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13. With Full Force Festival (Review + Bildergalerien)
Review/Bericht vom 05.07.2006 | Autor: Jonathan Cordero
Tags: With Full Force
Review/Bericht vom 05.07.2006 | Autor: Jonathan Cordero
Tags: With Full Force
Roitzschjora? Was schwierig auszusprechen ist, ist noch schwerer zu finden. Über die Autobahn Richtung Leipzig zu fahren ist noch kein Problem, doch dann, beim Durchqueren von Dörfern wie Löbnitz, Reibitz, Delitzsch und Schnaditz, machen sich fragende Gesichter bei Full Force-Neulingen breit – where the fuck sind wir hier gelandet?
Das Festival findet auf einem riesengroßen Acker statt, der eigentlich ein Flugplatz sein soll, aber doch trotz eines undefinierbaren Gebäudes, ein paar Lichter und einem towerähnlichen Verschlag sehr viel Fantasie einfordert um ihn als solchen zu erkennen.
Fast schon luxuriöse Platzverhältnisse im Camping Bereich, im Vergleich zu anderen deutschen Festivals mit Campen direkt am Auto – die Sanitären Einrichtungen sind jedoch genauso gut/schlecht wie überall sonst: Freien Fluss für Wildpinkler.Überschattet wird das Festival von einer Plage riesiger "Killer Bugs", Flugkäfer, die jeden Abend zu Tausenden über das Gelände herfallen und die Besucher mit ihrer Anwesenheit belästigen. Komischerweise verweilen die Insekten nur etwa 30-60min und verschwinden genauso schnell, wie sie aus heiterem Himmel auch erschienen sind.
Die 13. Runde des Force (seit 1994) bietet absolute musikalische Highlights von den Urgesteinen Kreator und Clawfinger über Motörhead bis hin zu Hardcorelegenden wie Madball und sick of it all und den Newcomermetallern Bullet for my valentine und heaven shall burn auf einer Mainstage und der Tentstage, die bis spät in die Nacht geöffnet hat.
Kaum ein Künstler, der sich der härteren Gangart verschrieben hat, findet einen Weg am Full Force vorbei. Das Festival hat sie alle gehabt: Manson, Slayer, Machine Head, Sepultura und Judas Priest, genauso wie die allermeisten Newcomer der letzten Jahre. Vom Line-Up her braucht sich das Full Force damit nicht einmal den Vergleich mit Wacken zu scheuen.
Kein Erdbeben sondern Stone Sour mit Slipknot Sänger Corey Taylor bringen den Boden selbst in 500 Metern Entfernung von der Mainstage zum Brummen. Obwohl die Fußballweltmeisterschaft im vollen Gange ist und Deutschland gegen Argentinien spielt, haben sich erstaunlich viele Menschen vor der Bühne versammelt, sei es, dass es ihnen vor der „Haupt- WM Videoleinwand“ zu voll wurde, oder dass sie wirkliches Interesse an der Band haben. Die Videoleinwand neben der Bühne, die sonst eigentlich den hinteren Reihen ermöglicht, das Geschehen zu verfolgen, zeigt natürlich auch das Fußballspiel, sodass es oft schwer fällt zu unterscheiden, ob Jubel und Applaus Stone Sour oder doch eher Könich Fußball gilt. Neben altbekannten Songs wie get inside und inhale rühren die Jungs aus Iowa kräftig die Werbetrommel für ihr neues Album Come What(ever) May, das am 28. Juli in Deutschland veröffentlicht wird.
Highlight des Abends sind ganz klar die Brasilianer Soulfly. Obwohl die brasilianischen Fußballer ja aus der WM ausgeschieden sind, zeigt die Band von Ex- Sepultura Mann Max Cavalera genügend Patriotismus und behängen ihre Marshall Amps mit der brasilianischen Flagge. Eine beeindruckende Show mit einem gigantischen lichttechnischen Aufwand und Hits wie primitive oder seek n strike sorgen dafür, dass sich die ersten Hundertschaften für die kommenden Tage im Moshpit warmpogen. An eye for an eye singen dann alle mit – so viel Begeisterung kennt man eigentlich nur von Tokio Hotel Konzerten.
Nachts lädt die Tentstage mit Größen wie Napalm Death und Dark Fortress zur Knüppelnacht mit Prügeln von allen Seiten. Da wundert es auch niemanden, dass am nächsten Morgen erstaunlich viele mit geschienten Armen und Beinen oder abgetapten Nasen über den Zeltplatz humpeln. Ab 5.30 Uhr ist dann aber auch in der Tentstage Schluss mit lustig und „Nachtruhe“. Ausnahmsweise sind es so nicht die ekstatisch feiernden Camping-Nachbarn, die einen 3 Tage lang vom Schlafen abhalten, sondern die tiefen Bässe, die im Erdinneren bis weit in den Zeltplatz hineingetragen werden. Dagegen hilft auch kein Oropax, sondern nur eine Holzhammernarkose oder sehr sehr viel Alkohol.Bei A.O.K. steht der Spaßfaktor ganz oben. So fliegt bei Stromausfall die Gitarre ins Publikum und der Song ist schneller fertig, als er überhaupt angefangen hat.
Musikalisch und mit gutem Geschmack geht es mit den Dänen Raunchy wieder aufwärts, die mit ihrem Death Pop melodiöser als die anderen Bands des Festivals klingen, gefolgt von Heaven shall burn, der wahrscheinlich bekanntesten deutschen
Exkurs: Wall of Death -für alle Nichtmetaler: Wo sonst dicht an dicht die Leute vor der Bühne stehen, spalten sich die Massen und bilden einen Freiraum im Pit. Auf das Startsignal laufen dann alle mit einer hohen Geschwindigkeit aufeinander zu. Zu beachten ist, dass die Wucht des Aufpralls in der ersten Reihe der beiden aufeinander zulaufenden Seiten am höchsten ist. Der Aufprall war hier in den hinteren Reihen noch zu spüren.
Auch sonst sind die Festivalbesucher keine Kinder von Traurigkeit, sondern slammen was das Zeug hält. Für Außenstehende wirkt das leicht wie eine riesige Massenschlägerei - aber Pustekuchen, die wollen nur spielen ...
Eine der größten Enttäuschungen des Wochenendes waren für mich In Extremo, klingen sie doch live um einiges schlagerlastiger als auf Platte – wahre Fans hält das nicht ab und auch die Bühneshow sowie Pyroeffekte machen einiges wett. Obligatorisch ist natürlich die Bühnenkulisse in Form eines Schiffes und die aufwändige Kostümierung der acht Mittelalter-Rocker.
Highlight des Samstag Abends sind natürlich In Flames: Explosionen und Flammentürme bei fast
Wem das an diesem Abend noch immer nicht reicht, kann Ostkreutz, Volbeat u.a. in der Tentstage bis drei Uhr nachts lauschen und sich beim Slammen richtig austoben.
Einige Festivalbesucher sehen bereits sehr mitgenommen aus: barfüßig im Müll, stinkend von Bier und Schweiss, mit verfilzten Haaren (einige sind natürlich so auch schon angereist), Blessuren aller Art und einem Blick, der auf einen Promillewert jenseits der drei schließen lässt.
Größtes Problem des Festival ist neben den Käfern, der sengenden Hitze am Tag und der Kälte in der Nacht der Staub, der sich millimeterdick auf Autos, Zelten und Besuchern niederlässt, sämtliche Poren und Hautfalten bevölkert und die Luft zum Atmen nimmt.
Holy Moses und Arch Enemy zeigen, dass auch rassige Blondinen abgrundtief growlen können und überzeugen selbst den überwiegend männlichen Teil des Publikums. Beides Grindcore vom Feinsten, mit Diven, die so manchen Frontförster ein bis zwei Eier aus dem Sack fallen lassen. Die Arch Enemy-Gitarristen Michael Amott und Fredrik Åkesson erweisen sich als wahre Meister ihres Faches liefern absolut dicke Gitarrenbretter.
"We are Motörhead and we play Rock`n`Roll.", mit diesen Worten beginnt Lemmy von Motörhead so gut wie jedes Konzert, so auch auf dem Full Force. Man merkt, dass die Hard Rocker schon lange Jahre auf der Bühne unterwegs sind (seit 1975 mit über 29! Alben) und eine professionelle Show, jedoch ohne nennenswerte Höhen und Tiefen ablegen.
Lest hier den ausführlichen Motörhead Bericht aus Wiesbaden
Man merke:
Es gibt zwei Arten von With Full Force Festivalbesuchern:
Hammergeile Bands und jede Menge schwarze Gestalten. Strahlender Sonnenschein und Dustbowl ohne einen einzigen Baum als Schattenspender. Das Gelände liegt mitten im Nirgendwo und die Organisation wirkt etwas chaotisch, aber dennoch unbedingt empfehlenswert für Musikfans der härteren Gangart.
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