Mit einem Kaleidoskop an bunten Soundeinflüssen von Soul, Blues, über Rock bis hin zu Folk, präsentiert die Grammy-dekorierte Südstaaten Formation Arrested Development die Vielfarbigkeit von HipHop. Pünktlich zum vierten Albumrelease von Arrested Development starten sie ihre Europa Tournee und begeistern die Fans mit ihrer Mixture verschiedenster Musikstile.

arrested developmentArrested Development
Seit Ende der Achtziger musiziert die achtköpfige Truppe mit einer ungemein leidenschaftlichen Lockerheit und hat es seit dem Debütalbum „3 Years, 5 Months And 2 Days In The Life Of…“ im Jahre ’92 auf bisher über fünf Millionen verkaufte Alben gebracht. Allerdings versteht sich die Gruppe weniger als Studio-, sondern hauptsächlich als Live-Band. Neben dem rappenden Leader Speech, besteht AD noch aus dem Bassisten Za, dem Drummer und Grafikdesigner Rasa Don, JJ Boogie an der Gitarre, der quirligen Tänzerin Montsho-Eshe, Rapper One Love, der Soulsängerin Nicha und last but not least Baba Oje, der mit seinen 73 Jahren wohl zu den dienstältesten Tänzern und Background Sängern überhaupt gehört. Und genau dieses Konglomerat macht Arrested Development zu einem der interessantesten Live-Acts schlechthin. Aktuell befinden sie sich mit ihrem neusten Long Player „Since The Last Time“ auf großer Europa-Tour und machten im Rahmen des Enjoy Jazz Festivals deshalb auch im Delta halt.

Während vor dem Heidelberger Karlstorbahnhof ein nicht abnehmender Menschenpulk noch versucht eine Karte für den ausverkauften Saal zu ergattern, haben drinnen schon die K*Rings Brothers aus dem tiefen Odenwald begonnen die Massen mit Sprechgesang zu beschallen.

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Um kurz vor 11 laufen dann die Musiker von AD auf der Bühne ein und zünden sogleich ein Feuerwerk aus Tanz, Rhythmus und Rap. Positivität, Leidenschaft und Spaß am Performen sind allen Bandmitgliedern offensichtlich anzusehen. Die beiden ersten Stücke Give A Man A Fish und Fishin’ 4 Religion sind Musterbeispiele für inhaltlich perfekt in die Musik verpackte Sozialkritik und verdeutlichen auch den Anspruch von Arrested Development, eine Aussage hinter ihr Schaffen zu stellen. Die geballte Bühnenaction der acht Künstler lebt dabei von den extrem schweißtreibenden Tanzeinlagen Montsho-Eshes, diversen instrumentalen Soli der Band, dazu ausgesprochen flüssig und schnell vorgetragenen Reimversen One Loves, der einfühlsam-souligen Stimme Nichas und der sympathischen Erscheinung des kultigen Baba Oje. Ob zu Ease My Mind oder der ersten Single Tennessee, die Crowd, die sich aus 20 bis 50-jährigen zusammensetzt, ist bedingungslos bereit allen Aufforderungen Speechs nachzukommen und beteiligt sich deshalb auch äußerst ausgelassen am Geschehen. Dann folgt die neuste Single Miracles, mit der in musikalischer Anlehnung an die Jackson Sisters das Wunder einer gangsterfreien HipHop Szene thematisiert wird. Arrested Development müssen an diesem Abend zu keinem Zeitpunkt um ihre Authentizität oder Glaubwürdigkeit kämpfen und versprühen einfach nur ihre positiven Vibrations.

Mr. Wendal und Raining Revolution sind anschließend weitere Titel in der überaus sehenswerten Bühnenshow und machen dem Publikum genauso viel Freude wie Baba Oje, der sich nach wie vor mit „Go Baba, go Baba!"-Rufen wie ein Star von der Menge feiern lässt. In bester Native Tongue Manier im Stile von Rap Crews wie A Tribe Called Quest, De La Soul oder den Jungle Brothers verbalisieren sie ihre African Roots, ohne sich dabei verzweifelt irgendwelchen kommerziell-trendigen Stereotypen unterzuordnen. Die Crew harmoniert als hätten sie sich nie getrennt und auf ihre Soloprojekte konzentriert. Die Krönung in der ausgiebig geforderten Zugabe ist dann natürlich noch der Track People Everyday, das mit Funkelementen aus Sly And The Family Stones Everyday People spielt und das Ende des hervorragenden Auftritts einleitet.

Festzuhalten bleibt abschließend noch, dass auch Arrested Development nur entfernt als jazzig bezeichnet werden können und der Schwerpunkt dieses Enjoy Jazz: Festival für Jazz und Anderes-Konzert diesmal eher bei „Anderes“ liegt.  

Andreas Margara

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