70ties sirup

Treacle People

CD-Review vom 22.03.2006 | Autor: Gerald Merkel

Tags: Treacle People  

treacle
Wie ein Debüt-Album klingt der Erstling der Treacle People nicht. Wie ein 2006 entstandenes Werk auch nicht: Proggressiv-Psycchedelisch geht’s Richtung Pink Flyod, King Crimson und vor allem Deep Purple.

 

Treacle People live: Mannheim Music Award, 25.3.

 

Sound, Zusammenspiel der Band sowie Artwork lassen keinen Verdacht Richtung Anfängertum aufkommen – was Wunder, spielen die Treacle People bereits seit 1998 zusammen und verweisen auf ein dreistündiges Live Set, das neben eigenen Stücken unter anderem Pink Floyd´s komplettes "Live at Pompeji" enthält. Das schlicht mit dem Bandnamen betitelte Album besticht durch einen kompakten und warmen Bandsound, in dem sich Gitarre und Hammondorgel gleichberechtigt die Bälle zuspielen. Josh Maccoys Gesang ist von Hardrock der heftigeren Gangart weit entfernt, seine Stimme bringt eher Ruhe und Emotion in die Geschichte, klingt allerdings soundtechnisch stellenweise eine Spur neben dem ansonsten komplett organischen Instrumentalsound.

Insgesamt werden die Treacle People sicherlich damit leben müssen, dass der Vorwurf, sie hätten sich im Jahrzehnt geirrt, nur schwer zu widerlegen sein dürfte. Modernere Einflüsse sind wirklich nur mit gutem Willen auszumachen. Aber genau das ist auch ihre Stärke, schon ihr bärtiges und langmähniges Outfit zeigt klar wo der Hase hinläuft. Letztendlich ist überzeugend wie sie ihre Vision von psychedelisch angehauchtem 70er Hardrock umsetzen: Progressiv wird nicht mit mangelnder Eingängigkeit gleichgesetzt (was verzeihenswerter Weise bei „I know waht I here for“ auch mal in die Hose geht), die Songs bleiben nachvollziehbar und das psychedelische Element drängt sich nicht in den Vordergrund. Höhepunkte sind dennoch die epischeren und ruhigeren Stücke: Das sich in einem zweiminütigen Instrumentalteil ergießende „Neptun’s Kiss“ wird dem Element des Dreizackschwingers und der Cover Art gerecht, „Cruelest Secret“ schleicht melancholisch um dunkle Geheimnisse und Moonchild liefert schon von der Länge her (8:44), was man von einer Band dieser Gattung erwartet.

Sicherlich sind die Treacle People live einen Versuch wert, für alle, die auf die beschriebenen Sounds stehen, ist es diese Scheibe ohne Zweifel ebenfalls. Spannend wäre natürlich die Frage, was das Ergebnis einer Inspiration auch aus den letzten zweieinhalb Jahrzehnten der Rockmusik wäre. Das und der Wunsch, dass sich der Gesang noch runder in den der ansonsten extrem gut produzierten Gesamtsound einbettet, ist aber auch schon alles was man diesen Debütanten mit auf den Weg geben könnte. Und ersteres wollen sie vermutlich nicht mal ...

Label: World in Sound

Gerald Merkel

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