made in sweden

Die Shout Out Louds live und in Farbe

Review/Bericht vom 09.04.2006 | Autor: Friederike Umminger

Tags: Shout Out Louds  

Das Schweden noch mehr zu bieten hat als Pippi Langstrumpf und IKEA wissen wir spätestens nach Mando Diao und The Hives. Die Popindustrie im Land des Knäckebrots boomt wie nie und sorgt auch immer fleißig für Nachschub. Die Neuentdeckung des Jahres 2005 waren definitiv die „Shout Out Louds“ und nach einer restlos ausverkauften Tour stürmten die fünf Schweden auch in diesem Jahr die deutschen Bühnen. Auf jeden Fall ein Grund, mal wieder ein Konzert zu besuchen.

SHOUT OUT LOUDS
Der Heidelberger Karlstorbahnhof war an diesem Abend zwar nicht ausverkauft, aber recht gut gefüllt. Das klassische Indie-Pubikum, unterbrochen von Mitgliedern der Doppelgänger-Gewerkschaft (oder wie kann man sich erklären, das in meinem näheren Umfeld Rudi Carell, Helge Schneider und Luise Kuschinski  die Handy-Kamera auspackten*g*) folgte dem Ruf der Shout Out Louds und wartete ungeduldig auf den Tribünen (Jaaa, Tribünen!).

Doch auch der Support-Act hatte es in sich. So liegen The Essex Green aus Brooklyn musikalisch irgendwo zwischen The Byrds, The Monkees und The Shins – klassische Vertreter des Chamber Pop also. Die fünf Amerikaner, die wirkten, als wären sie gerade dem College entsprungen, hatten das Publikum doch überraschend schnell im Griff. Den Gesangspart teilten sich die hübsche Sasha Bell am Keyboard und Chris Ziter an der Gitarre, der mich optisch doch ein wenig an James Blunt mit Bart erinnerte. Doch musikalisch ging es in eine ganz andere Richtung … keine Angst. Vielleicht war es die Mann-Frau-Konstellation, die immer wieder die Carpenter-Geschwister in mein Hirn brannte. Jedenfalls schienen sie besonders viel Spaß im Karlstorbahnhof zu haben. So einen „euphorisch“ grinsenden Drummer wie bei diesem Quintett habe ich wirklich schon lange nicht mehr gesehen. Nach einer Stunde mit viel lebensbejahender Musik mit kleinen Country-Einlagen war es aber doch Zeit, von den USA nach Schweden weiterzuziehen … Zeit für die Shout Out Louds.

Den Anfang bildete natürlich die Single-Auskopplung „The Comeback“ und fix war das Publikum gefesselt von den vier Männern plus Frau. Mich erinnerte der Gesang von Shout Out Louds-Frontmann Adam ziemlich an Robert Smith, wobei die Musik mit „The Cure“ eigentlich recht wenig zu tun hat. Vielmehr fühlte man sich beispielsweise bei einem Song wie "Very Loud", bei dem die schwedenblonde Keyboarderin Bebban (Was für ein Name!) auch mal zum Akkordeon griff, an das herrliche Geschrammel von Wedding Present erinnert.

Shout out LoudsShout out Louds
Die 80er scheinen wirklich einen ziemlichen Eindruck bei Adam, Carl, Ted, Bebban, und Eric hinterlassen zu haben. Dies wurde besonders klar, als eine interessante Coverversion vom Pogues-Klassiker „Streams Of Whiskey“ im Set auftauchte. Eine tanzende Menge war das Ergebnis. Viel Interaktivität mit dem Publikum gab es aber nicht. Naja, immerhin wissen wir jetzt, dass Heidelberg eine schöne Stadt ist. Und sind wir doch mal ehrlich: was hört man lieber auf einem Konzert? Musik oder sinnloses Gebrabbel? Eben. Dass der Schweden-Import bis jetzt nur ein Album auf dem Markt hat, zeigte sich leider auch durch diese fehlende Unterhaltung mit dem Publikum ziemlich früh. Denn nach einer Stunde war schon alles vorbei. Doch angesichts des anhaltenden Beifalls ließen sich die Shout Out Louds nicht lange bitten und legten in der Zugabe noch drei Songs nach. Besonders die aktuelle Single „PleasePleasePlease“ wusste hier zu gefallen. Und als Adam mal kurz Richtung Drumms stiefelte und die Becken bearbeitete, fand das Konzert einen würdigen Abschluss. Rudi Carell hat es jedenfalls auch sehr gefallen.

Wer jetzt neugierig geworden ist: die Shout Out Louds sind in diesem Sommer auch auf diversen Festivals unterwegs. Und es lohnt sich.

Friederike Umminger

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