fightstanz in de tschännau Veitnight mit Soma, Naggy Skills, Tais und Four Sided Cube

Von Thomas Baumann. Veröffentlicht am Freitag, 6. Oktober 2006
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Tschännau – was muss man sich nicht alles anhören, wenn man aus diesem Stadtteil ganz im Norden von Mannheim kommt und die immer gleichen Witze über „Tschoggingtschuh“ im „Tschuhtschäft“ einem nicht mal mehr ein mildes Schmunzeln abringen können.

Wohl auch aus diesem Grund haben sich die Jugendlichen von der Projektgruppe „Rückenwind“ überlegt, das Image ihres Viertels aufzupolieren und von ein paar Rockmusikern das hiesige Pfarrzentrum zerlegen zu lassen. Da der Erlös einem guten Zweck zugute kam, machte es allen Beteiligten auch doppelt soviel Spaß.


Die drei Jungs von Tais, was laut einer nicht zuverlässigen Quelle „Tausend Männer im Schnee“ bedeuten soll (dann würde die Band ja auch Tmis heißen), machten den Anfang. Und da dieser bekanntlich schwer ist, griffen sie auch gleich mal ordentlich in die Saiten um Langeweile gar nicht erst aufkommen zu lassen. Wer die Band schon mal live gesehen hat, weiß aber, dass diese Sorge völlig unbegründet war: Tais bringen immer Alle zum Schwitzen. Ihr Spaßpunk im professionellen Mäntelchen mit einer gewissen Ernsthaftigkeit war genau die Art von Musik, welche die ca. 150 Zuschauer hören wollten. Spätestens als man verkündete, dass einem die Sonne aus dem Arsch scheinen würde und man in der Zugabe bewies, wie viele Punk/Pop/Rock/NDW-Songs doch tatsächlich mit den selben drei Akkorden auskommen, gab es vor der Bühne kein Halten mehr.


Die nächste Band war Four Sided Cube, die recht kurzfristig als Ersatz für die krankheitsbedingt ausfallenden Lesansmono einsprangen. Schon bei den ersten Akkorden und spätestens beim Einsetzen des Gesangs stand in den meisten Gesichtern vor der Bühne das selbe: die klingen genau wie Pearl Jam! Vom Songwriting über die Stimme bis hin zum Gitarrensound war auch tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Ob es eine gute Entscheidung war, ohne Soundcheck aufzutreten, sei dahingestellt und durch das ständige Stimmen der Gitarren wurde dem Auftritt doch einiges an Dynamik genommen. Leider waren wohl nicht zuletzt deshalb auch recht wenig Zuschauer bei FSC vor der Bühne, die nämlich trotz aller Widrigkeiten einen guten Gig mit klassisch rotierender Rotweinflasche und Kunstrasenteppich für die nackten Füße des Sängers ablieferten.


Der Platz vor der Bühne füllte sich wieder merklich, als Soma die Bühne stürmte. Mit professionellem Intro und einer detailliert geplanten Bühnenshow merkte man den Jungs die Erfahrung von über 30 Konzerten allein in diesem Jahr an. Routiniert und ohne größere Auffälligkeiten schafften sie es, das Publikum zum hüpfen, springen und mitsingen zu animieren. Viele Konzertbesucher waren auch nur wegen Soma gekommen und gerade diese kamen ganz sicher auf ihre Kosten. Es ist nur ein bisschen schade, wenn man sich nur „seine“ Band anschaut und andere Bands vor fast leerem Haus spielen müssen. Trotzdem war Soma wieder ein Garant für kreischende Mädels und ganz sicher der größte Publikumsmagnet an diesem Abend.

Den Abschluss machten die Mannen von Naggy Skills. Die Fünf aus Mannheim wussten mit gekonntem Punkrock zu überzeugen. Dass sich aufgrund der schon vorgerückten Stunde nur noch ein ganz kleiner, elitärer Haufen vor der Bühne tummelte, schien niemanden zu stören. Der Sänger ließ es sich auch nicht nehmen, seine laut eigener Aussage 82 kg zum Stagediven von der Bühne zu werfen. Nur das Landemanöver mit der Nase dürfte er im Nachhinein etwas bereut haben. 15 Mädels und Jungs sind wohl doch nicht kräftig genug. Zum Ende des Konzerts kam es zur obligatorischen Verbrüderung von Publikum und Band, denn es waren mehr Menschen auf als vor der Bühne, und alle hatten ihren Spaß, bis auf den Mann am Mischpult, der alle Nichtmusiker zum Verlassen der Bühne aufgefordert hatte. Teile von Naggy Skills wollten daraufhin ebenfalls schon gehen ...

Am Ende kam es dann doch zu einem versöhnlichen Abschluss des Abends und man muss sagen, dass man anscheinend für einen guten Zweck noch mehr Bock zu rocken hat. Und: auf der Tschännau ist es gar nicht so schlimm, wie es immer mal heißt. Solange man niemanden nach seinen Tschoggingtschuhen fragt.

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