
Der eine oder andere kommt nun vielleicht zu Recht ins Grübeln und befürchtet uninspiriertes Gitarren-Geschrammel und Songs, die ihren Reiz möglicherweise in der Urversion entfalten, in einem puristischen Soundgewand allerdings so gar nicht funktionieren. All dies ist hier eindeutig nicht der Fall. Hier wird wahrhaftig mit Herz und Verstand musiziert. Im Wesentlichen besteht die Band, die zwar bereits 2000 von Frontmann Chris Tucker ins Leben gerufen wurde, sich aber erst seit 2004 in der aktuellen Besetzung gefunden hat, aus studierten Jazz-Musikern. Ausgesuchte Gastmusiker (u.a. Garland Hattan von „Poetry ´n´Motion“, die man überrascht auf der Bravo-Hits 18 von ´97 wieder findet oder Heiko Himighoffen von „[re:jazz]“ ) runden das in Frankfurt aufgenommene Konzert ab. Auch das Streichersextett fügt sich unterstützend in die Arrangements ein und gibt den Songs noch mehr Fluss, als sie ohnehin dank des Songwritings schon hatten. Mit Garland Hattans Rapeinlagen in „Maybe“ und „Messy Thursday“ kommt noch ein weiterer Aspekt in die Musik. Auch wenn´s ins Detail geht: Die Strophen hören sich an als wäre „Linkin Park“ auf dem Akustiktrip. Kurios. Die CD ist einfach verdammt cool, verdammt entspannt und relaxed und wird trotz der möglichen Genreeinordnung in den Rock/Pop-Bereich auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig.
Zuletzt bleibt die Frage, was musikalisch mit „Radioroad West“ geschieht wenn die akustische Gitarre gegen ihre elektronische Verwandte ausgetauscht wird. Andrerseits – so interessant die Vergleichsmöglichkeit der verschiedenen Songversionen auch wäre – wenn bei frühlingshaften Wetter die Sonne durch die Fenster scheint, und man dabei „Radioroad West live unplugged“ hört, ist das eine sehr sehr runde Sache.
Die 15 € gehen in Ordnung - zumal die Qualität der Aufnahme nichts zu wünschen übrig lässt. Kaufen!
Pascal Meyer-Ponstein