bon! voyage!

Irie Révoltés-Tourauftakt: Konzertreview und Bildergalerie

Review/Bericht vom 29.12.2006 | Autor: Christian Petersen

Tags: Irie Révoltés  

Irie Révoltés - Voyage Tour 23Irie Révoltés & Tide (Alte Feuerwache 2006)

Photos: Jonathan Kloß
© regioactive.de
Tanzbare Dancehall Partys mit politisch links-alternativen Inhalten: Die Irie (jamaikanisch: glücklich/fröhlich) Révoltés (französisch: Aufsässige) tragen diese Kombination schon im Namen – mit Erfolg, der Auftakt zu ihrer „Voyage“-Wintertour findet vor voller Hütte statt. Als Toursupport mit dabei: Tide.

Alles ist zugeparkt, Menschmassen am Eingang, großes Gedränge und lange kein Reinkommen. Dieser Andrang in der Alten Feuerwache verheißt normalerweise internationale Kategorie, wie z.B. De La Soul oder Arctic Monkeys. Aber heute ist es eben kein Konzert eines Künstlers mit Tracks auf Hot Rotation, sondern eine Dancehall-Crew namens Irie Révoltés aus Heidelberg mit dem Lörracher-Wahl-Mannheimer Tide als Support.

 

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Irie Révoltés - Voyage Tour 6Tide (Alte Feuerwache 2006)

Photos: Jonathan Kloß
© regioactive.de
Dieser Tide kommt durch die Meute sichtlich und hörbar motiviert auf die Bühne, packt es direkt mit seinem ersten Song das Publikum für sich zu gewinnen und legt damit den perfekten Start für das Auftakt-Konzert hin. Im Schlepptau, neben einer Live Band, Dj Efdic und MC Lanet, der des Öfteren die Aufmerksamkeit durch seine Beatbox-Performances auf sich zieht. Tide zeichnet sich wie von ihm gewohnt mit deepem HipHop aus und begeistert das Publikum durch eine Präsenz auf der Bühne die pure Energie und Leidenschaft ausstrahlt. Highlights seiner Set List: Jungbuschgroove eine Collabo mit Wonda Prince, und Tiefer Stich von der Südlichter Compilation, den man aus der Netzparade kennt und bei regioactive.de heruntergeladen werden kann, sowie der Performance seines Tracks Einsicht, (Video unter http://www.toxic-water.de/). Was er zukünftig noch von sich hören lassen wird, ist mit Spannung zu erwarten – im Kommentarfeld zu diesem Artikel gibt es jedenfalls von der laufenden Tour zu hören: Tide wird uns hier per Tourtagebuch auf dem Laufenden halten.

Irie Révoltés - Voyage Tour 11Irie Révoltés & Tide (Alte Feuerwache 2006)

Photos: Jonathan Kloß
© regioactive.de
Dass Reggae und Dancehall nicht mehr unbedingt aus Jamaica kommen müssen, weiß man bundesweit spätestens seit Gentleman oder Seeed, und dass zumindest der Off Beat im Rhein Neckar-Delta schon längst angekommen ist, weiß man vor allem durch Ska Bands wie The Busters, Ngobo Ngobo und Dr. Woggle & the Radio. Beim Vergleich der Iries mit großen Namen kommt allerdings als erstes die Saian Super Crew in den Sinn. Dieser beruht hier auch nicht nur auf musikalischen Gemeinsamkeiten, sondern er springt einem förmlich ins Gesicht, wenn man die Jungs der Irie Révoltés auf der Bühne erlebt hat. Dachte ich früher, dass das Spektakel der Saian Supa Crew in ihrem Bereich einmalig und unerreichbar bliebe, wurde ich nun eines besseren belehrt. Da kommt ein Haufen langer, dünner, weißer Jungs auf die Bühne und man erwartet, wie so oft bei „local heroes“ eines der „gut gemeinten“ Konzerte, die „interessant sind, bei denen „die Jungs ihre Instrumente echt gut spielen“ und weitere dieser Trostpreiskomplimente. Aber Hallo: Wuchtige, kräftige Stimmen, Flow-technisch ganz weit oben, professionelle Produktionen und eine Bühnenperformance, die vieles platt und gehörig Konkurrenz macht. Erstaunlich die Professionalität, die die Show ausstrahlt, viele verschiedene Elemente setzen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Die Abfolge von langsameren zu schnellen Tracks, Features durch Tide und Wonda Prince über Beatbox-Einlagen bis hin zum Stage-Diving – alles steht auf dem Programm. Die Iries werden von ihren Fans frenetisch gefeiert, vor und stellenweise auch auf der Bühne, wenn der Rest des Publikums mit eigenem Gesangsversuch beglückt werden darf.

De Iries spielen deutlich länger als zwei Stunden und müssen eine Zugabe nach der anderen geben. Wenn ihre Tournee so weiter geht und sie dieses Niveau musikalisch halten und weiter ausbauen können – warum nicht das nächste dicke Dancehall-Ding aus Germany? Dass sie das Potenzial dazu haben, steht nach diesem Auftritt außer Frage.

Christian Petersen

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