ohne moralpeitsche

Interview mit Curse

Interview vom 28.03.2006 | Autor: Patrick Jung

Tags: Curse  

Curse Schwert frontal
„Der Typ mit den deepen Lyrics“ hat mit seinem letzten Album „Sinnflut“-mäßig aufgeräumt im Rap-Biz, um danach live auf der Bühne noch einen drauf zu setzen. Zur Veröffentlichung der Nachfolge-Single zu „Gangsta Rap“ hatten wir mal’n paar Fragen, wie das alles so kommt, was das alles zu bedeuten hat und wo es hinführt.

Die Sinnflut-Frühjahrs-Tour ist jetzt gerade zu Ende gegangen. Wie lautet dein Fazit?

Ich fand’s supergeil. Es hat viel Spaß gemacht, die Leute haben gerockt. Wir haben einen sehr guten Tourdurchschnitt gehabt und keiner ist sonderlich krank geworden. Das Konzept mit meiner neuen Band ist sehr gut aufgegangen und ich bin rundum zufrieden.

Du sprichst von deiner „neuen Band“. Das waren also nicht mehr die Pimp Lizards diesmal?

Nein. Früher war das Gitarre, Keyboards, Bass, Schlagzeug und DJ. Das ist jetzt ein neues Konzept. Wir haben gesagt, wir wollen nicht mehr alle Songs mit Live-Instrumenten nachspielen. Das ist zu verklimpert in gewisser Weise. Wir wollen diesen Bang haben. Wir wollen, dass es so klingt wie auf Platte auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite auch noch einen zusätzlichen Live-Charakter hat. Das haben wir jetzt dadurch kreiert, dass wir die Samples von Platte kommen lassen von meinem DJ und alles, was mit Rhythmus zu tun hat,  machen wir live. Ich habe meinen Drummer dabei, einen Bassisten, der Power untenherum macht, und einen Percussionisten, der die ganzen Claps und Elemente und Congas und so’n Zeuch spielt. Das funktioniert sehr gut, weil die Tracks auf der einen Seite klingen wie auf Platte, auf der anderen Seite eine Live-Energy haben, die sehr drückt.

Ich habe dich in Darmstadt gesehen und fand auch die Interaktion von dir mit der Band sehr gut. Man hat das Gefühl gehabt, dass du dich sehr wohl gefühlt hast.

Curse silhouette

Ja, das ist auch auf jeden Fall so, im menschlichen und musikalischen Verhältnis.

Was waren die Highlights auf der Tour für dich?

Es gab viele verschiedene Highlights. Es gab natürlich manche Städte, in denen mehr los war als in anderen. Köln und Hamburg halten den Publikumsrekord. Dafür gab es aber auch andere Städte, z.B. in Magdeburg, wo wahnsinnig wenig los war, aber wo wir zusammen mit OC von Diggin in the Crates aufgetreten sind, der einen meiner All-Time-Favourites auf der Bühne performt hat und mir den gewidmet hat. Das ist natürlich ein anderes Highlight. Oder irgendwo gab es mal ein Highlight, was sich im Backstage abgespielt hat oder z.B. als wir von München nach Stuttgart gefahren sind, da war dieses Riesenschneechaos, und wir waren in einem 80 Kilometer langen Stau, und waren alle schon sturzbesoffen, sind dann in Unterhosen über die Autobahn gelaufen und haben eine Schneeballschlacht veranstaltet. (schmunzelt) Das ist natürlich auch ein Highlight. Also, es gibt viele verschiedene Highlights.

Bist du im Sommer auch unterwegs, auf Festivals?

Definitiv. Ich bin definitiv beim Splash und in der freiburger Gegend und in der Schweiz. Da kommen auf jeden Fall einige Sachen.

Du releast am 24.03. Struggle als deine zweite Single. Wieso hast du dich für Struggle als zweite Single entschieden?

Weil ich das Gefühl hatte, dass es ein starker Song ist und dass bei dem Song viele Sachen stimmen: erstens ist es ein starker Beat, zweitens eine starke Hook mit Samir, den ich sehr schätze und mit dem ich seit meinem zweiten Album zusammenarbeite und der auch mit Reno&Germany zusammengearbeitet hat. Wir hatten aber noch nie eine Single zusammen.  Und weil ich den Text sehr geil finde, ich finde den technisch geil, der ist geil geflowt, der ist geil geschrieben, die Idee ist geil. Und zu allerletzt hat er auch noch eine Aussage! Das heißt, ich finde, der Song hat eigentlich alles, was ein typischer Curse-Song hat. Und außerdem ist der Song eine relativ gute Weiterführung von Gangsta Rap. Es ist nämlich noch mal eine Vertiefung. Deswegen haben wir den Song als zweite Single gewählt. Und außerdem auch, weil viele Leute in den Foren oder was man so mitbekommt sehr auf den Song reagiert haben und gesagt haben, es wäre einer der Standout-Songs auf dem Album.

Das Verhalten und die Aussagen des desillusionierten Kids im Park, mit dem du dich unterhältst, spiegelt das auch ein bisschen dein eigenes Verhalten von früher wider?

Teilweise, aber nicht in jedem Punkt. Denn als ich in dem Alter war, das ist echt schon zehn Jahre her. Zu der Zeit waren die Verhältnisse in Deutschland auch ein bisschen anders. Natürlich gab es auch damals schon überall beschissene Verhältnisse, logischerweise, aber es war allgemein gesehen noch ein bisschen angenehmer, ein bisschen besser. Das ganze Sozialstaatprinzip und der ganze Scheiß hat einfach noch besser funktioniert.

Ich meinte noch mehr die Reaktion auf Probleme, z.B. alles wegzukiffen.

Natürlich. Ich habe früher gekifft wie ein Schlot. Aber ich habe das Glück, dass ich in meinem Leben immer irgendwie die Kurve gekriegt habe. Weißt du, ich meine, meine Mutter hat mir mal gesagt, sie ist froh, dass mich nicht die Bullen zuhause abgeholt haben, um mich zur Schule zu bringen, weil ich fast nie zur Schule erschienen bin, und wenn, dann immer eine Stunde oder zwei zu spät. Ich habe immer gesagt, „ich bin krank“, bin immer eingeschlafen, habe gestört im Klassenzimmer. Aber ich habe die Kurve gekriegt und habe es nachher doch noch geschafft, die zehnte Klasse abzuschließen. Ich habe auch einfach Glück gehabt in vielen Situationen, und ich habe teilweise in Situationen, wo es wirklich darauf ankam auch, Gas gegeben.

Was heißt das?

Da habe ich mir gedacht, „ok, cool, jetzt reiße ich mich mal drei Wochen zusammen und dann scheiß ich wieder drauf“. Ich hatte aber auch bestimmte Perspektiven und Möglichkeiten, und ich bin auch eine bestimmte Art von Mensch, einfach vom Charakter her. Bei anderen Leuten ist es einfach schwieriger. Die haben z.B nicht diese Möglichkeiten oder selbst, wenn sie die Möglichkeiten haben, sehen sie sie nicht. Oder sind desillusioniert, weil sie zwei, drei Chancen versucht haben zu nutzen und auf die Schnauze geflogen sind. Der Song ist natürlich von mir und meiner Sicht auf die Dinge inspiriert, aber er ist natürlich auch von meiner Sicht auf die heutige Lage und die heutige Situation inspiriert. Ich sage immer wieder, viele Ansichten dieses kleinen Jungens, die habe ich ja geschrieben, d.h. das sind Sachen, die ich auch verstehen kann oder die ich teilweise teile. Ich bin ja beide Personen in diesem Song. Deswegen bin ich gar nicht der Typ, der dann sagt, „ja, ich weiß wie das ist und ich gebe dir jetzt mal ein paar tolle Tipps“. Ich bin einfach der, der sich unterhält in einer Art konstruktivem Gespräch, und sagt „sieh das doch mal so, sieh das doch mal so“. Aber der Junge sagt ja auch zu mir, „ey, sieh das doch mal so, sieh das doch mal so“. Ich mache ihm ja auch Ansagen und sage, „ey, Alter,...“, aber er macht mir ja auch Ansagen, er sagt zu mir, „ey, Junge, du mit deinem Scheiß, mach doch mal Gangster Rap, was geht eigentlich ab bei dir mit diesen Pseudo-Messages und Pipapo“.

Du hast es dir nicht einfach gemacht in dem Song.

Curse hockend groß
Nein, ich mache es beiden Personen nicht einfach, aber das ist ja der Sinn der Sache. Wenn du dich mit einem guten Freund unterhältst oder generell mit jemandem, der dir am Herzen liegt, dem musst du nicht in den Arsch kriechen. Da kannst du sagen, „so und so sehe ich das“, und er sagt dir, „so und so sehe ich das“, dann gehen beide nachher nach hause und haben vielleicht was davon mitgenommen.

Meine nächste Frage hast du schon angeschnitten. Du hast gesagt, du hast oft Glück gehabt und bist nicht so der Typ und deine Mutter hat gesagt, sie ist froh, dass dich nicht die Polizei abgeholt hat...

Das klingt jetzt so kriminell, weißt du...! (lacht)

Ich kann mir schon vorstellen, wie es gemeint ist.

Na, ja, gut...

In Mein Leben gibst du einen ziemlich guten Einblick, wie eben dein Leben war, insbesondere in deiner Kindheit. Da berichtest du von vielen Dingen, die viele sogenannte Gangster- oder Ghettorapper als Begründung nehmen, dass sie so geworden sind wie sie sind. In Der Fluch sagst du, dass du nicht „assi und laut“, sondern „assi und schlau“ bist, also ein Rapper mit positiver Intention und kein Gangsta. Was hat dazu geführt, dass du eben so geworden bist, wie du jetzt bist, nur das Glück und weil du so ein Typ dafür bist?

Viele Dinge. Ich sage ja auch in dem Song Mein Leben, dass es bei mir in der Familie nicht an Geld gemangelt hat. Meine Eltern sind nicht reich, aber auch nicht arm. Es hat mir nie an essenziellen Dingen gemangelt. Ich habe Freunde, die teilweise mehrere Tage hintereinander den selben Eintopf gegessen haben, die mit ihrer Oma aufgewachsen sind, mit sieben Cousins und Cousinen [in diesem Fall meinte er wohl ausnahmsweise nicht Kosengs und Kosinen, d.Verf.] in einem Haus, also acht Kinder und einmal Oma und Opa, und es gab nur den Opa, der Geld verdient hat. Dann wurde einmal Eintopf gekocht, dann gab’s drei Tage Eintopf.

Und das musste reichen...

Und so etwas habe ich nicht am eigenen Leibe erlebt. Und diese Art von Struggle kenne ich nicht, und über diese Art von Struggle kann ich nichts sagen, ’cause I don’t know! Aber auf der anderen Seite glaube ich, dass es trotzdem immer noch eine Frage des Typs ist, was für eine Art Mensch man ist. Diese Leute, die das erlebt haben, das sind heute positive Menschen. Das sind Leute, die natürlich manche Sachen anders sehen als ich, weil sie anders aufgewachsen sind, das ist ja selbstverständlich. Aber das sind trotzdem nicht unweigerlich Leute, die schlechte Menschen sind oder die kriminell sind. Ich glaube, das liegt an einer Vielzahl verschiedener Dinge. Natürlich, je leichter es dir gemacht wird als Kind oder in deiner Jugend, wenn sich deine Eltern um alles kümmern, sind die Voraussetzungen natürlich viel einfacher, viel leichter. Das ist Tatsache. Selbst wenn man aus sehr schweren Verhältnissen kommt kann man es schaffen. Da gibt es ja Millionen von Beispielen, von Malcolm X bis was weiß ich was. Aber es ist definitiv so, dass die Kindheit dir echt einiges versauen kann, nicht nur an Chancen, sondern auch an Spirit. Wenn du schon früh lernst, du bist nichts wert usw. als Kind, dann ist die Chance leider groß, dass sich das bei dir einprägt.

Curse Live 2

Mir ist diesbezüglich noch ein anderer Gedanke gekommen, als ich Mein Leben und Gegengift zusammen gehört habe: ich habe mich gefragt, ob du so etwas wie Rechtfertigungsdruck verspürst, den Druck dich rechtfertigen zu müssen, dass du so bist wie du bist oder dass du das machst was du jetzt machst. Kannst du das nachvollziehen?

Ja. Ich glaube, dass andere Leute das Gefühl haben, ich müsste mich rechtfertigen oder ich müsste das jetzt mal erklären. Aber ich selber habe nicht das Gefühl. Die Tatsache, dass ich einen Song wie Mein Leben schreibe ist nicht, weil ich damit irgendjemandem, der mich sowieso scheiße findet, jetzt irgendwie sagen wird, „ja, aber eigentlich bin ich doch... und guckt mal da, deswegen...“. Aber ich bin auch kein Typ, der sagt, ich schiebe alles auf meine Kindheit, weißt du? Ich habe den Song Mein Leben geschrieben, weil der Beat diese Bilder in mir hervorgerufen hat. Ich habe den Beat gehört und ich habe diese Bilder gesehen, diese Emotionen gespürt und mich daran erinnert gefühlt, und dann ist es das, was ich geschrieben habe. So ist das eigentlich mit allen Songs, die ich schreibe. Ich schreibe das, was der Beat mir erzählt.

Das war nicht meine Intention. Aber meine Intention z.B. auch bei so etwas wie Gegengift ist ein Mission Statement, das sind Sachen, die brennen mir einfach auf der Zunge, die will ich sagen. Und wenn ich die nicht sagen würde, wäre ich unehrlich oder würde etwas in mir unterdrücken. Und dann habe ich einfach das Gefühl, wenn ich mir denke, ja, wenn jetzt irgendeiner kommt und sagt, „das hier ist eine Rechtfertigung und jenes“, okay, dann sollen die Leute das denken und sagen. Ich weiß, was es ist. Ich weiß, warum ich es gemacht habe und es gibt wahnsinnig viele Leute, die das hören und sagen, „I like that shit!“. Es ist für mich kein Argument, wenn ich denke, irgendjemand könnte vielleicht das und das sagen oder das und das denken, denn irgendjemand wird immer irgendwas denken. Insofern, okay, das ist ein Risiko mit dem ich leben muss.

Du hast in Spiritual geschrieben, dass du nicht wissen kannst, „wer das Land gerade regiert“. Das weißt du ja mittlerweile.

Ja. Zum Glück. Hehe.

Siehst du dadurch mittlerweile eine Veränderung, zum Bessern oder zum Schlechteren, oder gar keine Veränderung?

Mein Leben ist genau so, wie es vorher war. Ich glaube, das Leben von fast allen Anderen ist auch so, wie es vorher war. Politik ist aber auch eine langsame Sache. Politik ist eine Sache, die nicht von heute auf morgen passiert. Ich glaube es ist wohl kaum möglich, dass ein neuer Bundeskanzler kommt und auf einmal alle Bäume grün sind.

Damit rechnet aber auch nicht unbedingt jeder.

Richtig. Das ist natürlich auf der einen Seite die Natur der Politik, auf der anderen Seite ist das eine Schwäche, weil wir durch Bürokratie und so weiter auch echt lahm sind, was Reformen und Veränderungen angeht. Wie gesagt, für mich persönlich hat sich noch nicht groß was verändert, und ich warte jetzt mal ab, wie sich das entwickelt. Ich glaube aber auch, dass eine große Koalition, einfach durch die Natur der Sache, lahm ist. Und dass es dadurch jetzt noch lahmer ist als vorher. Und das ist, glaube ich, das Problem gewesen, dass es eben lahm war, und dass niemand wirklich revolutionäre Reformen durchgekriegt hat wegen starker Opposition usw... Und jetzt Große Koalition, nun denn...

Welche Reformen wären denn deiner Meinung nach nötig? Mal angenommen, du würdest das Land regieren, was wären deine Visionen, was wären deine grundlegenden Ziele?

Also, wenn ich das Land regieren würde, wäre das Erste, dass ich in meiner Antrittsrede sagen würde, „ey, passt auf, ich habe von dieser ganzen Scheiße hier keine Ahnung!“, aber alle anderen Leute wahrscheinlich auch nicht. Aber, egal ob die Leute mich gewählt haben oder nicht, ich werde mir jetzt ein paar Tage oder Wochen Zeit nehmen, um mir alles genau anzugucken, wo sind die Probleme, wo ist das Positive usw., und dann werde ich das allgemein noch mal bekannt geben und werde noch mal sagen, „das ist unser Mission Plan. Wir haben hier einen großen Schlachtplan, und zwar so und so viele Schulen müssen renoviert werden usw. und das und das muss mit der Rente getan werden und das muss sonst noch gemacht werden. Wir haben aber nur so und so viel Geld. Jetzt müssen wir uns überlegen, wie verteilen wir das. Was denken wir alle, was denkt das Volk, was ist das Wichtigste, was machen wir zuerst, was als Zweites, zahlen wir mehr Steuern, damit wir mehr investieren können?“

curse struggle
Ich würde das mehr basisdemokratisch machen, weißt du?! Ich würde die Leute mehr einbeziehen, damit die Leute auch checken, was da überhaupt abläuft. Denn selbst, wenn die Reformen dann vielleicht genau so langsam oder genau so schnell voran gehen wie jetzt, die Leute wissen wenigstens was passiert und sehen, dass etwas passiert. Das ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Wenn jemand ein Land regiert, muss er ja auch eine Leitfigur für die Menschen sein, jemand, der Hoffnung gibt. Das vermisse ich und das vermissen, glaube ich, viele Leute. Die denken, die da oben machen, was sie wollen und, pfft!, auf den kleinen Mann auf der Straße wird geschissen. Mir wäre das wichtig, dass wir da mehr einbezogen werden oder zumindest mehr informiert werden, dass irgendwie einfach ein gewisses Gefühl entsteht, „aha, da will jemand was, da wird was gemacht“.

Aber wie gesagt, ich bin weder Politiker noch Politologe und von den meisten Sachen hätte ich gar keine Ahnung. Ich würde wahrscheinlich erst mal ne Party feiern!

Deine Kollaboration mit Samy Deluxe in Broken Language Reloaded ist ja eher „Rapsport“...

Auf jeden Fall.

Hätte es sich denn nicht angeboten, mit Samy eine deepere Geschichte zu machen? Gerade im Hinblick auf den Titel deiner Platte, Sinnflut, und weil Samy eben auch schon Sachen wie Weck Mich Auf und Meine Generation gemacht hat. Ich habe mich gefragt, ob es sich denn nicht abgeboten hätte oder hat es einen bestimmten Grund, dass eben keine deepere Geschichte, sondern genau das Gegenteil geworden ist?

Ja. Da hatte ich einfach Bock drauf. Weil Samy für mich primär immer noch einer der besten MCs in Deutschland ist, einfach mal von dem MC-Level. Er ist für mich einer der besten Rapper, auf einem Rap-Level. Und ich habe mit Savas einen Track gemacht, der für mich zu den Besten gehört, ich habe mit Tone was gemacht, mit Azad, und habe mich auf einem Rap-Level mit den Leuten in gewisser Weise geboxt, gemessen. Samy war der Einzige, mit dem ich das noch nicht gemacht hatte. Deswegen war es für mich eine Herausforderung, für uns beide glaube ich, zu sagen, das machen wir jetzt mal. Viele Leute haben natürlich gesagt, „boah, ich hoffe, das wird ein Song wie Meine Generation“, viele haben aber auch gesagt, „ich hoffe, die lassen die Moralpeitsche zuhause und packen mal die Lyrics aus“. Also, da sind wir wieder bei Erwartungen... Wir beide hatten Bock drauf, einfach mal zu spitten. Ich finde, wenn zwei solcher Heavyweighter zusammentreffen, dann muss es auch krachen im Karton. Weißt du, der zweite Song den wir zusammen machen, der kann dann meinetwegen etwas anderes sein. Aber der erste Song, den wir zusammen gemacht haben, da war ich zu hundert Prozent der Überzeugung, da muss es jetzt krachen!

Ich bin auf die Idee gekommen, dass du diese Erwartungen in Richtung eines deeperen Tracks vielleicht absichtlich enttäuscht hast, um eine gewisse Ironie reinzubringen, weil es mit Black Thought in Flutlicht ja genau so ist.

Wobei Black Thought natürlich nie ein Conscious Rapper war. Black Thought ist immer schon ein Battle Rapper gewesen, ein Spitter. Das, was ich an Black Thought am meisten bewundere ist seine Art zu Spitten und seine Live-Art und seine Energy. Und genau das wollte ich auch in dem Song ausdrücken. Wenn ich einen mit Common machen würde, dann wäre das wahrscheinlich was mit ’nem Thema. Aber bei Tariq [Trotter, wie Black Thought bürgerlich heißt, d. Verf.] war mir ganz klar, das muss in die Schnauze gehen. Und bei Samy auch, weil ich war z.B. ein bisschen enttäuscht von dem Song von Samy und Savas. Gut, das war jetzt nicht auf Conscious oder sonst irgendwas, aber das war halt so clubbig und auf jiggy und so, und ich hatte das Gefühl das war so... alle haben gedacht, „boah, jetzt geht’s ab!“, dann kam der Song und alle sagten, „jaaa, cooler Song...“, aber eigentlich waren alle enttäuscht. Das wollte ich mit Broken Language Reloaded einfach vermeiden. Ich wollte, dass die Leute sagen, „woah, da wird sich gefetzt!“

Das ist nachvollziehbar. In Flutlicht sagst du unter anderem auch, dass dir die „intelligente Masche“ so gut steht...

Da werde ich voll oft drauf angesprochen, hähähä...

Das hat einen sehr ironischen Unterton. Bist du dieses Image mittlerweile leid?

Ja und nein. Ich meine, auf gewisse Art und Weise stimmt das natürlich. Zum Glück bin ich intelligent und natürlich bin ich „DER Typ mit den deepen Lyrics“, natürlich bin ich „DER Typ, der die besten Stories erzählt“, und das sind ja alles Komplimente. Ist ja alles superdufte und supergeil. Aber natürlich werde ich darauf auch reduziert.

Genau das meinte ich.

Viele Leute checken halt nicht, dass ich, was das Technische angeht, was Rappen angeht, einfach 99,999 % von allem was rumläuft auffressen würde. Mit den anderen 0,001 % bin ich auf der selben Stufe, so Leute wie Samy und Savas. Das sehen die meisten Leute nicht, weil ich mich allerdings auch immer dazu entscheide, so Songs wie Struggle oder Widerstand rauszubringen. Und weil ich eben nicht so etwas rausbringe wie Auf Uns Ist Verlass oder Rap oder Broken Language Reloaded oder so. Das ist schon klar, d.h, da bin ich in gewisser Weise selber schuld. Aber ich denke auch, das ist meine größte Stärke. Meine größte Stärke ist eben der Inhalt, zusätzlich zum Style. Und dieses „ich mach gern auf intelligent, die Masche steht mir so gut“, das ist natürlich ironisch, weil ich damit einfach sage, „ey, pfft, yo, bei den ganzen Leuten gehst ums Image, der Eine macht dies für sein Image, der Andere macht jenes für sein Image. Mein Image ist eben Conscious Rapper. Dann machen wir es eben!“

Die jahrhundertealte Tradition von Interviews verlangt nach einem markigen Schlusswort aus dem Mund des Interviewten. Da würde ich sagen, mach mal!

... und das habe ich noch nie gemacht! (lächelt) Ich denke mir halt immer, „ey, was ich zu sagen haben sage ich auf meinen Songs, in meinen Lyrics“, wenn es spezielle Fragen gibt beantworte ich die gerne, aber es gibt keine Overall-Message. Doch, das Einzige was ich sagen könnte ist: Alles Real Records 2006 – The Rebirth! Wir werden dieses Jahr einiges an Feuer auf den Markt schmeißen. Als Erstes kommt das Reno-Solo-Album.

Das GQ-Album ist gerade rausgekommen.

GQ ist letzte Woche rausgekommen. Germany-Album kommt und es gibt dieses Jahr das nächste Curse-Album – So watch out!

Patrick Jung

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