christina stürmer, revolverheld, kool savas, fatman scoop, crayfish, boppin b etc. Summer Sound 2006 - Festivalbericht und Bildergalerien

„Das Summer Sound ist kein klassisches Festival, sondern ein Open Air über drei Tage mit drei unterschiedlichen Mottos und Musikrichtungen: von Rock über HipHop-Beats bis hin zum Elektro-Pop wird jedem Musikgeschmack etwas geboten.“
„Das Summer Sound 2006 wird präsentiert von Mengler & Karn. Das junge Event-Unternehmen möchte mit der ersten Konzertveranstaltung dieser Art in der Rhein-Main Region etwas Großes bieten. Nach dem „Summer Splash“ 2005, bei dem mehr als 3500 Besucher kamen und mit DJ Jellin und DJ Chillin’t eine riesige Open Air Party feierten, entschieden sich M&K dafür, dass 2006 etwas Neues und Größeres auf die Beine zu stellen: das Summer Sound!
Bei der Auswahl der Künstler für das Summer Sound 2006 waren M&K sehr auf Authenzität und Qualität bedacht. Vor allem junge unverbrauchte Bands und aktuelle Künstler wurden ausgesucht. Außerdem sollten auch regionale Gruppen und Newcomerbands eine Plattform für ihre Musik erhalten.
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Rock Pop Events wie das Summer Sound findet man hessenweit in dieser Qualität nur wenige. Zwar gibt es unzählige Musikveranstaltungen, die sich aber größtenteils auf alternative oder spezifische Musikrichtungen konzentrieren. Mengler&Karn setzen aber ganz bewusst auf aktuelle Künstler mit hervorragenden Live-Qualitäten. Eine frische Sommerbrise weht also vom 16. bis 18. Juni 2006 durch die Rhein-Main Region.“
So lauten auszugsweise die Worte des offiziellen Presseinfos zum Festival. regioactive.de hat deren Wahrheitsgehalt vor Ort nachgeprüft. Here we go!
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Tag 1: Sparkassen Summer Rock
Grossstadtgeflüster erweisen sich als optimaler Festival-Opener: ihr gut gelaunter Elektropop lässt die drohende Wolkenwand in Vergessenheit geraten, Sängerin Jen präsentiert sich als veritabler Springflo, der das bereits anwesende Publikum mitreißt.
Als Die Schöders die Bühne betreten setzt sich die Sonne endgültig durch. Wie gehts wie stehts, die eingedeutschte Coverversion von Motörhead’s Ace of Spades macht gleich mal klar, dass ein Schröders-Konzert kein Ponyhof ist. Hier wird hart gerockt, und damit das Publikum mithalten kann, kriegt es erst mal einen „Einführungskurs für Rockkonzerte“. So vorbereitet kann man sich dann Gedanken machen, ob/wann/wie man der Aufforderung Lass uns schmutzig Liebe machen nachkommt. Die Schröders gewinnen mit ihrer ironischen-direkten Art alle Herzen für sich, Extase bricht aus, als sie sich, wohlkalkuliert, für ihre wahrscheinlich bekannteste Single, Frau Schmidt, gitarristische Unterstützung in Person von Niels von Revolverheld auf die Bühne holen.

Mit ihrem Generation Rock-Gehabe können Revolverheld einen Vertreter der Generation Metal selbstverständlich nur mäßig beeindrucken, höhö. Dafür kommen Ton und Bild in der Studiofassung einfach zu poliert und aufgesetzt rüber. Aber – Achtung, Altersweisheit! – es soll keiner behaupten, er hätte seine Rock-Adoleszenz ohne vergleichbares Szeneposing überstanden. Womit wir zur Kür eines jeden Rockmusiker-Daseins kommen: wichtig is auffe Bühne! Und da sind Revolverheld über jeglichen Zweifel erhaben. Sie trauen sich, die Hit-Powerballade Die Welt steht still gleich an dritter Stelle des Auftritts zu verballern, zeichnen sich durch solides Handwerk an ihren Instrumenten aus, gepaart mit Spielfreude und -energie. Die Backing Vocals kommen kraftvoll und rau rüber und verleihen ihren Songs den Punch, der den Unterschied zwischen „rockig“ und „Rock“ ausmacht. Manchmal fühlt man sich ein wenig an die Guano Apes erinnert, was wiederum nicht verwundert, da sich beide Bands den Producer teil(t)en. Ihr reguläres Set beenden die Herzensbrecher standesgemäß mit Generation Rock, bevor zur Zugabe Barhocker und Trommelholzkiste auf die Bühne geschleppt werden und Obersympathikus Johannes die neue Single Mit dir chilln ankündigt. Warum sie bei der Unplugged-Performance nicht auch den Stecker aus dem Player mit dem Backing-Tape rausgezogen haben, ist mir ein Rätsel. Aber vergessen wir doch diesen Fauxpax einfach und applaudieren der Band für eine astreine Portion Live-Rock’n’Roll. 
Revolverheld beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Christina Stürmer braucht man spätestens seit ihrer Echo-Auszeichnung wohl niemandem mehr vorzustellen. Die zierliche junge Dame hat die um sie herum inszenierte Pop-Rock-Show voll im Griff. Selbstbewusstes Stageacting, eine über alle Zweifel erhabene Band, eine schicke Lightshow und eine willige Menge vor der Bühne – was braucht man mehr? Gute Songs! Hat sie auch, das beweisen ihre Verkaufszahlen. Ein würdiger Headliner des ersten Summer Sound-Tages also. Höhepunkt und gleichzeitig intimster Moment des Abends ist die wirklich tränenrührende Performance von Mama Ana Ahabak. Nach den Zugaben Nie genug, Bis ans Ende der Welt vom Rio Reiser Familienalbum, Band 2, und Engel fliegen einsam geht’s dann in die Heia.
Christina Stürmer & Band beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Tag 2: Entega Summer Beatz
Mädness, Kehlkopf-Kollege von Manges, Baggefudda, El Ray und Sprachtot, krümmt mit seinen Doubletime-Skills das Raum-Zeit-Kontinuum und spielt damit sozusagen – zumindest theoretisch – ne ganze Stunde. Unterstützt wird er bei diesem Unterfangen von seinem Bruder Florian als Backup MC und DJ Phonk aka der Spanier, mit dem zusammen er übrigens beim diesjährigen Rhein HipHop Contest deutschlandweit den zweiten Platz erreicht hat. Gar nicht schlecht für einen, der sagt „Ich mach kein’ Rap“. Die bereits erwähnten Vertreter der Generation Metal hätten wahrscheinlich die Ohren gespitzt als an einer Stelle das Riff von Black Sabbath’s Iron Man zu Sampleehren kommt. Den Abgang bereitet Mädness mit Timeout vom kommenden Album (nicht verwechseln mit der Online-EP!) vor. Furioser Auftakt für die „größte Black Beatz Party Hessens“.

„Nur nicht hetzen!“, haben sich daraufhin die Herren von Rec.On Entertainment aus Paderborn scheinbar gedacht: ein meditatives Intro erhöht den Chillfaktor auf dem Festivalgelände. Sanft-betörend dringt eine Stimme aus dem Off tief in die Sinne der HipHop-Heads ein... und dann bricht sie herein, die Rec.On Rush Hour! T-Low Benz, der zuvor verbal Schwimmbad-Feeling verbreitet hat, springt in Bademantel und –schlappen über die Bühne, an seiner Seite Phreaky Flave, Idref und Raro. DJ Benny Styles macht von hinten dicht. Nicht nur auf sondern auch vor der Bühne geht es mächtig rund, wer hätte gedacht, dass solch ein eher undergroundiger Gig so einen Aufruhr verursacht?! Wer meint, das wäre schon alles in Sachen Rec.On Roll hat sich allerdings getäuscht, Labelboss Abdel Rodrigez gibt nach langer Abstinenz eine Audienz. Separate hat er nicht mitgebracht, dafür aber Bananen für alle. Und sein großes Herz für Leute wie ihn selbst, denen der Eintritt in die Stadien der Fußball-WM verwehrt bleibt. Zu diesem Zweck hat er unter www.lasseskartenregnen.de eine Online-Petition an Kaiser Franz verfasst. Eine Steigerungsstufe zu seinem Erscheinen gibt es aber noch, nämlich den Auftritt von F.R., der am Tag zuvor sein zweites Album Mittelweg herausgebracht hat. Als würde Unterdruck herrschen zieht es die Menschen 
vor die Bühne. Unglaublich, welche Energie einem das mittlerweile 16-jährige Rap-Wunderkind mitsamt Backup MC Zwieback und DJ CutConcept entgegen schleudert. Da müssen sich die alten Hasen mächtig anstrengen, wenn sie nicht überrollt werden wollen. Am Ende gesellt sich noch Franky Kubrick für das Albumfeature Viel zu erwarten zu ihm, bevor Abdel das Ende des ersten Teils der Rush Hour und deren Fortsetzung auf dem Splash! verkündet.
Rec.On Rush Hour beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Uff, das war heftig, erst mal für Rehydration sorgen. Der Übergang zu Franky Kubricks R’n’B-lastigerem Set ist praktisch fließend und wird zumindest zu Anfang von vielen noch von den Getränkeständen aus verfolgt, andere stehen für Autogramme der Rec.On Artists an. Er nimmt’s karibisch-relaxt. Wahrscheinlich moneyfestiert sich da auch bereits die Vorfreude auf sein neues Album (VÖ 30. Juni).
Franky Kubrick beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Olli Banjo geht dagegen vergleichsweise energischer zu Werke, bei ihm ist die Crowd auch wieder größer und es wird ausgiebig gebounct. Das Schizogenie ist in Begleitung seines kongenialen Partners, dem verrückten Lockenkopf Manolito (nennt ihn Mengele), und DJ Flow. Banjo, der demnächst mit einem Metal-Album um die Ecke kommen will, gibt seinem Backup MC eine Menge Raum zur Entfaltung, die beiden sind ein bärenstarkes und vor allem gut aufgelegtes Team. Bestes Entertainment, wie im Presseinfo des Veranstalters angekündigt.
Olli Banjo beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Dann wird es Zeit für den King. Und in Null-Komma-Nichts herrscht auf dem Festivalgelände Volksfestatmosphäre, besser lässt es sich nicht beschreiben. Auf Platte geht mir Kool Savas’ Stimme nicht so recht ins Ohr, aber was er an diesem Abend live mit Ercandize und DJ Nicon darbietet, ist einfach souverän. Offene Münder allenthalben, backstage im Bühnenhintergrund versammelt sich ehrerbietend die zuvor aufgetretene Hip Hop-Gemeinde, hält aber respektvoll gebührenden Abstand. Der Optik-Chef strahlt ein phänomenales Selbstbewusstsein und eine Reife aus, die ihresgleichen sucht. Das zeigt sich auch anhand einer Szene, als sich in den vorderen Reihen um ein in die Menge geworfenes Shirt gebalgt wird. Savas spricht ein paar beschwichtigende Worte, die zeigen, dass da einer über die Jahre erwachsen geworden ist und über dem Kinderkram steht. Trotzdem kann er sich wie ein Kind freuen, als ihm ein Fan ein kleines Plüsch-Dromedar (!) auf die Bühne wirft.

Von Geschlechterdiskriminierung gibt es ebenfalls keine Spur, bei Lutsch meinen Schwanz skandieren Jungs und Mädels die Chorusline gleichermaßen. Das Thema sollte man nicht verharmlosen, aber Außenstehende sollte sich auch mal über die Bedeutung solcher Fakten Gedanken machen.
Zurück zum Konzert, dessen vorläufiges Ende Bester Tag meines Lebens einläutet. Der Höhepunkt kommt in der Zugabe, Das Urteil zieht noch mal extra Leute nach vorne (woher auch immer die noch kommen), die Savas förmlich anbeten wie einen Prediger. Danach strömt die Menge erneut erschöpft zu den Getränkeständen, auch wenn der Announcer fleht: „Geht nicht weg, in 2 Minuten geht’s weiter, nicht wegrennen.“
Kool Savas beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Nach diesen 2 Minuten stürmt Fatman Scoop die Bühne und durchmisst die Bühne im Galopp von rechts nach links wie gestört. Er könnte das Gelände wahrscheinlich auch ohne PA zusammenbrüllen. Für die normale Kommunikation fungiert DJ Jellin als Dolmetscher. Alles in allem verdient Scoops Auftritt wohl die Bezeichnung „Ganzheitliche Animation“, denn sie besteht hauptsächlich darin, diverse Hip Hop-Hits anzuspielen, wie beschrieben hin und her zu rennen, ins Mikro zu brüllen, ab und an ein paar Kungfu-Gesten einzustreuen und die Leute zum Abfeiern zu bringen. Da hätten einige doch etwas anderes erwartet, so sind die zwischenzeitlichen vereinzelten Buh-Rufe anscheinend zu interpretieren. Nun denn, alle anderen amüsieren sich prächtig bei seinen Geschichten über das WM-Video, dass er online gestellt hat, partizipieren an seinem Hip Hop-Ratespiel („Well, if you know Hip Hop you should definitely know this song...“), lachen sich halbtot als Scoop böse eingenebelt wird und um „no more fog“ bettelt und springen in den Moshpit als er Nirvana’s Smells like Teen Spirit spinnen lässt. Ob sein schweißdurchtränktes T-Shirt, dass er am Schluss in die Menge wirft, ebenfalls nach Teen Spirit riecht ist eher unwahrscheinlich, jedenfalls ist nach ca. einer halben Stunde Schluss mit der Show, Fatman Scoop bedankt sich artig und die DJs Jellin, Nicon und Sir Benny Styles übernehmen die Turntables für die Aftershowparty bis in die frühen Morgenstunden.
Fatman Scoop beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Tag 3: Pfungstädter – Get your Chance to rock
Sepp Herberger hätte wahrscheinlich gesagt: „vor der Show ist nach der Show“. Sex’n’Nachos läuten den letzten Summer Sound-Tag am frühen Nachmittag ein. Die noch recht neue Band hat einige Fans mitgebracht, sie haben’s ja auch nicht weit, kommen ja alle aus der Gegend. Ihre Musik, die sie marketing-pflichtgetreu „tanzbarer Modern Indie“ nennen, bewegt sich in ihrer funky Leichtigkeit irgendwo zwischen den Red Hot Chili Peppers seit Californication und den ruhigen Momenten der Spin Doctors (Gibt’s eigentlich irgendeine Band, die Rockmusik mit auch nur einem Funken Funk spielt, die nicht den RHCP-Vergleich über sich ergehen lassen muss?). Sängerin Afra wird im Bandinfo vorgestellt mit den Worten „Sie singt gerne“, wie zum Beweis 
strahlt sie über das ganze Gesicht und brilliert mit einer Stimme, die Erinnerungen an Kim Wilde und Jessica Folckner hervor ruft. Dass sie bei den Ansagen etwas verschüchtert klingt, kann nicht an der mangelnden Unterstützung der Fans liegen, die fahren von Riesenspruchbändern bis Wunderkerzen alles auf. Derweil muss man befürchten, dass Mastermind Jan einen Hitzkollaps erleidet. Schlussendlich kommt er aber doch unbeschadet über die Spielzeit, die gerne etwas länger sein gedurft hätte.
Sex'n'Nachos beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Vor dem Auftritt von Keller erhalten die Anwesenden einen kurzen Einblick in lokale Gebräuche. „Prominent in Umstadt ist, wer auf dem Winzerfest gespielt hat“, erklärt der Announcer. Genannte Qualifikation erfüllt Nina Scheerer, ihrer Zeichens neue Sängerin der Band mit Melissa Etheridge-Timbre. Das mit dem Winzerfest scheinen sich einige Leute sehr zu Herzen zu nehmen, statt rockkonzertkompatibel vor der Bühne rumzutoben lümmeln sich im Schatten von Sonnenschirmen des Hauptsponsors auf Bierbänken. Wohl am Freitag bei den Schröders nicht aufgepasst, häh? Mit Save Tonite von Eagle-Eye Cherry legt die Band los und in diesen Soundgefilden bleibt es dann überwiegend im Laufe ihres Gigs, bei dem hauptsächlich Covers zum Einsatz kommen. Bei den eigenen Stücken kommt ein Schuss Highway to Hell-Heavyness aus der Ecke von Gitarrist Joachim „Hell’s“ Englert dazu. Flo Ladewigs Gesang hat was von Purple Schulz, was dem Sound der Band eigentlich eine eigene Note gibt, auch bei den Covers. Leider fehlte über die gesamte Dauer des Auftritts etwas der Spannungsbogen und die Frage stellt sich, warum man Lieder nachspielt, die zum Teil nicht gerade zu den bestgehüteten Geheimnissen der Welt gehören, wenn man mit etwas mehr Mut zur Eigenkomposition fraglos vorhandenes Potenzial nutzen könnte.

Danach kommt die unwidersprochen beste Band des Tages (es lebe das Meinungsmonopol
), die von regioactive.de unter 200 Bewerbern ausgewählten Crayfish. Zugegeben, mit diesem Einleitungssatz mache ich es weder mir noch der Band unnötig einfach, aber der Spruch brannte mir in all meiner Schalkhaftigkeit auf der Zunge, hähä. Abgesehen davon kann sowohl ich als auch die Band locker mit dieser Bürde leben. Was aus einer Gruppe junger Musiker durch entsprechende kommunale Jugendarbeit werden kann, hat man in einer etwas anderen Variante bei Grup Tekkan gesehen, bei Crayfish liegen die Wurzeln eher im Punkrock als beim Magix Music Maker (nichtsdestotrotz haben beide Bands den Weg in die BRAVO gefunden) und ihre Homebase ist das JuZ KOM,ma in Langen, in dessen Dunstkreis sich diverse Newcomer-Bands zur Regioaktivität zusammengefunden haben und das IsLa-Festival aus dem Boden gestampft haben. Pillow Fight Club haben es aus diesem Kontext mittlerweile in die achte Generation des Popforum Bandpools geschafft, Crayfish kommen gerade von der Ochsentour „Bis Osnabrück und zurück“. Live klingt die Band weniger poppig, mehr punkig als auf dem Album, was ihrem Sound gut zu Gesicht steht. Die mittlerweile sehr beachtliche Liveerfahrung merkt man dem Zusammenspiel an, das Stageacting ist vehement. Sie spielen sich u.a. durch das gesamte Material ihres Zweitlings Darts & Hearts und begeistern zahlende Gäste wie Festivalpersonal gleichermaßen. Als Zugabe dient American Idiot, das Green Day wahrscheinlich selber auch nicht besser rüberbringen. So, genug gelobhudelt. Geht nach Hause, duschen.
Crayfish beim Summer Sound 2006. Zur Bildergalerie hier klicken.
Das restliche Tagesprogramm bestreiten die Groß-Umstädter Coverband Souled Out mit wohlbekannten Party-Soul-Rock-Klassikern und die alten Hasen von Boppin' B, die als The Backbeats einem gewissen Dick Brave zu Weltruhm in Deutschland verholfen haben, was, wie auch ihre Coverversionen der Sasha-Hits If you believe und We can leave the World unter eigenem Namen, ihr Geschäft noch mal deutlich belebt haben dürfte. Wobei das im Summer Sound-Umland nicht unbedingt vonnöten ist, da sind sie eigentlich immer eine sichere Nummer.
Fazit: drei Tage Summer Sound, drei Tage bestes Wetter, drei Tage professionelle Betreuung und ausgesprochen freundliche und zuvorkommende Security. Trotz hohen Anspruchs irgendwie familiäre Atmosphäre und vor allem ein qualitativ hochwertiges Billing, wenn auch die Zusammenstellung am dritten Tag teils etwas eigenwillig anmutete (was aber von der besten Pausenmusik ever wieder wettgemacht wurde). Wie auch immer, die Veranstalter werden sich schon etwas dabei gedacht haben. Wenn die Mund- und sonstige Propaganda ihr Werk tut und beim nächsten Mal „das größte Sportereignis der Welt“ als Konkurrenzveranstaltung wegfällt, sollte die Zuschauerzahl noch zufriedenstellender ausfallen. Vielleicht lässt sich in punkto An- und Abreise per ÖPNV und/oder Campingmöglichkeit noch der ein oder andere Trumpf aus dem Ärmel ziehen. Die hochgesteckten Ziele für das Festival sollten jedenfalls mittelfristig realisierbar sein.

