the return of the orgelgott
Mambo Kurt orgelt live
Review/Bericht vom 19.12.2005 | Autor: Christian Ludwig / Gerald Merkel
Tags: Mambo Kurt
Review/Bericht vom 19.12.2005 | Autor: Christian Ludwig / Gerald Merkel
Tags: Mambo Kurt
Seit ein paar Jahren macht Mambo Kurt die Bühnen und Stromgitarren-Liebhaber unsicher: Dort wo normalerweise unter wildem Gepose elektrisch verzerrt in die Saiten gegriffen und auf Tierhäute eingeschlagen wird, erzielt der Mambo ähnliche Ergebnisse mittels einer Heimorgel – eigentlich vom Coolnessfaktor nach der Blockflöte die Rock’n’Roll-Antithese schlechthin.
Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit kommt ein Mann samt schwerem Gerät ins Cafe Central nach Weinheim, um zusammen mit seinen treuen Fans der Heimorgel zu huldigen. So begab es sich auch am letzten Freitag. Schon die Anreise passt ins Konzept und ist eigentlich Eintrittsgeld wert. Mambo Kurt saust mit dem klassischen Bandmobil, dem VW Bus eben, auf seine Gigs. Nur eben mutterselenallein, lediglich seine Heimorgel liegt dort, wo eigentlich bedröhnte Bandkollegen sitzen sollten. Das Los des Alleinunterhalters.
Zur Historie: Auf einer Party entdeckte der Mambo eine Heimorgel, die er flugs mit Rock’n’Roll-Evergreens zu bespielen begann – war er doch in seiner Kindheit bester Heimorgelspieler in der Alterklasse bis 14 Jahren. Ergebnis des Abends: Begeisterte Partygäste und stürmischer Abgang seiner damaligen Freundin, die das ganze als einigermaßen peinlich empfand. Logische Konsequenz aus diesen heftigen Reaktionen: Ernst machen! MK ist daraufhin (seit 1996) in Orgel-Mission unterwegs, mit Krachern aus dem groben Umfeld alternativen Rocks im Gepäck. Der Zufall will’s, dass Clawfinger vor ihrem Gig in einer 2000er Halle in einem Café chilen, in dem der Orgel-Gott beginnt in die Tasten zu greifen. Die Schweden erkennen einen Gott, wenn sie ihm begegnen. Am nächsten Abend eröffnet Mambo das Treiben in der nächsten 2000er Halle.
Zum Hier und Heute: Wie immer eröffnet Mambo Kurt den Orgel-Abend mit dem Rücken zum Publikum. Die Schwerstarbeit an der geliebten Yamaha Electone D-85 („Das beste, was es damals für Geld zu kaufen gab“) ist so besser zu begutachten. Für alle, die noch nicht wussten, was sie erwartet, ist der Opener „Jump“ von Van Halen schon eine echte Probe. Schier unglaublich, was sich alles mit einer Heimorgel anstellen lässt.Neben der Seligsprechung der Heimorgel ist es Mambo Kurts erklärtes Ziel, den partnerschaftlichen Tanz („wie sonst kann man schon mal abchecken, was beim anderen Geschlecht so geht, ohne sich vorher mit 10 Bier, 5 Schnaps und 3 Joints Mut zu machen“) zu propagieren. So tanzt er mit einem weiblichen Opfer aus dem Publikum dank Begleitautomatik ganz flott den „Final Countdown“-Tango. Es folgen zwei Stunden abwechslungsreiches Programm, von Polka über Samba („Sambastruck“) und Mambos Lieblingsrhythmus, dem Marsch, werden Klassiker der Musikgeschichte neu interpretiert. Ob Slayers „Raining Blood“, „Hot in Here“ von Nelly oder Rammsteins „Engel“, das Publikum im gut gefüllten Cafe Central feiert seinen Orgelgott. „Denn nichts geht so ins Blut wie ein Mambo mit 124 bpm!“
Schade nur, dass unser Heimorgelgott seine Ansagen seit zwei Jahren nicht geändert hat. Aber vielleicht macht auch das die Faszination Mambo Kurt aus. Das Highlight ist sicherlich die fast originalgetreue Interpretation von „Insomnia“ von Faithless, ein Song wie geschrieben für die Heimorgel. Und die Begleitautomatik macht es möglich: Stagediving quer durch den Saal. Zum Abschluss noch eine Polonaise und die Zuschauer werden beschwingt in die Nacht entlassen.
Was bleibt: Mambo Kurt rockt! Und das auf einer Heimorgel!Wer jetzt Lust bekommen hat: Im Internet sind schöne große Heimorgeln schon für 50,- Euro zu bekommen…
Christian Ludwig / Gerald Merkel
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