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Trip in Time Festival - Psychedelic Rock

Review/Bericht vom 17.09.2006 | Autor: Jonathan Cordero

Tags: Psychedelic Rock   Trip in Time  

Trip in Time - Impressionen
Die Sonne wird langsam schwächer die Temperaturen tauchen langsam aber sicher in die unteren Gefilde ab und auch die Badenixen verstecken mehr ihre Epidermis unter langärmeligen Bekleidungsstücken. Und mit dem Sommer tröpfeln langsam auch die Festivals aus.

 

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Im selbsternannten Anti-Kommerz Tempel der Region, dem Rude 7, sorgte am vergangenen Freitag das Trip in Time Festival für den stilvollen Ausklang des Festivalsommers, mit sechs Bands, die jeweils ein 80minütiges Set präsentieren sollten. Psychedelic Rock vom Feinsten, samt umfangreicher Lightshow in „idyllischer Industrieromantik zwischen Schornstein und Autofriedhof und aufgeschüttetem Sandstrand" war angesagt - wie das auch die Trip in Time-Compilation gelungen schmackhaft macht.

Von den übrigen Festivals (siehe Rock Werchter oder Traffic Jam) unterscheidet sich das Trip in Time vor allem durch seine Besucher, die bis auf wenige Ausnahmen ihre Jugendzeit wohl mit Led Zepplin und Pink Floyd in den wilden Siebzigern verbracht haben und diesen Zeitgeist genau wie ihre selbstgebatikten T-Shirts wieder aus den tiefsten Nischen ihres Kleiderschranks hervorgekramt haben - "trip in time" hält was es verspricht. Auch die angekündigte Lightshow lockt heute keinen Festivalbesucher, der Lichttechnik jenseits der 20.000 Watt Grenze gewohnt ist, hinter dem Ofen hervor. Doch sieht man selten so viele bunte Lämpchen, die auf gespannte Tücher an Decken und Wänden projezieren, oder gar jemand der farbiges Papier vor Diaprojektoren rotieren lässt, wie das beim Trip in Time der Fall war. Der ganze Raum war in ein sich ständig wechselndes düsteres und buntes Licht getaucht, Psychedelic at it's best. Das alles unterlegt von süßlichem Geruch, der sich duch die Lüfte schlängelt, sanft die Sinne betört und von dem vor der Konzerthalle aufgeschlagenen Esoterikzelt herrührt, das nicht nur Räucherstäbchen in allen Geschmacksrichtungen, sondern auch orientalische Wasserpfeifen anbietet.

Trip in Time - Impressionen
Den Anfang machen Ma-Nia aus Mannheim und geben sich mal wild und mal ganz zahm, aber vor allem sehr flink auf ihren Instrumenten. Irgendwie ein bisschen wie wenn man Iggy Popp, die Red Hot Chilli Peppers und Rage against the machine in einen Topf wirft und einen kräftigen Schuss Seventy-Feeling dazu gibt. Die Mischung kommt an und trotz der sehr frühen Stunden stehen einige Menschen vor der Bühne und tippeln rhythmisch über den Boden oder nicken zumindest anerkennend der Combo zu.

Weiter geht’s mit der Wormser Progressive Rock-Formation Treacle People um Frontmann und Popakademiestudent Josh Maccoy, der eine überragende Stimme mit wahrer Ausdrucksstärke und viel Emotion sein eigen nennen darf und auch als Einziger nicht aussieht, als wäre er vor dreißig Jahren eingefroren und gerade erst wieder aufgetaut worden. Bei den Treacle People verschwimmt die Grenze zwischen durchkomponierten Songs und stundenlangen Jam Sessions, bereitet immer wieder kurzweiliges Vergnügen und besticht durch gelungene Kompositionen. Live zerlegen die Treacle People auch gern mal Pink Floyd-Material kunstgerecht in Einzelteile, ihr Debüt Album enthält aber ausschließlich eigene Stücke.

Trip in Time - Impressionen

Bereits 1969 gegründet wurde die US-Band  Dragonwyck, die sich bei Trip in Time in einem verjüngten Line-Up präsentieren (fast ein Stunden später als geplant), angeführt von Gründungsmitglied Tom Brehm. Auch Treacle People Frontmann Josh Maccoy mischt ordentlich mit und zeigt sich selbst mit technischen Aussetzern und ohne Monitorsound von seiner Schokoladenseite.

Siena Root aus Schweden dürften Einigen als WDR-Rockpalast Durchstarter und Underground Sternchen bereits ein Begriff sein und machen die Geisterstunde unsicher, gefolgt von den peruanischen  Spacerockern La Ira de Dios, die das erste Mal über den großen Teich nach Europa gekommen sind, um ihr Publikum zu verzaubern.

Der für 2.30 Uhr geplante Society Jam muss dank multipler Verspätungen wohl in die sehr frühen Morgenstunden verlegt worden sein, war aber wie das ganze Festival ein ganz besonderes Schmankerl für jeden eingefleischten Genrefan oder jeden ausgereiften Mittvierziger, der einen Teil seiner Jugend wieder aufleben lassen wollte.

 

 

Jonathan Cordero

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