dreierpack in zitadelle
Wir Sind Helden - We Are Scientists - Home of the Lame
Review/Bericht vom 21.07.2006 | Autor: Daniel Voigt
Review/Bericht vom 21.07.2006 | Autor: Daniel Voigt
„Wir Sind Helden“ haben sich für ihren ersten von zwei Einzelkonzerten 2006 einen besonderen Veranstaltungsort ausgesucht. Die Zitadelle in Mainz entstand schon im 17. Jahrhundert und ist mit seinem römischen Theater einer der historischen Wahrzeichen der Stadt.
Das Konzert findet im Innenhof dieses Gebäudes statt, indem sich schon vor Konzertbeginn viele Leute mit Decken auf der Wiese ausgebreitet haben um beim Genuss von Bratwurst und Apfelschorle die strahlende Sonne zu genießen. Es herrscht eine lockere und fröhliche Atmosphäre als wären die Menschen alle schon in Urlaubstimmung. Vielleicht ist es auch noch eine Nachwirkung der grandiosen Stimmung bei der Fußball-WM. So soll diese Veranstaltung als Abschluss für das Kulturprogramm dienen. Um 18:30 Uhr betritt die erste Vorband „Home Of The Lame“ die Bühne um bei brütender Hitze die Menge für den bevorstehenden Auftritt von „Wir Sind Helden“ anzuheizen. Die Hamburger kennen „Wir Sind Helden“ gut, denn sie haben schon in ihren Anfangstagen mit ihnen zusammengearbeitet. Viel Stimmung kommt bei dem sehr jungen Publikum nicht auf, die Musik wirkt etwas ausgelaugt und bekannt. Das Publikum erfrischt sich lieber mit Getränken und schont sich für die Helden. Trotzdem wird die Band höflich beklatscht.Wenig später betreten dann „We Are Scientists“ die Bühne. Ihr Auftritt wird von einer euphorischen Atmosphäre begleitet. Zum ersten Mal sind Ansätze von Tänzen in der Menge zu bemerken. Die Band sprüht nur so von Spielfreude und spielt mit viel Herz und Leidenschaft. Leider wird diese Spielfreude immer wieder von Rückkopplungen und technischen Problemen gestört. Dies überwindet die Band aber immer wieder mit gekonnten Dialogen zwischen den Stücken, die das Publikum in Laune halten. So blüht die Menschenmasse immer mehr auf, was auch an den nun etwas angenehmeren Temperaturen liegen kann, denn die Sonne hat sich hinter die Fassaden der Zitadelle verzogen. Am Ende gibt es sogar frenetische Zugabe-Rufe an die Band, die man als Vorband aber leider ausschlagen muss. Dafür darf man sich aber schon mal dick im Kalender den 22.November anstreichen, denn an besagtem Tag werden „We Are Scientists“ als Headliner in der Batschkapp auftreten. Dann hoffentlich auch mit Zugaben!
Nach kurzer Umbaupause stehen dann „Wir Sind Helden“ auf der Bühne. Begrüßt wird man von der Band mit einem lockeren „Guten Tag“. Judith Holofernes, Sängerin der Band, ist gut drauf und kommuniziert viel mit dem Publikum. Auch der Helden-Nachwuchs wird erwähnt denn Judith Holofernes ist schwanger. Weiter geht es mit Songs wie „Von hier an blind“ und „Wenn es passiert“ bevor wenig später die Gesangskünste des Publikums bei „Denkmal“ auf die Probe gestellt werden. Natürlich darf in Mainz auch nicht die Erwähnung eines gewissen Jürgen Klopp fehlen. Wer es nicht weiß, er ist der Trainer von Mainz und war ein hoch gelobter Fußballexperte während der WM. Sie haben sogar den Mut „Why can’t I be you“ von The Cure zu covern und setzen für einige Songs vier Blasmusiker zur Unterstützung ein. Die Helden geben sich wirklich viel Mühe ihre Spielfreude und Fröhlichkeit aufs Publikum zu übertragen, doch so recht will der Funke in den hinteren Reihen nicht überspringen. Vielleicht liegt das auch an der ungewohnte Auftrittzeit, denn wann endet ein Konzert schon um 22Uhr? Wobei dies wahrscheinlich an den Lärmschutzbestimmungen der Stadt Mainz für umliegende Wohnhäuser liegt…Am Ende versuchen sich die Helden die eingeschränkte Publikumsbeteiligung in den hinteren Reihen beim Mittanzen mit einer gewissen Müdigkeit zu erklären und fragen mehrmals „Seit ihr schon müde?“. Erst in diesem Moment scheint der Funke wirklich auf alle Besucher überzuspringen. Hände werden nun nicht nur bei Aufforderung hochgestreckt, sondern es wird auch ohne Ansage getanzt. Die Helden haben es geschafft, das gesamte Publikum in ihren Bann zu ziehen.
Nach knapp 90 Minuten ist die ganze Show vorbei und die Helden verabschieden sich mit zwei Zugabeblöcken und dem Song „Bist du nicht müde“ von ihrem Publikum. Schlussendlich sind die Fans so euphorisiert, dass junge Teenies bis eine Stunde nach dem Konzert immer noch rufen: „Wir wollen die Helden sehen“. In so einer Stimmung hätte das Publikum schon zu Beginn des Konzerts sein sollen. Dann wäre es nicht nur ein gutes, sondern ein grandioses Konzert geworden.Setlist
Guten tag
Zuhälter
Heldenzeit
Von hier an blind
Wenn es passiert
Du erkennst mich nicht wieder
Darf ich das behalten
Denkmal
Echolot
Ist das so
Gekommen um zu bleiben
Nur ein Wort
Aurelie
Müssen nur wollen
Rüssel an Schwanz
Die Zeit heilt alle Wunder
Außer Dir
Bist du nicht müde
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