fels und semmel Crayfish: Darts & Hearts

Von Patrick Jung. Veröffentlicht am Dienstag, 20. Dezember 2005
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Crayfish aus Langen (der Stadt am Sterzbach, wie es das Bandinfo poetisch und zugleich bodenständig ausdrückt) sind eine von diversen Bands aus der IsLa-Festival-Community. Ihre Musik ist radiotauglich, vermischt straighten Rock’n’Roll mit poppiger Punk Rock-Attitüde und einprägsamen Melodien, mal sanft, mal herausfordernd. Ihr Studiodebüt auf EP-Länge, „Darts & Hearts“, tritt die Nachfolge der in Eigenregie produzierten CD „Sonic Boom“ an, die sich wie warme Semmeln verkauft hat.

 

„Er tut den Stecker rein und alle Knöpfe auf Zehn, dann kann die tierische Post abgehn...“, getreu dieses von den legendären Cräckers geprägten Mottos steigen die fünf Hessen ins trotzige Steer ein, das speziell durch seinen mehrstimmigen Gesang besticht. Kurzes Solo, kurzer Break, der Rest des Liedes rennt voran. Wer hat denn die Herren so in Rage versetzt? Ein junges Frollein war’s, das doch bitte bei sich bietenden Gelegenheiten mal das Hirn einschalten soll.

 

Bad Habit kommt als Groover in gemäßigtem Tempo daher, Bass und Stimme übernehmen die Strophenarbeit während die Gitarren zunehmend ungeduldiger mit den Füßen scharren. Das Auf und Ab in der Dynamik des Stücks und der angepasste Reibeisenfaktor in der Stimme von Sänger Julian lassen erahnen, dass der Verfasser der Textzeile „you hate me, I don’t care...“ (in diesem Fall Gitarrist Moritz) seinen Blutdruck nicht über den ganzen Verlauf der Geschichte so unter Kontrolle hatte.

 

Fast schwermütig schließt sich mit All I Do ein Lied an, das als Sinn des Lebens der Sterzbachkrebse das Rocken und das Rollen hervorstellt. Klingt irgendwie nach einem relaxten Chillout bei einem Festival nach getaner Arbeit. Dabei wird auf einen livemäßigen Singalong-Part nicht verzichtet, dafür dankenswerterweise auf die in solchen Songs üblichen yeah, yeah, ohohoo-Passagen.

 

Für Searching wird wieder einen Gang höher geschaltet. Der Song kommt am modernsten rüber, Tendenz Alternative Punk, was auch daran liegt, dass auf Chöre verzichtet wurde und Julian erneut ein bisschen rauer zu Werke geht.

 

Zurück zu traditionelleren Klängen geht es mit Can’t Take My Eyes Off You. Da kommt wohl jemand von seiner Verflossenen nicht los und schwankt zwischen Verzweiflung und audiosuggestiver Verspottung des Schurken in dem Drama. Erst mal ein ausgiebiges Solo um Spannung aufzubauen, ob sich denn noch alles zum Guten wendet...?! Wird natürlich hier nicht verraten, selber hören!

 

Blitz, Donner, Regengeprassel, anfangs infernalische Gitarren, die dann von einem leicht debilen Lacher in Pogo in the Sky auf die Reise geschickt werden. In klassischer Punk Rock’n’Roll-Manier haben sie da wohl die Hymne der meisten Open Air-Festivals des vergangenen Feuchtsommers verfasst. Die charakteristischen Chöre im Refrain kommen dabei nicht zu kurz und auch ein kleiner Ska-Part wird verwurstet.

 

Der Rausschmeißer Summertime klingt wie er heißt. Sommer, Sonne, Leidenschaft, poppig-eingängige Mitsing-Melodien. Kurzer Technopart!? Oder doch nur kurz zurückgespult? Danach dem Ende entgegen geschwoft und mit einem „¡Arriba!“ die Geschichte nach Hause gebracht.

 

„Darts & Hearts“ kommt beim ersten Zuhören sehr, sehr, seeeeeeehr eingängig daher, der Verdacht einer puren Good-Time-Rock’n’Roll-Party-Yeah-AC/DC-habe-ich-auch-schon-mal-gehört-Platte hält sich aber nur bei oberflächlicher Betrachtung, dafür hat die Scheibe zu viele interessante Kleinigkeiten in den Details versteckt. Bei allen Songs schwingt eine dezente Liveatmosphäre mit, Höhepunkte sind in meinen Augen, äh, Ohren der Opener Steer mit seinen für Crayfish stilbildenden Chören und markanten Harmonien und das sich etwas abseits des Üblichen bewegende Searching.

 

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