fistrockin' danko jones
Antidote Tour - Ein Kessel Buntes
Review/Bericht vom 24.11.2006 | Autor: charlotte luther & beatrice steimle
Tags: Antidote
Review/Bericht vom 24.11.2006 | Autor: charlotte luther & beatrice steimle
Tags: Antidote
Anlässlich der Antidote Tour gaben Bedouin Soundclash, Disco Ensemble, Gogol Bordello und der unumstrittene Sexprotz des Rock 'n' Roll Danko Jones ein Stelldichein im Schlachthof.
Das Gute an solch von Trend-Rucksack- und Schuhherstellern gesponsorten Touren ist wohl die Vielfalt der Bands. Natürlich heißt die Maxime „Rock’n’Roll, Baby“, dennoch könnten die vier Bands innerhalb des gesteckten Rahmens nicht unterschiedlicher sein…
Als Bedouin Soundclash die Bühne in der großen Halle betreten, ist die Stimmung noch recht zurückgelehnt, zuwenig Leute um vor die Bühne zu drängen. Alle freudig, aber in Wochentags-Stimmung. Bedouin Soundclash sind jedoch durchaus die richtige Band um vom Alltag Abstand zu gewinnen. Gitarren und Dub-Sounds beschallen die Halle. Unanstrengende Musik, die die Geister wohl kaum scheidet. Das musikalische Vorbild steckt im Namen – The Clash. Clever, statt derer U2 zu covern und ein bisschen rätseln zu lassen. Insgesamt erweisen sich die drei Jungs als entspannter Einstieg in den Rock 'n' Feier-Abend.
Disco Ensemble stehen keine 20 Sekunden auf der Schlachthofbühne und schon preschen die Emotionen des Sängers Miikkas nur so aus ihm heraus. Wild, ungestüm und mit jugendlichem Rebellencharme steht, springt, tanzt der Disco-Ensemble-Frontmann über die Bühne. Er singt und schreit als wäre es seine einzige Möglichkeit zu Überleben. Bereits der zweite Song ist ihre aktuelle Single „Drop Dead, Casanova“. Wie als wollten die vier Jungs dem Publikum damit sagen: „Hey, für alle die, die es noch nicht gemerkt haben, das grandiose Ding ist von uns!“. Und siehe da – es funktioniert. Das Publikum lässt sich von der positiven Aggressivität, die durch die Luft zu strömen scheint, anstecken. Bei „We might fall apart“ kommt zum ersten Mal die „zweite musikalische Aufgabe“ von Sänger Miikka zum Tragen – genauso energiegeladen und wild wie er auch singt, spielt er Keyboard. Ein charmanter 80er-Jahre Sound verbindet sich perfekt mit den harten, aber dennoch melodischen Rhythmen. Das finnische Quartett hat eine enorme Bühnenpräsenz. Man kann fast schon sagen, sie sind die personifizierte Energie. Finland rocks until your head is exploding! [photos & text by charlotte luther]
Die erste Band des Abends, die eine sichtbare Anhängerschaft mit sich bringt, ist Gogol Bordello. Der Raum vor der Bühne füllt sich, keiner will das verrückte Treiben auf der Bühne missen. Bunte Outfits, Akkordeon und Fidel lassen schwerlich vermuten, dass Gogol Bordello ein heißes Ding aus dem New Yorker Untergrund sind. Solider Punk-Rock trifft osteuropäische Klänge und das Publikum gerät sichtlich in Über-Schwung. Die selbsternannten Gypsy- Punks sind eine, ihre Instrumente gut beherrschende, massive Spaß- und Launetruppe. Zum Mitsingen geeignet - dass ein Song dem anderen gleicht… zum Glück gibt es Alkohol!
Dass Deutschlands Droge Nummer 1 bereits in rauen Mengen ihren Weg in Männerhirne gefunden hat, lässt sich unschwer am sofortigen Ausrasten bei Danko Jones’s Erscheinen erkennen. Fürwahr dieser Mann ist eine Art Rough 'n' Roll –Sex-Gott – sprich, die Damen stehen dem in nichts nach.
Mit übertriebener Selbstverständlichkeit feiert Danko sich selbst, nicht ohne zu betonen, dass die Band seinen Namen trägt. Mit der Faust die Leute rocken und zum Rocken bringen, schreibt er sich auf die Fahnen. Ein Danko, ein Wort – man verzichtet auf jeden nur im Ansatz poppigen Song, präsentiert nur das hart rockende Material (vornehmlich von "Sleep is the enemy") - und das Publikum pogt, bangt und gröhlt. Es wird auch gelacht (ein ekstatisches Lachen), ob dieser Danko-Inszenierung. Leider spielt der Mann – in Absenz wahrer Leidenschaft - lediglich sein Können aus. Der Fluch der 'großen' Bühne oder des Headliners einer Vier-Band-Tour? Vielleicht. Alles, was auf der letzten Tour noch unermesslich an- und erregend war, wirkt an diesem Abend lediglich perfekt einstudiert. Auf der Bühne schwitzt keiner Blut und im Publikum fordern keine Ladies Dankos klatschnasses Hemd.
Dennoch kann das dem Live-Erlebnis Danko Jones nicht allzu viel anhaben und man verlässt zwar nicht erotisiert, aber mächtig gerockt den Antidote-Event.
charlotte luther & beatrice steimle
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