird. Wir empfehlen schon mal: Termine checken, merken, hingehen und genießen! Letztlich bleibt nach dem Interview und dem Gig nur zu sagen, dass Cleave eine Band mit Können und Herz ist. Gepaart mit der Persönlichkeit, die in jedem einzelnen Mitglied der Band steckt, wird es nicht verwundern, dass sie in spätestens fünf Jahren zu den Größen der Szene zählen wird. Oder wie Flo es sagt: "Whatever tomorrow brings, I’ll be there!"
Just the best and good luck aus Berlin, Deutschland hat euch lieb.