showcase über den dächern berlins
Port O'Brien live im Weekend Club
Review/Bericht vom 30.05.2008 | Autor: Daniel Voigt / Fotos: Nicole Richwald
Tags: Port O'Brien
Review/Bericht vom 30.05.2008 | Autor: Daniel Voigt / Fotos: Nicole Richwald
Tags: Port O'Brien
"Exklusiver Showcase" - das klingt immer interessant. Diesmal lud das Label City Slang in den Weekend-Club ein, um seinen neuen Folkrock-Schützling Port O’Brien vorzustellen. Hierzulande nicht so bekannt, in den USA aber schon als Support von Modest Mouse und den Bright Eyes unterwegs, durfte man gespannt sein, was die geladenen Indie-Liebhaber in einem Club erwarten würde, der sonst eher für Techno-Fans reserviert ist.
Port O'Brien (Showcase auf dem Dach des Weekend Clubs in Berlin-Mitte)Man könnte es zumindest so deuten. Denn einerseits ist der Musikerjob zwar nicht der gefährlichste Job der Welt, aber Stressimmunität bei langen Touren und bei den stetigen, hohen Erwartungshaltungen von Fans und der Presse ist sehr von Vorteil, genauso wie das Aushalten von Schlafmangel bei langen Nächten in unbequemen Betten auf den Fahrten im Tourbus.
Port O'Brien (Showcase auf dem Dach des Weekend Clubs in Berlin-Mitte)Das Album wird jedoch in Deutschland erst am 6. Juli 2008 erscheinen. Doch schon das erste und exklusive Showcase der Band in Deutschland, im Weekend-Club Berlin, warf die Schatten eines großartigen energievollen, wilden und druckvollen Folkrock-Album deutlich voraus. Allerdings spielte auch hier wieder der Wettergott eine kleine Rolle. Denn wegen leichten Regens am Nachmittag musste das Konzert von der ursprünglich geplanten Dachterrasse des Clubs in einem Raum eine Etage tiefer verlegt werden.
Das tut Van und seinen Kollegen, die diesen Sommer erstmals nicht auf Fischfang, sondern auf Fan-Fang sind und im Moment anstatt auf hoher See die meiste Zeit in der Luft im Flugzeug verbringen, während ihrem Auftritt aber keinen Abbruch in ihrer Spielfreude. Im Gegenteil: Der mit einem Holzfäller-Hemd gekleidete, huttragende und vollbärtige Gitarrist Zebedee Zaitz und Sänger Van stampfen immer wieder mit ihren Füßen kräftig auf dem Boden, tanzen im Wettkampf gegeneinander bis Kaitz der Hut von seinem haarigen Haupt fliegt. Und Van singt, teilweise mit E-Gitarre und Akustikgitarre begleitend, so intensiv ins Mikrofon, dass ihm die Haare vors Gesicht wehen. Dabei erinnert er manchmal ein wenig an die stimmliche Ausdruckskraft des Arcade-Fire-Sängers Win Butler, wobei er rein äußerlich doch eher Ähnlichkeiten mit Kurt Cobain besitzt und durch seine Tanzeinlagen ein wenig an den Johnossi-Sänger erinnert. Dagegen sitzt Vans Freundin ganz ruhig und mit einem Banjo bewaffnet auf einem Hocker.
Die eingängigen Songs lassen den Zuhörer immer wieder mitwippen und beim letzten Song des Abends I woke up today darf der Zuschauer dann auch melodiös in langgezogenen Zeilen "Ahaahaha" mitsingen. Zuvor wurde die amerikanische Band angesichts der anstehenden Präsidentschaftswahlen noch ein wenig politisch und sie widmeten dem demokratischen Kandidaten Barack Obama einen Song. Dieser kämpft im Moment ja bekanntlich mit der Senatorin und ehemaligen First Lady, Hillary Clinton, um die Aufstellung als Präsidentschaftskandidat für die Demokraten. Und so endet schließlich ein kurzes, 45-minütiges Set, dessen Musik mitreißt und die Fans begeistert, jedoch leider ohne Zugabe bleibt.
Die Fischerei nach neuen Fans geht natürlich weiter: Erst ab Sommer in den USA und dann ab September wieder in Europa. Die Ausbeute in Berlin war mit Sicherheit hoch und so fanden sich nach diesem Konzert vielleicht ein paar Zuschauer zappelnd im Netz wieder. Aber keine Sorge, liebe Leser: Gegessen wie ein Fisch werden sie nicht. Höchstens sich von der Musik befreien, das können sie nicht mehr.
Daniel Voigt / Fotos: Nicole Richwald
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