Kreativ, positiv und laut Irie Révoltés Tourabschluss

Von Sabina Englert. Veröffentlicht am Freitag, 5. Mai 2006
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Irie Révoltés

Nach langer Tour durch Deutschland und die Schweiz suchten sich die Irie Révoltés für eine gebührende Tourabschlussparty ihre treuesten Fans aus und kamen nach Heidelberg getreu dem Motto: Jump! Bis die Erde vibriert und bis uns jeder hört. Zusammen feiern wir und zusammen tanzen wir.


Jump! Bis die Erde vibriert und bis uns jeder hört. Zusammen feiern wir und zusammen tanzen wir.
Dass die Irie Révoltés scheinbar nirgendwo mehr Fans haben als in ihrer Heimatstadt kann man schon sehen, wenn man sich noch gar nicht in unmittelbarer Umgebung des Karlstors befindet. Dass dieser Eindruck noch untertrieben ist, wird spätestens in Nähe des Eingangs klar. Menschentrauben aber kein Eingang. Nach stundenlangem Schlangestehen trotz vorhandener Eintrittskarten fragt man sich dann endgültig was hier schief gelaufen sein könnte. Dennoch: Die Hoffnung verliert niemand und die Stimmung ist trotz Wartens sehr ausgelassen, alle freuen sich und man harrt geduldig aus.

Drinnen angekommen erwartet das Publikum dann Reggae aus der Konserve und alle tanzen sich schon mal ein bisschen warm. Als schließlich das Karlstor voll, ausverkauft, viel zu heiß und aus allen Nähten zu platzen scheint betreten mit beinahe 2 Stunden Verspätung die in bestimmten Kreisen schon zu local heroes avancierten Irie Révoltés [Irie (jamaikanisch: glücklich/fröhlich) Révoltés (französisch: Aufsässige)] die Bühne.

Trotz Tour zwecks des neuen Albums Voyage hört man etliche alte Stücke und bekommt genau das, was man sich gewöhnlich von der politisch engagierten Kombo erwartet. Reggae-Dancehall-Hip Hop mit einprägsamen Melodien und Texten, die das Publikum wachrütteln sollen. Die Iries singen gegen die egoistische Konsumgesellschaft, für Gleichberechtigung, gegen Rassismus, für mehr Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit, für eine bessere Welt gegen die Abschottung Europas vor Einwanderung,  für ein besseres Leben für jeden eben.

Die neue Platte ist nicht unbedingt etwas komplett anderes, es bleibt bei einer Mischung aus französischem Hip Hop, Ragga, Reggae, Ska, Soul und gelegentlichem Soca untermauert mit Dancehall-Riddim und leichtem Raggaton-Einfluss, mal melancholisch, mal mit hohem Funkpotential, mal mit sehr basslastigen beats, aber immer zum abgehen. Stile werden ineinander gewoben und was dabei raus kommt ist so kraftvoll, dass man nur noch springen kann…

So sieht man dann schon kurz nach Beginn des Konzertes, ob der euphorischen Stimmung der Nachbarn, ob der erdrückenden Hitze, gehirnvernebelnder Substanzen oder Ellbogen und Füßen von rechts links oben unten, und der kontinuierlichen Auf- und Abbewegungen bald nur noch unzusammenhängende Fetzen der Iries in Guerilla Masken, dann wieder ohne, denkt noch kurz darüber nach ob das noch das erste oder schon das fünfte Lied ist um den Gedanken gleich wieder aufzugeben, weiterzuspringen und die Begeisterung mit netten Konzertnachbarn zu teilen.

Kurz vor der Pause darf man kurz ausatmen mit einem Stück das Monsieur Charlemoine einer gewissen Steffi widmet und das zusammen mit ‚Ma voix’ ein Highlight des Konzerts war, vielleicht auch weil man sich dann doch endlich ein Bild der Band und der Texte machen konnte. Nicht zu überbieten waren natürlich auch ‚Resistencia’ mit zur Abwechslung einmal spanischen Lyrics und ‚Soleil’, beides Songs des neuen Albums sowie ‚dis moi ou’.

Wie lange die Iries nun eigentlich gespielt haben entzieht sich meiner Kenntnis, da Musik ja bekannterweise ab und an jegliches Zeitempfinden ausschaltet, aber wie lange es auch ging, die Iries haben es mal wieder geschafft die Stimmung bis zum Ende und wahrscheinlich noch länger irgendwo zwischen brodeln und überkochen zu halten und ihre Freude an Musik der Masse zu vermitteln.

Gibt es einen besseren Tourabschluss?

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