den arsch wund gerockt Von Akustikdreck keine Spur - Thorn.Eleven, Soapbox und Freezeebee: Livebericht & Interviews

regioactive.de berichtet gerne über Events aus dem Hause Noisepollution. Warum? Weil NP in perfekter Weise die Idee unseres schnuckeligen Portals, „activate your region!“, „aktiviere deine Region!“, in Anlehnung an populäre Slogans „Du bist Popmetropole!“ oder, wer’s lieber punkig-kurz mag, „DIY“, verkörpert: in rastloser Eigeninitiative wird einmal pro Jahr im Odenwald ein zweitägiges Festival organisiert, bei dem die besten Underground-Bands der Republik ihre Visitenkarte abgeben und beweisen, dass kleine Namen den Genregiganten in Sachen Können, Professionalismus und Performance in nichts nachstehen. Neben diesem musikalischen Pilgerfest verewigt der zugehörige Sampler eine noch viel größere Auswahl der besten Underground-Bands der Republik auf einem vorzüglichen Tonträger, der als perfektes Szenedossier für jeden A&R herhalten könnte. Booking- und Labelarbeit runden das Spektrum ab. Angenehmer Nebeneffekt der NP-Veranstaltungen: das hauseigene Flaggschiff Soapbox ist stets in den musikalischen Rahmen eingebunden, der an diesem Abend im Gemäuer der alten kurpfälzischen Residenz seine Heimat fand.
Zurück zur Werbung: Die Frankfurter Freezeebee gehören sicher zu den glänzendsten Kleinoden aus dem Noisepollution-Dunstkreis. Für alle, die immer noch eine Beschreibung brauchen: vier stets blendend aufgelegte und ebenso aussehende Typen, adrett gekleidet, die Saiteninstrumente in den gerade noch wahrnehmbaren Bereich tiefergelegt, zelebrieren den Geschlechtsakt zwischen massiver Rhythmik und erotisierenden Melodien mit vollem Körpereinsatz. Zitat aus dem Publikum: „Das ist schon mal’n bissl ne gute Band!“. Um Wiederholungen zu vermeiden an dieser Stelle ein Verweis auf Berichte vergangenen konzertanter Großtaten der Tiefkühlbienen:
Beim letztjähigen Schlossgrabenfest
Beim diesjährigen Noisepollution-Festival
Die eigentliche Sensation: Der Diskurs mit den sexy Rock'n'Rollern aus der Äbbelwoi-Metropole höchstpersönlich.
Dann ist es Zeit für Soapbox. Sänger Jens Siefert lässt es sich nicht nehmen, treffend zu analysieren, dass FZB den Anwesenden ja wohl „den Arsch wund gerockt“ haben. Und dann öffnen sie sie wieder, die Kathedrale aus unaufhaltsam-hypnotischen Riffs, Noise und romantisch-melancholischen Melodien. Eine Sache fällt nach wenigen Takten auf: der Sound aus den Händen von Mischpulter Dennis Metz ist heute nicht ganz so wuchtig sondern wesentlich transparenter, die Vocals stehen mehr im Vordergrund als sonst. Wohl nicht ganz unabsichtlich, vielleicht ein Fingerzeig in die Zukunft? Gerüchte...
Wir haben bei Timo Kumpf nachgefragt: Interview hier.
Neugierig, wie sich Soapbox-Konzerte im Einzelnen gestalten? Einfach hier zur Artistpage gehen und dort die Links zu den Millionen von Liveberichten durchklicken.
Selten genug, dass Soapbox jemand anderem den Vortritt als Hauptact lassen, bei Thorn.Eleven ist es ihnen eine Ehre. Metal, Grunge, umweht von düsterem Wave-Spirit und einer heftigen Portion Angepisstheit, am treffendsten festgehalten durch ein Foto auf dem Sänger David Becker (der, nebenbei, in Sachen Eigeninitiative auch nicht zu den Faulen gehört) wie ein zorniger Dämon, den Körper wie eine Sehne gespannt, in das mit beiden Händen gepackte Mikro hineinschreit, umgeben von seinen schwarzgewandeten Schergen. Das ist an der Gitarre Matthias Heinz, der Bändiger (oder auch nicht) des Rifftornados, dessen Präsenz einfach beeindruckend ist. Eine Spur weniger imposant in Statur, deswegen aber nicht weniger auffällig ist Kai Mücke, meist die Matte über den Bass schüttelnd; in meinen Augen Thorn.Eleven’s Mehmet Scholl. Oder anders ausgedrückt: Er ist für die Band das, was Duff McKagan für Guns’n’Roses war. Björn Lücker sieht so unschuldig aus, auf seinem Drumhocker sitzend verwandelt er sich in einen grimmigen Berserker, der dem Rest der Band ein Fundament in den Rücken wuchtet, auf dem sich Titanentänze aufführen lassen. (Hossa, großes Assoziationstennis!) Ein Konzerterlebnis, wie damals, als das Publikum sozusagen im Gitarrenamp stand lässt sich wohl in Sachen Intensität schwer wiederholen, dass Thorn.Eleven es an diesem Abend ruhig angehen ließen kann man aber auf gar keinem Fall behaupten. Es gibt sogar Neues, wie den Song So Low, zu hören.
Stand der Dinge bei Thorn.Eleven in den Worten von David Becker hier.
Der Gig-Report ist bewusst etwas knapp gehalten. Der Grund: Strafe für all diejenigen, die nicht da waren und so auf die „Mitschrift“ verzichten müssen. Eines der dicksten Packages in diesem Genre für ein paar lumpige Euro hätte einfach mehr Zuschauer verdient gehabt. Platz wäre genug da gewesen. Die Location liegt auch nicht gerade fernab in der nur mit Mauleseln zu erreichenden Diaspora. Aber wie ich die Beteiligten kenne wird beim nächsten Mal noch eine weitere Schippe draufgelegt, Beine ausgerissen und mindestens so fein gerockt wie an diesem Abend.
