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Blackmail Live

Review/Bericht vom 15.03.2006 | Autor: Thomas Baumann

Tags: Blackmail  

Wenn dieser kurze Satz aus dem Mund eines kleinen Mannes mit großer Stimme den Konzertsaal zum Kochen bringt, sind blackmail in der Stadt. Am Sonntag gaben sich die vier Koblenzer wiedermal die Ehre und ließen das Publikum am Ende des Abends mit der Frage zurück: „Won’t you please don’t come back?“

Nachdem sich die Berliner Combo revolt in der klassischen Drei-Mann-Besetzung als ideale Vorband präsentierten, nämlich nicht zu laut und nicht zu auffällig, aber durchaus mit solidem songwriting und in der Lage die Menge anzuheizen, betraten blackmail die Bühne.

Schon beim ersten Akkord von „couldn’t care less“ war klar, dass die Band nur aus einem Grund da war: um Heidelberg kräftig in den Arsch zu treten! Nur sehr wenige Bandleader schaffen es wie der charismatische Aydo Abay das Publikum vom ersten Moment in seinen Bann zu ziehen und zwar ohne unnötiges Gerede. Aber auch dem Rest der Band war anzumerken, dass sie heute eine Menge Spaß an ihrem Beruf hatten.

Das Set bestand überwiegend aus neueren Songs der beiden letzten Alben, dem 2003er „Friend or Foe“ und dem aktuellen „ariel view“. Zur Unterstützung hatte der Vierer einen Keyboarder mit auf der Bühne und somit kamen auch die elektronischen Elemente des typischen blackmailsounds zum Tragen. Was Kurt Ebelhäuser seiner Gitarre entlockte, würde man bei jedem anderen guten Gitarristen als genial bezeichnen, bei ihm wäre wohl nicht von dieser Welt angebrachter. Mit meist geschlossenen Augen und mit kaum Kontakt zum Publikum brachte er die Songs auf den Punkt. Aber auch die Männer an den Mischpulten trugen ihren Teil dazu bei, einen brachialen aber trotzdem klaren Sound zu kreieren. Die Bühnendeko mit runden Videoinstallationen im Bullaugenstil tat ihr übriges um das Bild, dass blackmail zeigte zu untermauern. Hier waren keine Anfänger am Werk, sondern Profis und es tut sich die Frage auf, warum man nicht schon längst ein Angebot bei „Top of the Pops“ zu spielen abgelehnt hatte.

Auch wenn blackmail schon zu Beginn mehr als präsent waren, war im Verlauf des Konzerts noch Platz nach oben und die Band tat alles um diesen Platz auch noch auszufüllen. Kurze, selbstironische Ansagen im Stil von: „Seid ihr eigentlich einverstanden, mit dem was wir hier so machen?“ gaben dem Publikum noch zusätzlichen Grund zur Begeisterung.

Nach einer guten Stunde dann die überraschende Mitteilung, dass jetzt das letzte Lied komme und die Band verließ danach die Bühne. Allerdings war man schneller wieder oben, als die Zuschauer „Zugabe“ schreien konnten. Die Band legte noch eine Schippe drauf und katapultierte die Menge mit ihren vorher etwas vermissten Hits wie „same sane“ vom Album „Bliss, please“ endgültig in andere Sphären. Sogar nachdem die Band das Konzert zu zweiten mal für beendet erklärt hatte, war man sich nicht zu schade noch mal die Bühne für eine zweite Zugabenrunde zu entern. Jetzt durften auch die anderen Musiker zeigen, was sie so drauf hatten. Gitarre und Bass spielten sich die Bälle zu, während Aydo Abay schon längst die Bühne geräumt hatte und nicht zuletzt begeisterte drummer Mario Matthias mit einem minutenlangen Schlagzeugsolo bevor schließlich doch irgendwann die Lichter im Saal angingen und die Fans in Scharen zum Merchstand pilgerten um sich mit blackmail-shirts und Platten einzudecken.

Nach so einem Abend ist die schon eingangs gestellte Frage „Won’t you please don’t come back?“ leicht zu beantworten: jederzeit und möglichst bald!

Thomas Baumann

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