subthermal
The Thermals live
Review/Bericht vom 11.12.2006 | Autor: Christian Bethge
Tags: The Thermals Portland
Review/Bericht vom 11.12.2006 | Autor: Christian Bethge
Tags: The Thermals Portland
Sub Pop steht nun schon seit 15 Jahren für bodenständigen Indie und gilt als eines der wenigen Labels das in der Lage ist musikalische Ehrlichkeit trotz kommerziellen Erfolgs zu wahren. Ein glückliches Händchen hatte das Label mit Sitz in Seattle wohl auch bei einem ihrer letzteren Signings The Thermals, die mit ihrem aktuellen Album „The Body, The Blood, The Machine“ ein schillerndes Highlight im Jahre 2006 abliefern konnten.
Schillernd nicht ganz, denn auch wenn ein Brendan Canty, seinerzeit Drummer der legendären Hardcore Band Fugazi, als Produzent fungierte, kann man ein rohes und direktes Album erwarten, das stellenweise an alte Werke der Ramones oder MC Five erinnert – Dirty Seattle Sound eben. The Thermals sind nun auch auf Tour, ab also nach Frankfurt ins Cooky’s um der glänzenden Bankmetropole etwas „No-Fi“ entgegenzusetzen und den Wolkenkratzern der Wirtschaftsgiganten wenigstens im übertragenen Sinne ein paar Wunden zuzufügen.
Gegen 21 Uhr soll es losgehen und für ein Konzert dieser Kategorie schon fast überraschend, muss man sich am Eingang erstmal einer Schlange von Feierwütigen anschließen um noch rechtzeitig einen Sub Pop Merchandise Artikel oder sonstige Import-Schmankerl zu erwerben. Der kleine aber feine Club mit einer Kapazität von etwa 350–400 Leute ist gut gefüllt, was schon zu Beginn die Hoffnung weckt, dass man heute Abend einer extrem motivierten Band gegenüber stehen darf. Allgemein liegt eine ausgelassene und kommunikationsfreudige Stimmung in der Luft, die wenigstens ansatzweise darüber hinweghilft die Getränkepreise der Bar zu verdauen und zum Anstoßen mit neuen Bekanntschaften animiert.Die kleine Bühne und der offene Backstageraum gewähren problemlos Einblicke von allen Richtungen und selbst die Playlists inklusive Zugabe sind für jeden ersichtlich. Hier wird mit offenen Karten gespielt ... The Thermals lassen dann auch eine gute Stunde auf sich warten, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut. Immerhin ist ja bekannt, dass die Band ihre Songs recht komprimiert zum Besten gibt und Konzerte unter 30 Minuten schon zur Regel gehören. Vorfreude ist eben auch die schönste Freude.
Gegen 22:15 ist es soweit, Schlagzeuger Caitlin Love betritt zuerst die Bühne und kümmert sich in einem letzten Check um alle vorhandenen Kabelwege, direkt gefolgt von Sänger Hutch Harris, Basserin Kathy Foster und einem Gastmusiker an der ergänzenden Strat.
Nur wenige Sekunden später ist der Laden am Brodeln Die von Hutch initiierte Krachwalze bohrt sich gnadenlos in die Knochen der Gäste und vor allem in die des Haustechnikers, der einige Minuten braucht um den scharfen Sound der Band in den Griff zu bekommen. Aber wen stört das schon, immerhin wird hier gerade Punk gelebt. Die ab der ersten Minute herrschende Kommunikation zwischen Band und Publikum, gepaart mit den repetitiven und zugänglichen Strukturen ist einfach mitreißend. Kurz bevor ein Song droht durch Wiederholung aufdringlich oder unangenehm zu werden und man sich als Hörer eine Veränderung wünscht, ist sie exakt, fast schon telepathisch, genau in diesem Moment eingetroffen. Wem schon zu Beginn das Adrenalin nicht in den Kopf gestiegen ist, der hat spätestens ab dem Song „A Pillar of Salt“ keine Chance mehr. Der Club platzt aus allen Nähten, viele unterwerfen sich und feiern zusammen von 2-Akkord Monster zu 2-Akkord Monster.Durch das enorm schnelle und pausenlose Spiel schafft es die Band in gut 50 Minuten, für Thermals Verhältnisse allerdings überdurchschnittlich lang, etwa 20 Songs zum Besten zu geben. Klassiker von den Alben „More Parts Per Million“ und „Fucking A“ inbegriffen. Das Konzert selbst hebt sich nicht nur durch technisches „Know-How“ ab, sondern eher durch eine riesige Portion Gelassenheit und exzessives Bearbeiten von Instrumenten gepaart mit offensichtlicher Selbstironie.
Nach der Zugabe und vielen verschwitzten T-Shirts konnte man bei Bedarf noch etwas Smalltalk mit den Sub Poppern abhalten oder ihnen beim Abbau ihres Set-Ups zusehen, echte Einblicke in das Indie-Leben also. Mehr gibt es über den Abend auch nicht zu sagen, kurz und knackig oder wie es schon jemand zu formulieren wusste:
These Tracks land like a Bomb.
"A Pillar of Salt" > download <
Christian Bethge
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