schier unüberwindbares und musikgeschichtliches erbe Helmet Monochrome: Zweiter Versuch eines Comebacks?

Von Clemens Schickel. Veröffentlicht am Donnerstag, 12. Oktober 2006


Page Hamilton
Page Hamilton, Altmeister des minimalistischen, messerscharfen Noise-Rocks und lebende Legende des New York City Hardcore hat sich von dem eher mäßigen Erfolg der Comeback-Platte „Size Matters“ nicht unterkriegen lassen und legt überraschend „Monochrome“ nach. Ein Werk, welches wieder ansatzweise an die alten Zeiten Mitte der Neunziger erinnert, als viele von „Betty“ und „Meantime“ schwärmen konnten, weil diese Alben durch kompromisslose Intensität, exaktem Druck, verschrobenen Rhythmen, eleganten Jazz-Parts und Pages herausgepressten Textfragmenten ein außergewöhnliches und mächtiges Eigenleben entwickelten.

Eine Band, die immer durch Musik überzeugt hat und nie eine Show aus ihren rund 1700 Auftritten gemacht hat, denn so war ihr Dropped-D Sound eben – nüchtern, hart und direkt. Ein Gesamtwerk.

So schnell wie das Comeback-Album wieder in der Versenkung verschwunden war, so schnell ging auch das aussagekräftige Line Up (John Tempesta, Drums/Testament, Frank Bello, Bass/Anthrax) um Hamilton aus finanziellen Gründen auseinander.

Einzig allein Chris Traynor (Gitarre/Bush) blieb, Mike Jost (Drums/Adair) und Jeremy Chatelain (Bass/Handsome) kamen kamen dazu und stellen eine wirkliche Verstärkung dar.

Mit neuem Album und neuem Indie-Label (Warcon), nach dem Split mit dem langjährigen und mächtigen Major-Partner „Interscope“, sind sie nun wieder richtig „independent“ mit kleinem Budget und viel Freiraum für die Musik.

Dies hat der neuen CD auch recht gut getan. Weniger metallastig als
sein Vorgänger präsentiert sich „Monochrome“ sehr rau (und dies vielleicht auch gewollt), erinnert an „Strap it on“ und lässt wieder viel mehr Spielfreude in der neuen Formation erkennen.

Wie soll man dieses Relase nun deuten? Als zweiten Versuch eines Comebacks?

Einige Songs wie der Titeltrack „Swallowing Everything“ oder auch  „Gone“ und „Money Shot“ stechen sofort heraus, was wiederum nicht das ersetzen kann, was z.B. der Meilenstein-Vorgänger „Meantime“ bedeutet und geschaffen hat. Das müssen sie aber eigentlich auch nicht, denn letztendlich muss man dieses Album als Weiterentwicklung Helmets verstehen:

"Ich als Musiker kann den gleichen alten Mist nur eine bestimmte Zeit lang spielen, bevor er mir zum Hals heraus hängt und ich etwas Neues kreieren muss. Wenn man konstant Musik hört und damit arbeitet, hat man gar keine andere Wahl, als sich weiterzuentwickeln."

Auf der anderen Seite kann er den Fans, für die es nur den einen, wahren Helmet-Sound gibt, auch keinen Vorwurf machen :

"Im gewissen Sinne mache ich mich da auch schuldig. Meine liebste Platte von Killing Joke ist immer noch die erste. Und all die anderen schaffen es in meinen Augen nicht, gegen dieses Album zu bestehen. Jeder Künstler hat so ein Album, das alle anderen überragt. Bei Beethoven war es die 7. Sinfonie und John Coltrane hatte 'A Love Supreme'. Ich darf mir aber als Musiker keine Gedanken darüber machen, was andere über die eigene Musik sagen oder denken. Hätte ich das gemacht, als ich die Band 1991 gründetet, hätte ich lange Haare, würde enge Lederhosen tragen und so klingen wie Bon Jovi."

Wenn man es genau nimmt, haben Helmet bereits ihren einzigartigen Beitrag zur Musikgeschichte geleistet. Hamilton, Stanier, Bogdan und Mengede haben durch ihre existenziellen Alben ein komplett neues Gerne losgetreten, welches scharenweise beeinflusste Hardcore und Emocore Bands hervorbrachte, die wiederum nie an die perfekte Brachialität der New Yorker herankamen.

Damit hat Helmet ein übermächtiges, schier unüberwindbares, musikgeschichtliches Erbe hinterlassen, welches bei manchen Fans die Erwartungshaltungen bei neuen Releases demnach etwas zu hoch ansetzt.

Diese Erwartung muss uns Page Hamilton eigentlich nicht mehr beweisen. Wir wissen, dass er ein Meister seines Fachs ist und wahrscheinlich zu den besten Gitarristen gehört. So ist es doch weiterhin beachtlich, dass dieses Arbeitstier immer weitermacht und seine Musik veröffentlicht, weil es uns insgeheim eigentlich immer sehr freut, von ihm zu hören.

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