ready or not? ready!
Fugees in Concert
Review/Bericht vom 23.12.2005 | Autor: Christian Petersen
Tags: Fugees
Review/Bericht vom 23.12.2005 | Autor: Christian Petersen
Tags: Fugees
Nach sieben Jahren Streit, einer Schlammschlacht in der Presse, Solo-Erfolgen und Misserfolgen, präsentierten sich die frisch „wiedervereinigten“ Fugees in der Kölnarena und holten das Publikum zurück in die Neunziger.
Aufgeregt und neugierig war ich, als ich die Kölnarena betrat um die Fugees im Rahmen ihrer Reunion-Tour live zu erleben. Die Presseplätze auf der Tribüne – nicht unbedingt der beste Platz um bei einem HipHop-Konzert „dabei“ zu sein - gaben dieser Vorfreude einen kleinen Dämpfer. Als dann relativ pünktlich die erste Vorgruppe auftrat, verstärkte sich dieses Unbehagen. Da es keinerlei Informationen zu dieser Band gab, bleibt der Verriss nun namenlos, wer allerdings auf die Idee kam, diese Combo ins Vorprogramm der Fugees zu stecken, tat sich, der Band, dem Publikum und den Fugees keinen Gefallen. Sean Paul trifft Nino DeAngelo, wäre wohl die treffendste Beschreibung. „Live band“ ohne Drummer, zwei Hupfdohlen und „No woman, no cry“ mit Ballermannflair. Zum Glück währte die Einlage nicht lange, der Name spielte keine Rolle und das soll bitte auch so bleiben. Danach trat eine Sängerin namens Abeena auf, die sich, schon passender, stilistisch in Lauryn Hills Ecke aufhielt. Schöne Musik, aber, vielleicht auch durch die bisherigen Umstände ungnädig gestimmt, wirkte auch Abeena im Grunde belanglos und austauschbar.Keine wirklich guten Vorzeichen also, aber die Neugier auf das Konzert der Fugees überwog das bislang gebotene. Um halb zehn war es endlich soweit. Nach einer Aufwärmphase des Djs mit Classics von Snoop oder Ludacris, betraten die Fugees nacheinander die Bühne. Sie performten von Beginn an eine Reihe von Hits und Solojoints und brachten das Publikum in der nicht ausverkauften Kölnarena schnell auf Betriebstemperatur. Ruck-Zuck verwandelte sich die Arena in eine riesige Party bei der auch die Tribünengäste nichts mehr auf den Sitzen halten konnte – mit Ausnahme eines Pressekollegen neben mir, der es bevorzugte nichts zu sehen und sich wohl ausscließlich auf seine geschulten Ohren verließ. Mit „How many mics“, „Ghetto Superstar“, „fu gee la“ oder „ready or not” wurde durchweg dafür gesorgt, dass das Publikum nichts an Euphorie verlor.
Wyclef rief seine Entertainment-Qualitäten routiniert ab und brachte Raps auf deutsch, berichtete von seinen Aufenthalt in Deutschland, seiner Erfahrung mit der deutschen Polizei und politisch korrekt, aber nicht platt, bekam auch George W. Bush sein Fett weg. Lauryn Hill verzauberte das Publikum mit ihrer Stimme und ihrer unglaublichen Präsenz auf der Bühne. Man wunderte sich, das man von ihr in den letzten Jahren so wenig gehört hatte, kann aber durch ihr Feature auf dem neuen Nas-Track „it wasn’t you“ hoffen, dass sie nach ihrem verunglückten unplugged-Auftritt wieder „anständige“ Musik macht. Ihre Performance von „killing me softly“, war schlicht genial, ihre Stimme und ihre Show stellt sogar die von mir geliebte Erykah Badu in den Schatten. Vor allem die Bandbreite des Showcases war beeindruckend. Auch individuell aufs Publikum abgestimmt, was zu erkennen war als Wyclef entschied, den neuen Song „take it easy“ nicht zu spielen, da das Publikum auf dessen Ansage wenig begeistert wirkte. Was der Anklang einer neuen Platte mit Spannung erwarten lässt. Einzig Pras Michaels stand an diesem Abend ein wenig im Hintergrund und kam einfach nicht gegen Wyclef Jean und Lauryn Hill an, da kann er noch so sehr ein Ghetto Superstar sein. Das lässt einen natürlich darüber grübeln, in wie weit sich Pras und Wyclef wirklich verstehen und ihre Differenzen aus der Welt geschafft haben. Da alle drei im Moment solo nicht gerade auf der Erfolgswelle reiten - Wyclefs letztes Album ging mehr als unter -, könnte man vermuten, dass das liebe Geld der hauptsächliche Grund für eine Reunion ist. Bei einer derartigen Show braucht das allerdings auch nicht weiter zu interessieren. Schon lange war kein derart beeindruckendes HipHop-Konzert zu erleben gewesen, daher lautet mein Fazit für diesem Abend: Die Fahrt nach Köln hat sich mehr als gelohnt und wenn ein neues Album ins Haus stehen sollte, das die gleiche Qualität, wie dieses Konzert hat, weiß ich wer Kanye West nächstes Jahr bei den Grammys ablöst. Auf eine gute Zusammenarbeit.Christian Petersen
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