quo vadis popförderung mannheim?
Interview mit Kulturbürgermeister Dr. Peter Kurz
Interview vom 13.07.2006 | Autor: Gerald Merkel
Interview vom 13.07.2006 | Autor: Gerald Merkel
Das Amt des Rock/Pop-Beauftragten auf kommunaler Ebene ist in Mannheim einmalig. Bisher (seit 2001) war es mit der Person Markus Sprengler verbunden. Nachdem dieser kündigte und Popakademie und Musikpark installiert sind, ist nun die Frage wie es mit dem kommunalen Thema Popförderung weitergeht. regioactive.de sprach mit Dr. Peter Kurz, Bürgermeister für Bildung, Kultur und Sport der Stadt Mannheim. Die Einrichtung des Amtes für Popförderung als auch die Ansiedelung von Popakademie und Musikpark fallen in die Amtszeit des 44jährigen Juristen und SPD-Politikers.
ra: Das Amt der Popförderung war bislang mit der Person Markus Sprenglers verbunden, der nun eine andere Aufgabe gefunden hat. Gleichzeitig ist eine der Hauptaufgaben der bisherigen Amtszeit – laut eigener Darstellung nämlich daran mitzuarbeiten Popakademie und Musikpark den Weg zu ebnen – gestemmt: Die ersten Studenten der Akademie werden 2006 ihre Diplome in Empfang nehmen, im Existenzgründerzentrum stehen nach den ersten beiden Jahren die Verhandlungen über eventuelle Mietverlängerungen an. Insoweit sind beide Einrichtungen im Alltag angekommen. Gibt es schon konkrete Vorstellungen in welchem Rahmen die kommunale Popförderung weitergeführt wird und ob das Amt wieder in personeller Form besetzt wird?
Dr. Kurz: Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Projekte Musikpark und Popakademie weitgehend vom Dezernat gesteuert wurden. Aber natürlich ist das ganze Umfeld durch Musikpark und Popakademie ein völlig anderes geworden und viele Aufgaben werden nun auch von dort erfüllt.
Wir sind deshalb dabei, die momentane Situation zu nutzen um darüber nachzudenken wie sich die Aufgabenstellung des Popförderers 2006 definiert. Die Situation hat sich in den letzten fünf Jahren grundlegend verändert. Das Existenzgründerzentrum Musikpark und die Popakademie sind etabliert und wir sind mit der bisherigen Entwicklung beider Einrichtungen mehr als zufrieden. Die Frage ist nun die nach dem Schwerpunkt der kommunalen Förderung. Da scheint mir der Bereich der Nachwuchsförderung nach wie vor entscheidend, also der Bereich vor der professionellen und halbprofessionellen Ebene: Schulen, Musikschulen, etc. Schaut man in Richtung der skandinavischen Länder, dann sieht man, dass die letztendlich ökonomischen und kreativen Erfolge der dortigen Musikszene etwas mit sehr früh einsetzender Basisarbeit zu tun haben. Das sollte man stärker fokussieren.
ra: Demnach wird die Stelle nicht unbedingt personell besetzt?
Dr.Kurz: Die Frage ist, wie man diese Bereiche auffächert und sich auch überlegt ob gewisse Gebiete eher sinnvoll von einzelnen Institutionen und Akteuren abgedeckt werden können. Die Aufgabe von kommunaler Seite wäre dann eher die Koordination eines Netzwerks. Wir sind dabei, das mit allen zu diskutieren, die mit dem Thema Popförderung zu tun und etwas dazu beizutragen haben. Es ist also momentan in der Tat unklar, ob die Popförderung Mannheim tatsächlich eine Stelle bleibt und wo diese sitzt. Es kann sein, dass die Popförderung wieder personell besetzt wird – mit einer etwas veränderten Aufgabenbeschreibung -, aber dennoch mehr oder weniger in der Art wie das bisher der Fall war. Es kann aber auch sein, dass es eine andere Konstellation gibt, die eher in Auftragsverhältnissen besteht. Wir möchten auch in der Lage sein, nach ca. fünf Jahren umzustrukturieren. Popförderung ist keine Aufgabe, die jemand bis zu Rente ausüben sollte. Wir werden also zunächst eine Gesprächrunde bilden, in der wir mit den jeweiligen Playern hier in Mannheim diskutieren werden, wie dieser Bereich ausgestaltet werden könnte.
ra: Welche Player wären das?
Dr. Kurz: Nun, die erste Runde ist durch den institutionellen, öffentlichen Bereich definiert. Der zweite Workshop ist noch nicht beschrieben und die Teilnehmer werden sich im Prinzip mit dem Ergebnis der ersten Gesprächsrunde auseinandersetzen. Hier sehe ich, neben Kulturamt, in dem der Popbeauftragte bisher ja auch angesiedelt ist, Popakademie, Musikpark, Musikschule und Stadtmarketing, verschiedene Akteure, die mit dem Thema „Pop“ zu tun haben: z. B. Anbieter von Auftrittsmöglichkeiten oder auch ansässige Medien, die hier vor Ort aktiv sind.
ra: Interessant, dass Sie die Situation in Skandinavien ansprachen: Z.B. in Schweden kann man sicherlich davon ausgehen, dass der kreative wie der ökonomische Erfolg dortiger Rockbands viel mit einer gewachsenen Tradition – eben Vorbildern - zu tun hat. Auf der anderen Seite aber auch damit, dass dort in der Grundschule ein Instrument erlernt werden muss, und Proberäume massiv staatlich subventioniert sind – also technische Vorraussetzungen von der öffentlichen Hand gegeben werden. Das ist natürlich eine Frage der Mittel. Diese Mittel mal außen vor gelassen – was sollte Ihrer Meinung nach städtische / staatliche Popförderung idealerweise leisten, wo ist der Punkt an dem sie sich verabschieden sollte?
Dr. Kurz: Sie sollte auf alle Fälle einen gewissen Beratungsbereich abdecken: Sie sollte als erste Anlaufadresse Fragen nach dem richtigen Partner für spezielle Situationen beantworten können. Die Option, Popularmusik an Schulen und Musikschulen deutlich auszubauen, hat natürlich eine besondere finanzielle Dimension. Aber man kann damit auch Kinder erreichen, die man sonst nicht für musikalische Bildung gewinnen könnte. Wir befinden uns hier im Ausbau. Wir haben sehr viel mehr Schüler als noch vor wenigen Jahren. Das Thema Proberäume wird teilweise auch kommerziell abgedeckt aber aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre ist die Frage durchaus, inwieweit man da von kommunaler Seite auf breiterer Ebene einspringen sollte.
Das sind die beiden Themen, die am stärksten Ressourcen benötigen. Andere Dinge, wie z. B. eine Veranstaltungsreihe auflegen und neue Locations unterstützen, haben diese finanzielle Dimension nicht. Solche Aktionen berühren natürlich auch den Aspekt einer Umsteuerung. Mit Musikschulen dagegen bewegen wir uns in einem völlig autonomen und auch stark wachsenden Bereich.
Gerald Merkel
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