akademisches sommerspektakel

Popakademie Mannheim: Semesterabschlusskonzert 2006 und Verleih des Clubawards

Von Gerald Merkel. Veröffentlicht am Montag, 17. Juli 2006

Das Semester beendete die Popakademie wie bereits gewohnt mit einem Strauß Musik. Mehr Sträuße: Der ClubAward wurde verliehen. Das Rhein-Neckar-Delta war mit dem EO, dem Schwimmbad und dem Karlstorbahnhof stark vertreten, das Rocker 33 in Stuttgart heimste dafür sogar zwei Preise ein, ein weiterer Preis ging an die Karlsruher Mood Lounge.

Eine besondere Note des Abends: Da die ersten Studenten die Akademie dieses Jahr diplomiert verlassen, war es für diejenigen das letzte Konzert dieser Art. Zwei Dinge, die sofort auffielen, waren die Hitze in der Feuerwache und die Tatsache, dass der Zeitplan von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Dank der Moderation konnten die Interessierten in der sehr gut gefüllten Feuerwache - der Eintritt übrigens frei - aber trotzdem auf dem Laufenden bleiben. Ganz leicht war das nicht, da vor allem im ersten Drittel oft schon nach einem Song gewechselt wurde.


Die Verleihung des Popakademie ClubAwards wurde schließlich nach vorne gezogen. Ursprünglich nach den Halogenpoeten – die im Rahmen der DASDING-Netzparade on Stage mit Benj*ammin in Kürze im mehrfach nominierten EO auftreten – angesetzt, spielten diese schließlich ca. eine Stunde nach der Preisverleihung. Fünf Awards standen dieses Jahr zur Auswahl, die an „alle Live-Clubs und soziokulturelle Zentren, mit regelmäßigem Konzertprogramm mit eigenständigem Profil und Raum für neue Bands und Künstler“ in Baden-Württemberg vergeben werden. Insgesamt bewarben sich 27 Clubs für die verschiedenen Kategorien.

Der Award für den besten geförderten Club ging an den Karlstorbahnhof in Heidelberg, der beste nicht geförderte Club steht 2006 ebenfalls in dem idyllischen Städtchen am Neckar: Der Schwimmbad Musik Club. Ein Neuling in dieser altbekannten Club-Landschaft schob sich bei der Ehrung des besten Newcomer-Konzeptes dazwischen: Mit dem EO in Mannheim hat überhaupt zum ersten Mal ein Club aus der Quadratestadt einen der ClubAwards gewonnen. Diesem Rein-Neckar-Aufmarsch setzte die Landeshauptstadt das Rocker 33 entgegen, das nicht nur den Sonderpreis für das innovativste Club-Konzept einheimste, sondern auch das DASDING-Publikumsvoting für sich entschied. Weiterer Preisträger des Sonderpreises ist die Mood Lounge aus Karlsruhe. Diese fünf Clubs teilen nun den mit insgesamt 10 000€ von der IHK Rhein Neckar gestifteten Preis und können sich das ClubAward-Gütesiegel auf die Fahnen schreiben.

Nach der Ehrung dieser potentiellen Spielstätten für die Hauptakteure ging es im gleichen Tempo im Programm weiter, nur wurde allen nun auftretenden Acts mehr als ein Song zur Präsentation zugestanden.

Das Programm bot selbstredend einen riesigen Querschnitt an Musikstilen, dementsprechend lag die Aufmerksamkeit des Publikums mal mehr mal weniger und immer durchmischt auf den einzelnen Acts. Herausstechen konnten z.B. die Hesslers, deren Alternative Rock trotz Ecken und Kanten, Verzerrungen und Schreiattacken in gewisser Weise eingängig von der Bühne schwappte. Schlagzeuger Moritz Müller hat sich den Preis als bester Instrumentalist des Mannheim Music Awards jedenfalls verdient: Wie er die Schlegel schwingt, erinnert in positivster Weise an Helmet.


Andere Acts, wie z. B. Grande Mirage, gehen schlicht in der Hochsommer-Atmosphäre unter, andere bleiben relativ farblos – was an einem solchen Abend, bei einem derartigen Überangebot auch nicht weiter verwunderlich ist. Am Beispiel Mini Moustache manifestiert sich leider die Problematik bei derartigem Wechsel immer einen passablen Sound zu finden, ein Problem, mit dem My Baby wants to eat your Pussy nicht kämpfen müssen. Wieder mal setzt die bunte Truppe optisch wie musikalisch einen Höhepunkt. Anders gesagt: Wäre das hier wieder ein Bandcontest gewesen, wie das heiß diskutierte Emergenza vor wenigen Wochen ebenfalls in der Feuerwache, die Pussys hätten sich wohl auch gegenüber ihren Studienkollegen durchgesetzt. Die bereits erwähnten Halogenpoeten können ebenfalls positiv herausstechen, Falk in Teilen, während der zum Abschluss aufspielende Action Club eher ratlose Gesichter verursacht.

Alles in allem ein runder Abend, der dem Zuschauer die Wahl lässt, inwieweit er sich auf das Geschehen auf der Bühne konzentriert. Eben ein Semester-Abschluss.

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