heavy metal invaders ...
GBOB-Vorrunde in Heidelberg: Irony gewinnt
Review/Bericht vom 15.09.2006 | Autor: Gerald Merkel
Tags: GBOB
Review/Bericht vom 15.09.2006 | Autor: Gerald Merkel
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GBOB ist dieses Jahr im Prinzip zum ersten Mal voller Montur am Start. Der größte Bandwettbewerb der Welt ging letztes Jahr mit vier nationalen Vorausscheidungen quasi erst mal auf Tuchfühlung. Die Eckpunkte zum Modus: Die ersten Bands, die sich anmelden, sind auch dabei, Die Anmeldung kostet 20 € für jeden Musiker, es gibt eine Backline und Zeit für zwei Songs. Publikum und Jury entscheiden, wobei die Jury notfalls überwiegt. Der Gewinner jeder Vorrunde fährt zum Nationalfinale nach Köln, von dort geht’s weiter nach London. Wer dort siegt, siegt richtig: Eine Welttournee und 100 000$ Cash winken. Dies ist der einzig verbindliche Preis, in den Vorrunden kann es zu diversen Sonderpreisen kommen. Wer’s genauer wissen will, hier hätten wir ein Interview mit GBOBer Benjamin Kovacs .
Im Schwimmbad am Start waren nicht weniger als 14 Bands aus dem wilden Südwesten von Bad Hersfeld bis ins Badische.
Eröffnen durften Das blaue vom Himmel aus Worms, ambitionierter deutscher Pop, schön arrangiert und mit überzeugendem Gesang von Benedikt Plass, dem aber ein paar Höhepunkte wirklich gut täten. Weiter ging es mit Kooganoo aus Darmstadt, die etwas holprig einstiegen, aber dann wunderbar vorführten wie man mit einfachen Mitteln zu Steigerungen und Atmosphäre kommt. Eine recht eigene Mixtur, die fließt und mitzieht ...
Dass sowohl Publikum (das man sich eine Spur zahlreicher gewünscht hätte) als auch die dreiköpfige Jury (Chris Ehrenfeld - zero2records, Frank Baudys – FBI Musik und der Autor dieser Zeilen) keinen leichten Stand hatten, war spätestens bei den Taletellers klar: der Bruch vom vorher Gebotenen ging klar Richtung AC / DC, Guns’n’Roses und Konsorten ... Zwei Songs pro Band garantieren einen abwechslungsreichen Abend, lassen aber wenig Raum um sich wirklich ausreichend auf eine Band einstellen zu können, und damit auch wenig Raum für die entsprechende Konzertstimmung. Natürlich würden sich 14 Acts mit mehr Spielzeit nicht an einem Abend abfeiern lassen können ...Über Sascia, No Label und Warp-Out (die das Pech haben innerhalb von zwei Songs einen Gitarrengurt zu ruinieren, das Problem aber so flexibel lösen, wie man das von Punkrockern erwarten darf) geht das Staffelholz an Sober,
deren Sänger nicht lange nach seinen Role Models gefragt werden muss (ne englische Band, fängt mit O an und hört mit asis auf) und deren Songs auch genau so geschnitzt sind - Große Refrains. Die Band gibt sich von der Spielweise allerdings weniger britisch als ihr Sänger – Oasis-Sound mit slappendem Basser ...Bei der Badischen Blues Band bekommt der Hörer genau das, was drauf steht, bei Irony lässt man am besten das „y“ weg, dann triff das auch zu: Metal mit allem was dazu gehört, sowohl Musik als Performance betreffend. Double Bass, Gesang der von rau bis in die Kastraten-Lagen geht, geschüttelte Mähnen an den Saiteninstrumenten – ein 8-Minuten-Gewitter.
Dwell präsentieren sich als eckigste Band des Abends, sehr interessant, die Darbietung des Sängers hat viel Pathos und Drama – ist sehr „deutsch“ -, wozu dann allerdings keine „Mitmach“-Animation fürs Publikum passen will. Careless sind immens druckvoll und auf den Punkt, die stimmliche Bandbreite von Sänger Christian Jasnau ist beeindruckend. Warm werden die vier innerhalb von zwei Songs aber nicht auf der Bühne, der Auftritt hat etwas hölzernes.
Kojak setzt sich aus US-Amerikanern zusammen, die genau das bieten, was man da erwarten darf: grooviger US-Alternative (eine Spur Chili Peppers eine Spur RATM usw.) mit einer ordentlich energetischen Show. Die Jungs wird man sicher öfter in deutschen Clubs zu sehen und hören bekommen. Das Accoustic Shayd Duo lässt alle noch mal verschnaufen, bevor die Lokalmatadoren The Junktones noch mal ein Punk’n’Roll Ausrufezeichen setzen. Das sicherlich kürzeste Set, schade, reichte grad zum warm werden.
Während Still Drift das Publikum mit gut gelauntem und gut gemachtem Punk-Pop auf Trab hielten (oder erst brachten), wurden die Stimmen ausgezählt und die Jury hielt ein Pop Wow ab. Der Modus des GBOB ist letztlich eine Mischung, die in der Praxis so aussah, dass diejenige Band unter den Favoriten der Jury, die die meisten Stimmen auf sich vereinte zum Sieger gekürt wurde: Irony – metal rules an diesem Abend. Unter den ersten fünf waren außerdem: Kooganoo, Sober, Kojak und Dwell.
Mal schauen, wie sich der gute alte Metal in Köln beim Nationalfinale macht – zäh genug ist er ja. Ansonsten: Ein rasanter Konzertabend, manchmal zu rasant. Die Probleme die alle Newcomercontests zu lösen haben – Anzahl der Bands, Spieldauer, Publikum und letztlich die Schwierigkeit über das subjektive Thema Musik objektiv zu urteilen-, werden auch von GBOB nicht aus der Welt geschafft. Man darf also auf die Entwicklung des größten Bandwettbewerbs der Welt in Deutschland weiter gespannt sein und sich auf alle Fälle erst mal über eine weitere Präsentationsmöglichkeit auf der Newcomerebene freuen.Gerald Merkel
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