Eine Agentur, die sich ausschließlich mit der Förderung von Newcomern beschäftigt, so etwas gibt es tatsächlich: "New Challenges", eine Tochterfirma der "Armin Rahn Agency and Management", unter der Leitung von Sven Robin. Wir wollten wissen, wie sich die Situation für Nachwuchsbands in Deutschland darstellt und wie sich generell die Aufgaben rund ums Management gestalten. Sven Robin gab uns die Antworten.

Sven RobinSven Robin
© privat
Wieso wurde "New Challenges" als eigenständiges Department der "Armin Rahn Agency and Management" gegründet?

Grundlage war, dass Armin und ich uns schon länger mit dem Gedanken getragen haben, etwas für den Nachwuchs zu tun. Und da wir das Ganze schlecht in das Tagesgeschäft der "Mutteragentur" einbinden konnten, haben wir uns zu diesem Schritt entschieden.

Aus aktuellem Anlass muss ich hier noch hinzufügen, dass ich mich mittlerweile räumlich verändert habe und zurück ins Rhein-Main-Gebiet gekommen bin. Aus diesem Grund betreue ich nun als Freier Mitarbeiter für Armin Rahn das Projekt New Challenges weiter. Da sich das Ganze per se durch meine Person initiiert sah und ich auch Hauptverantwortlicher war, hat sich somit also nichts wirklich geändert. Ich habe lediglich eine neue Emailadresse!

Mit welchem Konzept habt ihr angefangen und ist das auch heute noch die Marschrichtung?

Gute Bands zu finden, die durch Talent und Willen überzeugen. Denen eine Plattform geben und am Ende ein erfolgreiches Team auf die Beine gestellt zu haben: Das steht nach wie vor auf der Konzeptagenda.

Wie übersetzt ihr in diesem Zusammenhang den Namen "New Challenges": was genau sind die neuen Herausforderungen, die dir und den Bands bevorstehen?

The Bonny Situation© The Bonny Situation
Die Herausforderung steht für die Abteilung. Armin Rahn Agency & Management gibt es bereits seit 1973 und viele Acts sind schon sehr lange bei Armin unter Vertrag. Da liegt der Spruch einer "Neuen Herausforderung" ja dann nahe.

Wie gestalten sich deine eigenen Hauptaufgaben? Geb' uns doch mal einen kleinen Einblick in die Welt eines Managers.

Um es kurz zu machen: ein Künstlermanager macht nix anderes als ein Unternehmensberater. Er beleuchtet die Band möglichst objektiv, fördert das Positive und kickt das Unproduktive. Er stellt die Weichen in Richtung Musikwirtschaft und hat im besten Fall ein hervorragendes Netzwerk an Kontakten in der Branche.

Ihr seid aktiv auf der Suche nach Bands, einerseits durch die Kooperation mit regioactive.de und andererseits habt ihr auf eurer Seite ein Kontaktfeld, über das Bands aufgefordert werden, euch ein Demo zu schicken. Gibt es insgesamt sehr viele Anfragen?

Ja, sehr viele. Und mittlerweile dauert es auch sehr lange, bis ich auf die Einsendungen antworte. Aber ich gebe mir Mühe zu jedem etwas zu sagen. Ich denke jeder hat das Recht zu erfahren, ob und wie seine Musik gefällt.

Im Herbst steht dann ja auch der nächste Aufruf über regioactive.de an, was mindestens für eine weitere Band in eurem Artist-Roster sorgen wird. In welchem Umfang stehen euch Kapazitäten zur Verfügung, das Bewerbungsmaterial zu sichten?

Die Abteilung ist ziemlich ausgelastet (lacht), aber einer geht noch!

Was erwartet ihr von einer Band, die bei euch unter Vertrag genommen werden will?

Dass sie genau so weiter macht wie vorher – nur eben erfolgreich!

Benzin rocken regioactive.de schon länger und The Bonny Situation gingen als Sieger der ersten gemeinsamen "New Challenges"-Aktion auf regioactive.de hervor. Wie schätzt du die Zukunft dieser Bands ein?

Es ist immer schwierig die Zukunft in irgendeiner Weise einzuschätzen. Wenn es nach meinem persönlichen Geschmack gehen würde, dann teilen sich in Zukunft beide Bands den Platz 1 der Charts. Aber bevor wir in Glaskugelleserei verfallen, sollten wir uns am Markt orientieren. Die Fans entscheiden immer noch über Erfolg und Misserfolg.

Was hat "New Challenges" bei diesen beiden Bands verändert, welche Hebel setzt du in Bewegung?

Benzin haben wir den Weg zum Platten- und Verlagsvertrag geebnet sowie einige größere Festivals und eine Supporttour ermöglicht. Ähnliches werden wir für The Bonny Situation auch machen. Wobei sich gerade bei den Bonnies im Moment etwas ganz Schönes, Neues entwickelt hat... Dazu werdet ihr aber alle später auf regioactive.de noch mehr lesen.

Das Showcase "New Challenge Days" wurde ja verschoben. Weshalb kam es dazu?

Showcases machen nur Sinn, wenn die Band topfit ist und alle – oder zumindest die meisten – der eingeladenen Plattenleutchen auch kommen. Jetzt zähle mal eins und eins zusammen…

Im Zusammenhang mit dem Aufschub des Showcases sagtest du uns, es wäre dein Eindruck, dass die deutsche Musiklandschaft nicht wirklich an der Entwicklung neuer Bands interessiert sei. Wie siehst du die Situation für Nachwuchsbands im Allgemeinen bzw. wie schätzt du den Musikmarkt der Zukunft ein?

Zum Punkt eins: BINGO. Die Situation der Nachwuchsbands ist schwierig, da es eine Menge davon gibt. Aber Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Die A&Rs der Plattenfirmen werden immer jünger und haben immer weniger ein gewachsenes Ansehen und Rückhalt in ihrer Company. Deshalb tendieren die meisten dazu vermeintlich totsichere "me too Produkte" zu kaufen oder aufzubauen. Früher hat man dazu gesagt: "der hat nicht die Balls, um was anzuschieben". Heute sagt man, man müsse "strategisch entscheiden".

Die Zukunft geht für mich in Richtung digitale Vermarktung und Livegeschäft. Die Bands müssen sich ihre Rechte sichern und diese im besten Fall auch alle selbst auswerten. Dazu braucht man fähige Partner, die wissen wie so was geht – also so was wie uns quasi –, damit am Ende niemand Schiffbruch erleidet.

Haben Nachwuchsbands ohne Agentur oder Label im Hintergrund noch eine Chance an Gigs zu kommen, oder denkst du, dass ihnen z.B. Band-Contests oder pay-to-play als einzige Möglichkeiten verbleiben?

Die Clubs können sich vor Anfragen und guten Bands kaum retten. Was hilft sind nur gute Booking-Kontakte und ein Staubsaugervertreter. Band-Contests sind zwar gut, aber sicherlich keine Auftrittsgarantie und schon gar nicht der Fahrschein zur großartigen Karriere. Sie sind vielmehr ein erster Schritt.

Die Gegenthese lautet ja, dass durch die Möglichkeiten zur Eigen-Promo über das Internet eigentlich jede gute Band die Chance in ihren eigenen Händen hält, mit ihrer Musik mehr zu erreichen, als nur den mehrfach wöchentlichen Besuch des Proberaums. Was sind deine konkreten Tipps an Newcomer-Bands, wie machen sie am besten auf sich aufmerksam?

Natürlich erstmal durch die Musik, danach durch eine gute Performance mit der eigenen Homepage und Webseiten wie myspace und regioactive.de. Letztes hilft gerade für Booker und Labels. Es ist wichtig im Internet Alarm zu machen. Aber ich möchte noch einmal betonen, die Musik und das, was dahinter steht, ist entscheidend. Du kannst Schnappi aufnehmen und dich über die Klingelton- etc.-Downloads freuen. Nach drei Monaten ist der Spaß vorbei, du putzt dir den Mund ab und sagst danke. Eine Karriere, die noch ein paar Jährchen länger halten soll, funktioniert so nicht. Dazu braucht man Fans, die eure Musik lieben und CDs kaufen. Deshalb nie die Zeit im Proberaum schleifen lassen und immer schön an den Songs feilen.

Sven, vielen Dank für das Interview.

Danke regioactive.

Markus Biedermann / Dorothee Nickel

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