chefkoch wirft das handtuch, oomph! werden ausgelanden

Meinungsfreiheit vs. religiöse Befindlichkeit

Kommentar vom 14.03.2006
Autor: Friederike Umminger
Tags: Meinungsfreiheit    OOMPH   isaac hayes  

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Die Diskussionen um dänische Karikaturen haben offensichtlich ihre Wirkungen. Mittlerweile darf wohl Religion in keinster Weise mehr zum Thema gemacht werden. Zwei Beispiele geistern im Moment durch den deutschen Blätterwald. Zum einen die Fernsehserie Southpark, zum anderen die Wolfsburger Band OOMPH!.

oomph
Wir blicken zurück in das Jahr 1997. Die Filmstudenten Trey Parker und Matt Stone  bekommen die Möglichkeit, eine kleine Zeichentrickserie ins US-Fernsehen zu bringen. Nun, fast 10 Jahre später,  fühlt sich die Stimme einer der beliebtesten Southpark-Charaktere auf den religiösen Schlips getreten. Isaac Hayes, Soulsänger („Shaft“) und Synchronstimme des Chefkochs, steigt bei der Zeichentrickserie aus. Ganz im Sinne der aktuellen Diskussion um den Karikaturen-Streit äußerte er sich bei CNN zu seiner Entscheidung seine Rolle als Synchronsprecher aufzugeben: "There is a place in this world for satire, but there is a time when satire ends and intolerance and bigotry towards religious beliefs of others begins. Religious beliefs are sacred to people, and at all times should be respected and honoured. As a civil rights activist of the past 40 years, I cannot support a show that disrespects those beliefs and practices". Der bekennende Scientologe störte sich höchst wahrscheinlich an einer im November letzten Jahres ausgestrahlten Episode, in der Tom Cruise und Scientology zum Ziel des Spottes der Southpark-Macher wurde, auch wenn er es nicht explizit in seinem Statement erwähnte.  Doch neben Kenny und Co enthält „Southpark“ zum Beispiel auch eine Figur mit Namen „Jesus“, die im offenen Kanal von South Park eine Talkshow namens "Jesus and pals" ("Jesus und seine Kumpel") moderiert. In dieser Talkshow ist Gott als kleines, fliegenfressendes, hässliches Vieh, das aussieht wie das missglückte Ergebnis einer Kreuzung aus Nilpferd und Pavian dargestellt, und Satan hat ein Verhältnis mit Saddam Hussein. Und wie war das noch mit Kyle und den Juden?? Beschwerden von Shaft? Fehlanzeige!

Heuchlerisch denkt ihr??

Der Meinung ist auch Matt Stone auf der offiziellen Seite: "This has nothing to do with intolerance and bigotry and everything to do with the fact that Isaac Hayes is a Scientologist and that we recently featured Scientology in an episode of 'South Park.' In ten years and over 150 episodes of 'South Park,' Isaac never had a problem with the show making fun of Christians, Muslims, Mormons and Jews. He got a sudden case of religious sensitivity when it was his religion featured on the show. To bring the civil rights struggle into this is just a non-sequiter." Ob Chefkoch nun stirbt oder lediglich die Synchronstimme ersetzt wird, bleibt noch offen.

Auch das Wolfsburger Trio OOMPH! Ist schon in den Genuss der "eingeschränkten Redefreiheit" gekommen. Stein des Anstoßes ist die aktuelle Single "Gott ist ein Popstar". Textzeilen wie "Ich geb euch Liebe, ich geb euch Hoffung, doch nur zum Schein, denn die Massen wolln betrogen sein" führten zur Ausladung beim ECHO und bei Top of the Pops. Von offizieller RTL-Seite hieß es: "Im Kontext der aktuellen, internationalen religiösen Diskussionen und im Lichte einer allgemeinen Verantwortung sehen wir eine Aufführung des Songs 'Gott ist ein Popstar' sehr skeptisch, ja als nicht zu verantworten".  Auch die meisten Radiosender weigern sich, das Machwerk zu spielen. Die Erklärung, dass es sich nach Angaben der Band bei "Gott ist ein Popstar" nicht nur um ein religionskritisches Werk handle, sondern ebenso um ein Gesellschaftskritisches und sich dieses gegen die Kommerzialisierung des Glaubens und die Vergötterung der Casting-Shows richte, konnte das wertvolle Recht auf Kunst- und Meinungsfreiheit bisher nicht ausreichend untermauern. OOMPH!-Sänger Dero, ein bekennender Agnostiker, sieht bei "Gott ist ein Popstar" weder eine Beleidigung der Christen noch Blasphemie. Er betont, dass OOMPH! jede Form von Glauben respektieren. Doch trotz öffentlicher Kritik stieg die Single direkt in die Top 20 der deutschen Singlecharts…oder vielleicht gerade WEGEN der öffentlichen Kritik? Eine nähere Auseinandersetzung mit dem Text hätten sicher auch dem ein oder anderen Sittenwächter gutgetan - auch wenn großflächige Innenstadtplakatierung seitens Oohmphs! Plattenfirma, die vor allem den Single-Titel in den Blick stellt, natürlich ein Marketing-Schwergeschütz in Sachen kalkulierter Provokation darstellt.

So manche Sache in den letzten Wochen war sicher hart an der Grenze des guten Geschmacks und drüber hinaus. Doch mittlerweile muss man wirklich aufpassen, was man zum Besten gibt. Selbst Harald Schmidt beschränkt sich in letzter Zeit auf Witze über George W. Bush: "das ist ungefährlich". Also an alle, die einen brennenden Vorgarten vermeiden wollen:

  1. T-Shirts mit Sprüchen wie "God is my homeboy" oder blinkende Faschings-Hörnchen in den hintersten Ecken des Kleiderschranks verbannen!
  2. Auch wenn die Stones es sagen: man empfindet keine "sympathy for the devil"!!!!
  3. Formulierungen wie "Um Gottes Willen", "Mein Gott" und "Gott sei Dank" aus dem Wortschatz streichen (für Kurpfälzer gilt: bitte kein "Allah gut" oder "Allah hop")!

Ach ja, in die Kirche dürft ihr trotzdem noch......oder??

 

Friederike Umminger

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