Das bundesweit einmalige Amt eines städtischen Pop-Beauftragen in Mannheim ist vakant: Der bisherige Inhaber Markus Sprengler wendet sich der Aufbauarbeit eines Labels zu. Wie es mit der kommunalen „Säule“ des Mannheimer Modells weitergeht, ist derzeit noch unklar.

Markus sprengler
Seit 2001 leistet sich die Stadt Mannheim den ersten Rock- und Popbeauftragten in Baden-Württemberg. Zugehörig zum Kulturamt war Markus Sprengler (u.a. ehemaliger Sänger der Busters, Dozent an verschiedenen Hochschulen und Fachschulen u.a. für Vocal- und Bandcoaching und Musikpädagogik) für die kommunale Popförderung zuständig - in erster Linie eine Schnittstellenfunktion. Auf die Frage nach einem Resumee seiner Amtszeit stellt Sprengler primär die Aussage in den Mittelpunkt, dass er maßgeblich an der Standortentscheidung der Popakademie und dem Aufbau des Musikpark Mannheim beteiligt war – beides wichtige Säulen der Rock und Pop Metropole Mannheim, welche mit dem Amt des Popbeauftragten schließlich das sog. Mannheimer Modell bilden. Laut Sprengler bestand seine Arbeit phasenweise hauptsächlich im Beisitzen in diversen Gremien von baulichen bis hin zu wirtschaftsfördernden Themen rund um diese beiden Institutionen.

Musikpark MannheimMusikpark Mannheim
Die für die „Basis“ der Musiktreibenden sichtbarere Interpretation seiner Aufgaben sind am ehesten in der Entwicklung des Mannheim Music Awards und der Institution des Bandmobils zu sehen. Speziell die schon vor Mannheims Popstadtwerdung ansässigen Musiker diskutierten die Person und Amtsführung Sprenglers als auch die Ansiedelung der Popakademie insgesamt durchaus kontrovers (Thema Mannheimer Modell insgesamt, Thema Mannheim Music Award speziell). Letztendlich legt dieser sein Amt zu seinem Zeitpunkt nieder, den man in gewisser Hinsicht als Ende der ersten Etappe sehen kann: Nachdem sowohl Musikpark als auch Popakademie innerhalb kürzester Zeit realisiert wurden, laufen diese beiden Institutionen nun in den ihnen vorgelegten Bahnen, beispielsweise werden die ersten Studenten der Akademie diese in diesem Jahr Richtung rauer Wirklichkeit verlassen, im Musikpark steht das Thema erster Mieter-Wechsel der (Existenzgründer-) Firmen an.

Der 40jährige Markus Sprengler, der mit der Band Supermercato auch weiterhin selbst Musik produziert, ist mittlerweile seit 1998 mit der Stadt Mannheim verknüpft. Die Anfänge liegen in freier Mitarbeiterschaft in der Alten Feuerwache, die er in einem Interim auch leitete. Seit letztem Jahr arbeitete er als freiberuflicher Berater für die Agentur popwert. Dieses neu gegründete Label für „Pop mit Aussage“ mit den beiden führenden Köpfen Markus Sprengler und Thomas M. Stein (jaja, der von DSDS damals, außerdem ehemaliger Executive Vice President Worldwide Marketing and A&R und später President von BMG Europe) hat als Gründungspartner das Kinderhilfswerk World Vision Deutschland an Bord und wird seinen Hauptsitz in Hamburg haben. Vertriebspartner ist Sony / BMG. Da „Hamburg-Mannheimer“ ja eine bereits ganz gut eingeführte Marke ist, bleibt die Verbindung der beiden Hafenstädte auch bei popwert erhalten: Nicht nur in der Person Sprenglers, sondern auch mit dem ersten gesignten Act Sunburst, der im letzten Jahr den Message Music Contest gewann und in diesem Jahr beim MMA teilnimmt.

Mannheim Music Award 2005© www.schindelbeck.org
Auf der Homepage von popwert ist zwar dezidiert von „wertehaltigen, christlichen Inhalten“ die Rede, Markus Sprengler möchte die Agentur aber nicht als rein christlich verstanden wissen. Vielmehr sei „Pop mit Aussage“ dahingehend aufzufassen, dass rein kommerzielle Gesichtspunkte nicht ausschlaggebend für das Repertoire von popwert sein würden. Sprengler beschreibt das Zustandekommen seiner Zusammenarbeit mit popwert als mehr oder weniger eigendynamisch. Er habe nicht auf einen derartigen Wechsel hingearbeitet, aber die Arbeit und die Strukturen von popwert hätten sich derart positiv entwickelt, dass er diese Möglichkeit nicht habe verstreichen lassen können. Inwieweit das Amt des Popbeauftragten neu besetzt wird, ist momentan unklar, sicher ist, dass alle bestehenden Projekte beendet würden. Letztendlich sieht Sprengler nun auch die Chance für frischen Wind in den Segeln der Popförderung, wie auch immer die Popförderung von kommunaler Ebene zukünftig interpretiert wird.

Gerald Merkel

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