nackte seele
Pohlmann: Zwischen Heimweh Und Fernsucht
CD-Review vom 19.03.2006 | Autor: Patrick Jung
Tags: Pohlmann
CD-Review vom 19.03.2006 | Autor: Patrick Jung
Tags: Pohlmann
Eine wunderschöne, großartige Platte ohne Schwachpunkte! Mit nur selten mehr als einer Akustikgitarre und seiner kraftvollen Stimme zaubert Pohlmann 13 Songperlen für sein Debütalbum. Aus seiner Popband-Vergangenheit hat der ehemalige Goldjunge-Frontmann die tiefgründige Textpoesie herübergerettet, die er jetzt in ein erdiges Folkblues-Gewand kleidet.
Zwischen Heimweh Und Fernsucht, der Titel(-Song) spricht für sich. Schüchtern verhaltener Beginn, gegen Ende brechen die ersten Dämme. Oh, ja! 15 Sekunden können unendlich lange sein, wenn man sie mit einem solch fast höhnisch dahingezupften Intro zubringen muss, bis Dämon sich endlich erbarmt, loszugehen. Countryfolk-Klänge, zu denen Pohlmann beinahe flüsternd den inneren Schweinehund darum bittet, sich endlich überwinden zu lassen. Kaum hat man sich akklimatisiert, darf man aufspringen und mit einem Lächeln auf den Lippen den Rhythmus von Der Jung Ist Verliebt mitklatschen und der Geschichte von Pohlmanns Kumpel lauschen.
In diesem Stil geht’s weiter. Pohlmann hatte ein feines Näschen für den überlangen Frustwinter, als er Wenn Jetzt Sommer Wär geschrieben hat. An alle Hörer dieses Songs: schön dran denken, dass die Schwimmbäder erst im Mai aufmachen! In Tut Mir Leid wird die Instrumentierung akzentuiert etwas opulenter, der Inhalt wieder ernster, wie der Titel schon suggeriert. Unbedingt laut hören und Taschentücher bereitlegen, die Nummer besitzt kathartische Qualität.
Jetzt beruhigen wir uns erst mal wieder. Wenn Die Nacht Beginnt nimmt uns Pohlmanns Stimme die Angst. Gut vorstellen kann man sich, wie er mit Zurück Zu Dir bei seinem Barmann-Job im Hamburger BP1 einigen abgestürzten Seelen wieder Leben eingehaucht hat. Danach läuft er dann wahrscheinlich mit seiner Klampfe in der Hand durch die Straßen und philosophiert lauthals, wie Das Leben Ist. Um dann anschließend Das Böse, auch bekannt als Menschen, unter die Lupe zu nehmen. Was immer dabei heraus kommt, Morgen Schon sieht die Welt ganz anders, man muss sich nur mal Zeit für sich selbst nehmen.
Der beschwingten Gruselblues An Mina dürfte allen aus dem Herzen sprechen, die schon mal verzweifelt einen Zaunpfahl beidhändig vor den Augen einer oder eines Angebeteten hin- und hergeschwungen haben. Wie ein nächtliches Gewitter rollt Da Bin Ich in den Strophen auf einen zu, um dann im Chorus immer wieder kurz aufzuklaren bis sich schließlich die Wolken verziehen und die Sicht klar ist. So richtig schön gaga wird’s in der letzten Nummer, wo Pohlmann die Fertigstellung des ersten Cyborg mit stahlharten Brüsten vermeldet.
Und dann ist es schon wieder vorbei! Kann nicht sein, REPEAT gedrückt und immer und immer wieder von vorne...
Ach, habe ich eigentlich schon erwähnt, dass Pohlmann Unterstützung in Sachen Songwriting, Produktion, Management und Instrumentalarbeit erhält von Henning Wehland und dessen aktuellen und ehemaligen H-Blockx-Mitstreitern sowie Christian Neander, bekannt vor allem von Selig, Kungfu und als Produzent/Komponist...?
Von den Live-Qualitäten des "Rocker vom Hocker" kann man sich aktuell auf Tour im Vorprogramm von Xavier Rudd und Revolverheld überzeugen.
Patrick Jung
Kontakt | Über regioactive.de | Jobs | Backstage | Partner | Mediadaten | Presse