Zwar noch kein neues Album, aber ausgedehnt auf Konzertreise: Die durchgedrehten Briten The Cooper Temple Clause aus Reading. Vorab die nicht ganz so durchgedrehten, bei regioactive.de gelisteten, Feromon aus Mannheim.

Cooper temple clause rocken mit Feromon das Haus
Die durchgedrehten Briten The Cooper Temple Clause aus Reading. Vorab die nicht ganz so durchgedrehten, bei regioactive.de gelisteten, Feromon aus Mannheim – ein Indiepaket für alle Geschmacksknospen. Dass The Cooper Temple Clause den Weg ins Haus in Ludwigshafen gefunden haben, ist ein Glücksfall, denn selten genug kommt die Rhein-Neckar-Region bei den paar Deutschland-Terminen in solchen Genuss. Davor Feromon, was durch die Kooperation von regioactive.de und der Band Connection in die Wege geleitet wurde.

Cooper temple clause rocken mit Feromon das Haus
Feromon sind an diesem Abend für die ausgeglichenere, akustische Spielart des Indie-Rocks zuständig. Understatement regiert die Songs, die auf Sänger Arno Plankerts Westerngitarre basieren. Die vier Mannheimer fallen nicht mit der Tür ins Haus, dafür sorgen die ebenso filigrane wie druckvolle Rhythmussektion ebenso wie Steffen Rosskopfs reduziertes Gitarrenspiel – da geht’s wirklich nur ins Gröbere, wenn der Song gar keine andere Wahl mehr lässt und selbst dann in verzierter Form. Der Gesang erinnert immer wieder an New Model Army, was die restlichen Feromone aber instrumental in andere Fahrwasser lenken. Derer sind hier genug, allein die eigene Vergangenheit führt zu Seahog Linus oder Space LaRouge (die Post-Noise-Core Legende der 90er, UB Plasma, wird nur optisch auf Arnos T-Shirt in Erinnerung gerufen), die Gegenwart Martin Maurers an den Klöppeln z. B. direkt zu den Flames. Der Gig wirkt geradezu beruhigend zeitlos und unprätentiös – es geht um Musik. Die liebevoll arrangierten Stücke bieten jederzeit Raum für Entdeckungen, ruhige Grundtöne werden von dezenten Eruptionen aufgerüttelt – Campfire-Feeling gelungen gewürzt mit Indie-Gefrickel. Fermon überzeugen als Vorgruppe in diesem Rahmen auf ganzer Linie.
Cooper temple clause rocken mit Feromon das Haus

Als ausgeglichen kann man dagegen die fünf Herrn von der Insel wirklich nicht bezeichnen. Ihre Musik ebenso wenig. Erfreulich schwer fassbar, was The Cooper Temple Clause da auf Ludwigshafen loslassen. Meist auf sehr melodischer Basis, speziell der Gesang setzt Akzente, rumpeln Elektro und Gitarren aufeinander und verschmelzen mal mehr, mal weniger harmonisch. Harmonisch verläuft die Aufgabenverteilung: Die drei Saitenquäler singen nicht nur mal getrennt und mal gemeinsam, sie wechseln sich auch mit den Instrumenten ab: Erkannt, dass der Bass doch das erstrebenswerteste aller Instrument ist, wird er in den ersten drei Songs komplett durchgereicht, im weiteren Verlauf darf auch der Keyboarder mal an den Tieftöner. Trotz permanentem Hitverdacht: Ecken und Kanten sind nicht nur ein paar vorhanden, sondern das eigentliche Programm. Abgerundet wird der Eindruck durch eine Bühnen-Präsenz, die irgendwo zwischen Absturz und Souveränität liegt. Dass die Band mit dieser verqueren Mischung zwar beim Major BMG unter

Cooper temple clause rocken mit Feromon das Haus
Vertrag steht, dort aber Narrenfreiheit genießt, passt ins Bild. Im Lauf der Show überwiegen die brachialen und dunklen Seiten, so ergeben Gitarren, die von Geigenbögen bearbeitet werden, bei TCTC keine psychedelische Atmosphäre, sondern einen wellenschlagenden Erdboden. Nach knapp einer Stunden und 15 Minuten ist der laute Spuk vorbei, trotz fast fünfminütigen Ovationen ohne weitere Zugabe – british coolness.

Gerald Merkel

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