"if you don't jump you're english"

GusGus machen den Montag zur Partynacht

Review/Bericht vom 01.08.2007 | Autor: beatty

Tags: GusGus  

Düstere sphärische Klänge, erdige Geräuschkulissen, die Dunkelheit der Heimat widerspiegelnd – diesem Klischee Islands widerspricht sowohl die Musik (Frühwerke und Remixe Björks ausgenommen) von GusGus als auch deren Live-Performance. Zugegebenermaßen entfernt man sich seit den letzten Alben vom sonnigen House-Pop-Sound à la Ladyshave hin zu erheblich düstereren Basslines.

GusGus - Karlstorbahnhof - 3Foto: eve
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Doch zunächst betritt Daniel Agúst, ehemals festes Mitglied von GusGus, alleine die Bühne und bedient mit dem Liedgut aus seinem Soloalbum Swallowed a star wohl schon eher jenes Klischee des in sich gekehrten Isländers. Melancholisch und sehr ruhig klingt das. Das Performance-Element geht gegen Null – ein Singer-Songwriter-Ding ohne Instrumente, denn die Musik läuft vom Band. Es geht wohl eher darum, die Musik vorzustellen. An stillen Abenden lässt sich das gewiss auch genießen. "Live" ist es – zumindest derart präsentiert - schlichtweg untauglich.

Allerdings muss man feststellen, dass GusGus keiner Vorband zum Einheizen bedürfen. Wuchtig und in sofortiger Großalarm-Manier ertönen die Beats, als sich President Bongo und Biggi Veira hinter ihren Decks verschanzen, um dem Publikum das Tanzen zu lehren. Erst beim zweiten Song betritt Earth aka Lola Be Nice mit zwei Background-Sängerinnen die Szene – allesamt in Tüll gewandet.

Stimmgewaltig interpretiert sie die Songs des neuen Albums. Einige Zeit später kommt noch Daniel Agúst hinzu, der offiziell zwar nicht mehr zur Band gehört, aber irgendwie eben doch. Im Laufe des Abends entsteht ohnehin zunehmend der Eindruck, dass GusGus eine Art Großfamilie sind. Ohne Zweifel machen sich die Wurzeln ihres früheren Auftretens als "Künstlerkollektiv" bemerkbar, die trotz des Schrumpfens auf drei feste Bandmitglieder erkennbar bleiben.

GusGus - Karlstorbahnhof - 2Foto: eve
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Zeitweilig geraten die Live-Interpretationen eindeutig zu lang (Hold you), was das Publikum jedoch nicht weiter zu stören scheint. Wer ein wahrer Technofan ist, kennt zwölfminütige Tracks mit Endlos-Loops nur allzu gut. Da das tanzwillige Auditorium sich zu großen Teilen bereits in den 30ern befindet, dürften sich ohnehin viele an die gute alte "Rave"-Zeit erinnert fühlen. Die Hit-Prinzipien dieser Ära haben GusGus jedenfalls verinnerlicht – eingängige Textzeilen - treibende Beats – Break bei vermeintlichem Spannungshöhepunkt – und ab dafür auf ein Neues, bis irgendwann wirklich ein fulminantes Mehr-Spur-Finale den Schweiß auf aller Tänzer Gesicht treibt. Dazu immer die geniale Livestimme Earths und verzückte Bewegungen Daniel Agústs. Kaum zu glauben, dass es ein Montag ist.

Zur Zugabe betritt President Bongo den vorderen Teil der Bühne und fragt das Publikum danach, welche Bücher es in der Bücherei leihe. Was auch immer. Vieles was an diesem Abend gesagt wird, bezieht sich auf Songs oder erscheint einfach komplett freakig. Das Publikum wird auch schon mal auf isländisch angesprochen. Warum auch nicht. Wie weit man vom Hedonismus der House-Szene entfernt ist, zeigt sich durchaus bei President Bongos Oben-Ohne-Interpretation von Supermaxs Lovemachine. Das Gebot von GusGus heißt schlicht und ergreifend: Spaß und Party. Alles andere zählt nicht. "Jeder ist sein eigener Raver" ist das Motto, das die T-Shirts am Merchandising-Stand ziert.

GusGus - Karlstorbahnhof - 1Foto: eve
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Nachdem für den Hit David die Bühne von den Damen wieder geentert wird, ist das Publikum derart aus dem Häuschen, dass man sich im Anschluss noch eine scheinbar "wirkliche" Zugabe erklatscht und ertrampelt – If you don’t jump you’re english ist fulminant, laut und Steph Stephenson schreit garantiert besser als Scooter. Und da man eben eine große isländische Kommune ist, singt noch ein unbekannterer Tourbegleiter mit. Isländer scheinen eben doch ein ganz eigenes Völkchen zu sein und unabhängig sonstiger Klischees machen GusGus einfach Laune. Wer dieses Konzert nicht mindestens mit einem Lächeln im Gesicht verlässt, dem ist wohl nicht zu helfen. Besser lässt sich Tech-House live kaum umsetzen!

beatty

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