finnlands dunkle seiten

Negative, The Rasmus und HIM in concert

Review/Bericht vom 13.02.2006 | Autor: Charlotte Luther

Tags: Negative   The Rasmus    HIM  

Bereits um 10 Uhr morgens ließ es sich erahnen, wie das Konzert am Abend verlaufen würde. Vorm Mannheimer Rosengarten warteten schon um diese Uhrzeit ca. 50 Fans auf ihre finnischen Helden, die am Abend den Rosengarten verdunkeln sollten.

060211rosengarten_him_rasmus 39© regioactive.de
Negative, The Rasmus und HIM ziehen bekanntlich nahezu alle Altersklassen an, die gleichermaßen der Finnen-Hysterie frönen. Der Rosengarten nahezu ausverkauft, mit genügend Platz um den Fans in den hinteren Reihen Gelegenheit zu geben ihren Körpern vollen Ausdruck verleihen oder einfach nur entspannt die Morbidität mit allen Sinnen einsaugen. Den Anfang machten Negative, die einen überaus positiven Eindruck hinterließen. Ihre Musik, eine Mischung aus dreckigen Gitarren und der grandiosen Stimme des Frontmanns Jonne Aaron, ist, wie sie sie selbst bezeichnen, „emotionaler Rock ´n´ Roll“. Vieles lässt die Zuhörer und Zuschauer an die guten alten Guns´n´Roses-Zeiten denken. Und das nicht nur, weil der ehemalige Bassist und jetzige Gitarrist der Band, dem Großmeister Slash wirklich sehr ähnlich sieht. Ihre Musik und ihre Performance sind beeindruckend und überaus authentisch.

hier gehts zur Bildergalerie

Doch leider spielen Negative nicht all zu lange. Mit „Love is right now” ist alles schon (viel zu früh) vorbei. Allen, die nicht genug von Negative bekommen haben, sei gesagt, dass erst am 10.2. die Ltd. Tour Edition ihres Albums „Sweet und deceitful“ erschienen ist, und dass ihre neue Single „In my heaven“ ab dem 24.2. in den Läden stehen wird.

060211rosengarten_him_rasmus 12© regioactive.de
Lauri und Co., alias The Rasmus, dürfen nun, nach kurzer Umbaupause, in die Saiten greifen. Doch haben sie es sichtlich schwer, nachdem Negative einen solch fulminanten Start hingelegt haben. Der Mann mit der wahrscheinlich schlechtesten Frisur ever, bekommt die Fans sehr schnell in den Griff und ermutigt den Saal seine helle und klare Stimme lauthals zu unterstützen. Die Fans zeigen sich nicht nur bei Songs aus dem in Europa den Durchbruch erschaffenden, Album „Dead Letters“ als überaus textsicher. Auch Songs aus ihrem aktuellen Album „Hide from the Sun“ mit einschlägigen Hits wie „Sail Away“ und „Lucifer´s Angel“ machen Weghören unmöglich.

Man wirft ja The Rasmus immer wieder vor, zu sehr in poppige Melodiken abzurutschen, und somit Authentizität gegen Kommerz einzutauschen. Leider kann man den Vorwurf während ihres Auftritts verstehen. Zwar ermöglichen die Pop-Ansätze dem Zuhörer schnell in einen Song hineinzukommen, doch nach drei Songs wirkt das ganze zu homogen und vorhersehbar. Zeit für ein weiteres Bier. HIM lassen sich wirklich Zeit. Klar, vier riesige Kronleuchter und Accessoires, die die Klosterruinen-Atmosphäre perfektionieren sollen, richten sich eben nicht von alleine auf.

060211rosengarten_him_rasmus 20© regioactive.de
Doch jedes Warten hat ein Ende. Und dieses Ende und Ville Vallos Erscheinen begrüßt das Publikum mit einem ohrenbetäubenden Geschrei. Bemerkenswert, dass nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer komplett „hohl drehen“. Tättowiert wie ihr großes Vorbild, stehen sie alle samt oberkörperfrei in Pose. Somit wird der HIMsche´ Opener „Soul on Fire“ zum Motto ihrer Show. Ganz wie man es von ihnen gewohnt ist, knallen die Stromgitarren unaufhaltsam aus den Boxen. Um das ganze zu kompensieren, wechseln sich bekannte Heulsusen-Schmalz-Songs mit den übrigen Albumtracks ab. So kommt wirklich jeder auf seine Kosten. Seien es eingefleischt Fans oder solche, die es noch werden wollen.

Die Hoheit des Love Metal himself erweist sich als wahrer Stimmkünstler. Mal dark, deep and dangerous, dann hell und jungenhaft oder ganz Ville-Valo-like, selten präsentiert ein Künstler so viele Facetten in seiner Stimme. Ein weiteres Highlight ist, außer den sachgemäßen HIM-Hits, das Isaak-Cover „Wicked Game“. Bekannt und doch in neuem „gruftigen“ Gewand. Wirklich sehr gelungen. HIM verstehen es zu rocken. Und das Gerede, dass sich fast ausschließlich auf Liebe, Sünde und Tod beschränkt, und das doch zahlreichen Musiksüchtigen mit der Zeit auf die Nerven gehen kann, wird zur Notwendigkeit. Ohne ihre Freak-Texte wären HIM eben nicht HIM. Die Band, die an diesem Abend nicht nur ihre Fans in ihrem Geschmack bestätigte, sondern auch neue Bewunderer gefunden hat.

Charlotte Luther

Kommentare

Kontakt | Über regioactive.de | Jobs | Backstage | Partner | Mediadaten | Presse