von der ersten note an brachial

Als wären sie nie weg gewesen: Ulme

Review/Bericht vom 08.10.2006 | Autor: Clemens Schickel

Tags: Ulme  

Die Meldung, dass Ulme nach langer Abstinenz wiedervereint sind, eine EP aufgenommen haben und nun mit neuer Besetzung auf Tour sind, verbreitete sich bei Musikfreunden der härteren Gangart wie ein Lauffeuer. Die Mischung aus Vorfreude, Verhaltenheit und Spannung, die das Publikum zum Konzert mitbrachte, war deutlich zu spüren.

Ulme BandfotoUlme
Zunächst jedoch betrat Nova Drive als erste der drei auftretenden Blunoise-Bands die Bühne. Ihr Sound ist eher im experimentellen / psychedelischem Bereich anzuordnen. Sängerin Suse Michel verstand es, ihre Texte emotional und authentisch zu beleben. Mit vielen progressiven und größtenteils gejammten Stücken kamen die Frankfurter recht gut an. So steigerten sie ihre Musik zum Ende hin immer mehr, ließen es in einem großen Jam auslaufen, und hoben damit noch einmal ihr Zusammenspiel hervor.

NovadriveNovadrive
Voll in ihrem Element präsentierten sich Pendikel. Eindringlich rockten sie einfach drauf los und das fanden diejenigen, die vor der Bühne standen, richtig gut. Zwischen ganz ruhigen und besonnenen Stücken und dann teilweise wieder sehr energetischer Musik bewegten sich die vier Osnabrücker in ihrem Set. Die Eingenartigkeit ihrer Musik, die schon so abstrakt war, dass man sie nicht einordnen konnte, wurde gebührend bestaunt, denn die Band machte nie das, was man von einer Rock-Band erwarten würde - sie überrraschten lieber mit Ungezwungenheit.
PendikelPendikel
Dafür ernteten sie viel Applaus und ließen sich durch diese Beihilfe zu noch mehr Intensität im Zusammenspiel leiten.Auch sie zogen ihrem Sound immer mehr an und waren im Schlussteil dermaßen energetisch und noisy, dass sie damit eine perfekte Einleitung zu den von allen mit großer Spannung erwarteten Ulme boten.

Es war erst ihr sechstes Konzert nach der Reunion, aber davon war Ulme nicht viel anzumerken. So bewiesen Arne Heesch (Gesang/ Gitarre), Jan-Eric Heesch (Drums) und und Ex-Sissies Tim Liedtke (Bass), dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hatten, indem sie eine sehr geschlossene Leistung zeigten. Obwohl noch am selben Tag aus dem 600 Kilometer entfernten Hamburg angereist, waren den drei Norddeutschen keine Müdigkeitserscheinungen anzumerken - im Gegenteil.

Ulme liveUlme live

Die Spielfreude war der neuen Formation deutlich anzumerken und so gaben sie mit dem neuen Material von der EP „The Glowing“ und den alten Songs Gas ohne Ende, ohne dabei den kleinsten Hinweis auf ihre zurückliegende Trennung zu geben.

Außergewöhnlich war, wie sehr Tim Liedtke mit völligem Körpereinsatz spielte, oder sich Jan-Eric Heesch trotz leicht instabiler, sich verschiebender und teilweise umfallender Schießbude,  nicht aus seiner norddeutschen Ruhe bringen ließ und immer weiter sehr gekonnt in das Schlagzeug prügelte.

Ihr Sound war einfach nur mächtig und die Songs, ob neu oder alt lassen sich mit den Begriffen Hardcore, Noiserock und einer kraftstrotzdenden "Danzig-Frontstimme" am besten beschreiben. So spielte sich die Band nach über einer Stunde in den brachialen Höhepunkt ihrer Leistung.

Merkbar glücklich waren die drei Musiker, als sie nach einem von dem Publikum abgefeierten Set und mehreren Flaschen Bier schließlich die Bühne verließen. Es hatte sich also alles gelohnt, und das für beide Seiten.

Ein schöner und lauter Abend im Café Central: Drei gute Bands vom selben Label hatten gezeigt, was sie können, von dem die eine ihre Reunion noch einmal eindrucksvoll unterstrich.

Clemens Schickel

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