Die Bandinfo von Pristine geht ja gleich in die Vollen. "Pristine klingen wie Bikini Kill, hätten diese jemals angefangen, gut und tight spielen zu wollen."
Was sich da auf den ersten Blick liest wie die Torpedierung des RiotGrrrl-Flaggschiffs oder wie ein Le Tigre-Klon ist beim ersten Hören offensichtlich doch eher Verneigung vor der jungen Kathleen Hanna und Co. Was Maren, Rebecca, Jules und Jihni Pristine offensichtlich mit Bands wie Sleater Kinney oder Bratmobile gemeinsam haben, ist das Bewusstsein, sich innerhalb eines männerdominierten Musikbusiness zu bewegen. Etwaige Parallelen ob der politischen Ausrichtung seien mal dahin gestellt. Auf der Agenda von Pristine steht definitiv der Wille etwas zu erreichen. Nicht (nur) mit Attitüde, sondern (auch) mit ihrer Musik. Davon zeugen zumindest die Teilnahme am Pop Camp, das aufwändige Drumherum (Homepage, Video, etc.), die Auftritte als Support von Bands wie Ash oder The Gossip (Review) und bei Rock am Ring 2007.
Und nicht zuletzt ist da auch noch das Potenzial in ihren Songs, die eigentlich Punksongs sind. Eigentlich. Dabei klingen Pristine so, als würden die Pop-FetischistInnen von den Sounds mal die Synthies weglegen und nach vorne gehen. Oder eben tatsächlich so als hätten Bikini Kill angefangen, "gut und tight spielen zu wollen." Das sei eingestanden.
Nichtsdestotrotz atmen Daddy Told Me als auch King Without A Crown den Dreck klassischen Punk-Rocks. Erstens geht es um Selbstbehauptung in einer Welt, die einem alles abnehmen möchte und zweitens um nüchterne Beschreibung einer tristen Gegenwart, ums Aufrütteln. Darüber hinaus ist das Ganze noch hochgradig catchy und geradlinig zugleich. Seit wann gibt es Bikini Kill eigentlich schon nicht mehr? Egal. Und haben sich Le Tigre aufgelöst? Auch egal, alles egal. Pristine treffen den Nerv zwischen einer ansehnlichen Portion Punkrotz und fordernder Eingängigkeit zielsicher und versprechen mehr. Das nächste Album ist in Planung und auf die kommende Tour darf sich schon mal gefreut werden.
Henning Köhler
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