new wave-pathos & live-energie in darmstadt

Editors escape the nest

Review/Bericht vom 25.03.2008 | Autor: beatrice steimle / Fotos: Marcel Benoit

Tags: Editors   Mobius Band  

Die New Wave-Retro-Welle scheint ihren Zenith längst überschritten zu haben und dennoch werden in regelmäßigen Abständen weitere Alben dieses schwer definierbaren Prädikats in die (meist britischen) Charts gespült. Wann das so genau anfing, dass die häufigste Referenz "…klingt wie Joy Division" lautete, lässt sich wohl irgendwo bei den ersten Alben Interpols und der Editors einordnen.

Editors 6Editors (Centralstation Darmstadt, 2008)
Foto: Marcel Benoit
© regioactive.de
Auch wenn man den Editors vor allem das Kopieren erster vorwarf, besteht kein Zweifel, dass man sich an diesem Abend auf eine eigenständige "New Wave"-Band der Generation Y einlässt. Der Support in der Centralstation in Darmstadt, die Mobius Band (-> Fotogalerie), war schon Vorband für solch illustre Combos wie Franz Ferdinand und sie werden vor allem in amerikanischen Alternative-Kreisen hoch gehalten. Vieles in ihrem Set klingt irgendwie bekannt – mag natürlich daran liegen, dass die Mobius Band einige (auch genrefremde) Coverversionen, wie beispielsweise Digital Love von Daft Punk, in ihrem Repertoire aufweisen. Aber auch ihre eigenen Songs sind durchaus in der Lage das Publikum zu wiegen, wenngleich sie sich erst mal selbst aufzuwärmen scheinen, statt dem Publikum so voll und ganz einzuheizen. Just als dann die Editors die Bühne betreten, geht (trotz überdurchschnittlichen Rockkonzertalters des Publikums) eine Welle durch die Halle. In der ersten Reihe stehen nicht wenige Frauen, die dem Sänger Tom Smith ein kreischendes Willkommen bereiten und untereinander um den besten Platz mit der besten Sicht raufen.

Wer den Song Camera bisher für ein ruhiges Stück Musik hielt, wird prompt eines besseren belehrt und lernt die wichtigste Lektion über die Liveband Editors gleich zu Beginn. Nichts ist wie es auf Platte scheint, denn trotz überwiegend melancholischer Melodien und nahezu deprimierender Texte über Tod und Verlust nehmen die Editors von Anfang an Tempo auf und vermitteln Energie. Dies liegt natürlich vor allem an der Person Tom Smith, der agil den Raum auf der Bühne nutzt und sich diverser Rock'n'Roll-Attitüden bedient. Ganz klar, dass da bereits nach wenigen Songs ein Gitarrenamp raucht und später das E-Piano bestiegen werden muss.

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Trotz vermeintlich weniger Songs (von nur zwei Alben) verzichtet man auf den ein oder anderen Song und fügt lieber ein thematisch an Spider anknüpfendes Cover (Lullaby von The Cure) hinzu. Ohnehin scheinen die Editors im musikalischen Setting auf keinen bestimmten Höhepunkt hin zu treiben, alles wirkt aus einem Guss. Die Singles sind über den Abend verteilt und selbst bei der Zugabe bildet lediglich Smokers Outside The Hospital Door ein fulminantes Hit-Single-Ende für diesen Abend großer Melodien und des energischen Pathos.

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Setlist: Camera – An End Has A Start – Blood – Bullets – The Weight of the World – Escape the Nest – Lights – When Anger Shows – Spiders – Lullaby – All Sparks – Munich – Push Your Head Towards the Air – Bones – Fingers in the Factories
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The Racing Rats – U R Fading – Smokers Outside The Hospital Door

beatrice steimle / Fotos: Marcel Benoit

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