die szene lebt auch ohne mich

mnemonic: "Zeitlos"

CD-Review vom 23.06.2006 | Autor: Andreas Margara

Tags: mnemonic  

Schon früh nach der Veröffentlichung seiner „Einsicht EP“ galt der mittlerweile 24-jährige Mannheimer Emcee mnemonic als einer der viel versprechendsten Geheimtipps der deutschen Rapszene. „Zeitlos“ heißt nun mnemonic’s Debütalbum, das nicht lange nach der kürzlich bei Kopfhörer Recordings releasten „Rücken an Rücken“ Kollabo zusammen mit Fiva MC erscheint.

Über fast 50 Minuten zeigt sich mnemonic auf 13 zeitlosen Tracks wieder mit inhaltsbetonten Zeilen, die er mit seiner sanftrauchigen Stimme und viel Herzblut vorträgt. Als gerappte Gastfeatures fungieren der ebenfalls durch markant-gedämpfte Intonation bekannte Lunafrow aus Frankfurt, Dek the Raw (05. Schieflage) und der im Pott ansässige Donato (06. Kommen & Gehen). Beattechnisch wird das Ganze von den Produzenten Brisk Fingaz, Shuko, CSP und DJ Crates begleitet. Mnemonics Texte sind gekennzeichnet vom Leben und tragen nicht zuletzt durch die häufig eingesetzten Vocalsamples und die leicht trägen aber sphärischen Beats eine sentimentale Note (03. Keine Zeit). So wird zum Beispiel auch der Pink Floyd Klassiker Hey You gen negativ zehn gepitcht, um als Bridge herzuhalten (10. Kannst Du Mich Fühlen?).   

[…] ich bin kein Schauspieler, nein/ ich leg mein Herz in Deine Hand und geb mein Wesen hier preis/ ich spiel mit offenen Karten, hab nichts zu verbergen, ich hab nur mich zu offenbaren/ […]    

Mnemonic hat einiges loszuwerden, denn Rap ist hier Therapie, die ihn von Sorgen und schlechten Vibes befreit. Neben phasenweise zu häufig auftretenden Standard Rapphrasen gelingt es ihm seine Verse auf besonders ehrliche und anspruchsvolle Weise geschickt zu transportieren. Ob gespittet oder im schnellen Fluss gereimt verdeutlicht er Image-Toys, dass sie sich gefälligst hinten anstellen müssen. Vermutlich treffen die Beats auf Zeitlos nicht jeden, doch sollte sich jeder selbst ein Bild von diesem Rapper machen, der sich hier erneut mit einem enormen lyrischen Potenzial präsentiert.

Tracklisting:

01. 2ter Versuch
02. Zukunft
03. Keine Zeit
04. Grenzenlos
05. Schieflage feat. Dek the Raw & Lunafrow
06. Kommen & Gehen feat. Donato
07. Jahr für Jahr
08. Sieh mich an!
09. Wie ich bin
10. Kannst Du mich fühlen?
11. Gegenwind
12. Ohne mich
13. Ende vom Anfang

 

Andreas Margara

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