klatsch in die hände

Nacht der Clubs - Tour 2

Review/Bericht vom 03.01.2006 | Autor: Patrick Jung

Tags: Nacht der Clubs   Phunk MOB  

“Dashing through the snow, in a one horse open sleigh…”, ach nee, Weihnachten ist ja gerade vorbei, Jingle Bells steht heute Abend wahrscheinlich auf keiner Setlist und statt einspänniger Schlitten stehen Busse bereit. Hm, aber am Luisenplatz gibt's davon nicht gerade wenige, woran erkenne ich das Nacht der Clubs-Shuttle? Ach, was soll’s, kurzer Erfrischungsspaziergang zum Stella. Wenige Minuten später wird mir mit einem „Viel Vergnügen“ Einlass gewährt. Und sofort kommen Heimatgefühle auf, architektonisch fühle ich mich in den Musikpark versetzt. Aber nein, hier ist nicht das regioactive.de-Headquarter, hier bin ich umgeben von Darmstadts Nachtschwärmern und Party-Hoppern. Und nicht gerade von wenigen, aus der Ferne sehe ich, dass Pornophonique gerade (metaphorisch gesprochen) in der Obhut ihrer Fluffergirls auf den nächsten Einsatz warten, derweil die Djs The Lovemachines das Publikum mit mir unbekannten Soul Classics bei der Stange halten. Die Nacht ist noch jung und es gibt noch viel zu erleben, deshalb wird der Aufenthalt nicht überlang gestaltet. Uff, heiß war es da drin, die Straßen sind jetzt sichtlich gefüllt von gut gelaunten Menschen, die zwischen den Stationen die kühle Winterluft genießen.

 

Manges hat im Extasis gerade sein erstes Set beendet, aber zum Glück vermeldet ein Schild an der Tür, dass es um 1 Uhr eine zweite Chance gibt. Sein DJ Twocut und Kollegen halten in der Zwischenzeit die Zügel straff. Kurz den Booty geshaked um Witterung aufzunehmen und zurück in die Nacht, es steht ja später ein erneuter Besuch an.

 

Jetzt muss aber mal ein Liveact vor die Flinte, deshalb geht der Weg in die Centralstation. Ähm, was machen denn die ganzen Leute auf der Bühne? Phunk MOB sind mit einer gefühlten Hundertschaft an Musikern angetreten, entsprechend facettenreich ist das Klangbild. Angejazzter Funk, bei dem sich Samples vom Turntablist ihren Weg zwischen orientalischer Percussion und Bläsern suchen. Nicht dass jetzt der Eindruck eines akustischen Tohuwabohu entsteht, die Instrumentalisten sind erfreulich diszipliniert, die Lautstärke absolut wohnzimmertauglich, so dass das zahlreiche Publikum zwar einigermaßen gebannt ob des gebotenen Spektakels aber doch ausgelassen der dargebotenen Leichtigkeit des Seins tanzend frönt.

 

Ob in der Goldene Krone der Mob ebenso am Toben ist? Nicht nur das, es wird sogar Generationen übergreifendes Abrocken geübt! Siamese steuern den passenden Soundtrack bei, irgendwo zwischen Alternative und Indie, mal schrammelig, mal mit gezielter Wucht, gleichsam verklärt wie wütend pusten sie die vom vorherigen Stopp mitgebrachte Trance aus den Knochen. Als sie dann irgendwann mal der Meinung sind, ihr Tagwerk getan zu haben, ist das Publikum gegensätzlicher Meinung und holt sie zur Zugabe zurück auf die Bühne. Danach klappt der Übergang zum DJ-Set von Nathalie Bar nicht ganz lückenlos.

 

Zurück im Extasis knistert die Luft schon vor gespannter Erwartung darauf, dass Manges sich wieder das Mike greift. Der Kellerclub platzt mittlerweile aus allen Nähten als endlich ein kurzes Bouzouki-Intro erschallt. Opa!, Arme ausgebreitet, gleich darauf der Decke entgegen gereckt, die Menge bounct. Es mag meiner suboptimalen Position geschuldet sein, dass die Rembetiko-Elemente im Sound kaum wahrnehmbar sind, so erlebe ich einfach nur eine verdammt souveräne Hiphop-Performance des Lokalmatadors. Kommandos überflüssig, wer Platz hat bewegt sich, einige von außerhalb Zugereiste raunen staunende Anerkennung, als der Refrain von Ein Biß aus dem Chor vieler Kehlen erschallt. Ein krönender Abschluss der Nacht der Clubs, zu deren Ausklang ins Morgengrauen die Beats von den Plattentellern fließend überleiten.

Patrick Jung

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