mit geknüppel und trompeten
Das FEST 2008: Bericht und Fotos vom Samstag und Sonntag
Review/Bericht vom 23.07.2008 | Autor: Joachim von Hunnius / Fotos: Marcel Benoit
Review/Bericht vom 23.07.2008 | Autor: Joachim von Hunnius / Fotos: Marcel Benoit
Ein Festival, das nichts kostet? Ein Stadtfest mit guter Musik? Lärm in Karls..ruhe? Ein Sommerwochenende voller Rätsel in der badischen Hauptstadt. Aber gleichfalls eines, das uns trotz einiger Merkwürdigkeiten gefallen hat!
Schon in der Straßenbahn darf man, als von weiter her angereister Gast, nicht schlecht staunen, wenn man von rot-blau gekleideten Kontrolleurs-Brigaden mitsamt seinem gerade geöffneten Fläschchen Gerstensaft an der nächsten Haltestelle an die frische Luft gesetzt wird. Am Einlass zum Festgelände wartet schon das nächste Mysterium in Form von giftgelb gepanzerten Ordnungskräften, die das heranspazierende Volk von so hochgefährlichen Waffen wie Regenschirmen und Deodorants befreien. Nichts und niemand geht über die Sicherheit! Ebenfalls die Stirn runzeln will man angesichts der Getränkepreise, ruft sich aber innerlich immer wieder zur Ordnung: Immerhin haben wir unser Geld nicht bereits am Eingang abgeben müssen! Und noch bevor die erste Bratwurst richtig zerkaut ist, lockt auch schon ein gar lieblicher Gitarrenton, der von der Zeltbühne herüberweht. Und wieder einmal ist es Zeit, die persönlichen Vorstellungen von Gegenwart und Gesellschaft mit der Realität abzugleichen. Wer den blauen Planeten bis dato im weichgespülten Blümchenrock der Indie-Generation verloren glaubte, darf nun in das nachwachsende, und irgendwie vertraute Gesicht des Wahnsinns blicken:Ein Haufen halbwüchsiger Mattenträger schlägt sich zu metallisch reißendem Gitarrengeknüppel härtester Sorte die Köpfe ein, ein hagerer Zwanzigjähriger röhrt unverständliches Geschrei ins Mikrofon, und eine schnurgerade, knochentrockene Doublebass legt sich wohltuend in die Magengrube. Die Helden der Stunde: My Elegy aus Bruchsal. Obwohl man früher nie auf die Idee gekommen wäre, Metal-Gitarristen in grüne und weiße T-Shirts zu stecken, hat die Musik nichts an Energie und Ausdruckskraft verloren – im Gegenteil: Frischer und lebendiger könnte so ein Brett gar nicht rausgehauen werden!
Der Fluchtversuch aus den finsteren Abgründen des Festzeltes wird seitens des Himmels mit dem sofortigem Abschütten sintflutartiger Regengüsse geahndet. Nun sind auch die Rebellen und Systemgegner wieder leichter zu erkennen, die stolzen Schrittes ihre hereingeschmuggelten Regenschirme präsentieren. Anfängliche Sorgen angesichts der vermeintlichen Terroristen werden jedoch schnell zerstreut, als einer der gelb gebrüsteten Ordner verkündet, dass die Schirmkollekte aufgrund des starken Regens wieder eingestellt wurde.
Passend zu den Klängen lacht die Sonne dazu ungeniert vom Himmel. So vergessen wir nach und nach all die Ungereimtheiten eines insgesamt sehr netten Wochenendes im Badischen, und auch der letzte Groschen wird mit dem beruhigten Gewissen, etwas Gutes getan zu haben, tief befriedigt fallen gelassen.
Vielen Dank, Karlsruhe, es war uns ein Fest!
Joachim von Hunnius / Fotos: Marcel Benoit
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